Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
1337
JPEG-Download
 

B. Geräth. Handwerk. Töpferei: Steingut; Glasverf. (17001815 ff.). 1337

vierzigtausend Menschen ernährte. Die Arbeiten selber bewegten sich,folgends unter Mitwirkung des geistvollen Bildhauers John Flaxmann (17551826), fast in allen Zweigen der Bildnerei vorzugsweise in Nach-ahmung römisch-griechischer Gestaltungen, von dem kleinsten geschnit-tenen Stein bis zur umfangreichen Bauverzierung. Vornämlich aber be-standen sie in den verschiedensten Geschirren, gleichwie zum täglichenGebrauch, so auch zu blosser Schaustellung, in Vasen, Krügen, Kannen,Flaschen, Schaalen, Tassen, Fruchtkörben, Schreibzeugen, Kronleuchtern,Lichterständern u. s. f., Alles dies gemeiniglich im Grundton blau, grün,schwarz, grau, rothbraun, auch marmorirt, meist ausgestattet mit aufge-legten, weisslichen Verzierungen, milchfarbig und leicht durchschimmernd,in Form von ziemlich flachen Reliefs mit Darstellungen aus der Mytho-logie, alten Geschichte u. dergl., auch von eben solchen Cameen, wieauch zum Theil von Festons, Früchten, Blumen, Kriegstrophäen, Widder-köpfen u. A. Dazu erhielt insbesondere die sogenannte Jaspis-Waare gelegentlich einen eigenen Schmuck von zierlichen Flachbildnissenim Rund mit verschiedenfarbigem Grunde, und das zu gewöhnlicheremGebrauche bestimmte grauschwarze und rothe Geschirr, wenn nicht völligschmucklos belassen, eine Verzierung durch Rundbildchen von gleicheroder (milch-) weisser Färbung. Die Cameen als Abformungen wurdfenmeist auf weissem Grunde grau oder jaspisartig behandelt.

Neben dieser Werkstätte, welche erst in jüngster Zeit mit derWandlung des Geschmacks von ihrer Trefflichkeit einbüsste, bildete sichzu eben der Zeit in England die Verfertigung einer porcellanähnlichenFaience, die der persischen Waare aus. Diese, höchst fein mit einerweissen äusserst glänzenden Glasur, ward von vornherein nicht erhobenverziert, sondern nur auf weissem, blauem, grünem oder gelbem Grundemit Bäumen, Blättern, Blumen, Streifen, Figuren u. A. derart bemalt,dass die Darstellungen an sich leicht reliefartig erscheinen. Zudembestand in Paris in den Jahren von 1796 bis um 1802 die FabrikN. Oliviers, welche in Faience hauptsächlich Oefen, und Platten zurVerkleidung, ausgezeichnet lieferte.

Eine ähnliche weitgreifende Rückwirkung, wie die Erfindung desPorcellans, übte die jetzt allseitig zunehmende Verfertigung des Glases,die nun damit steigende Billigkeit auch derartiger Waaren. Allerdingsbetraf letzteres einstweilen noch nur höchst einfache Gebrauchsgegen-stände, wie Scheiben, Flaschen, Trinkgefässe u. dergl., indessen sankeneben solche nun auch zu so geringen Preisen herab, dass deren Ver-breitung schon bald eine ganz allgemeine wurde. Nun auch folgte inder Anlage von Glashütten Portugal unter seinem Könige Johann V. (1706 1750). Sonst aber bestanden derartige Werkstätten nahezuüberall, sich theils vermehrend, theils beträchtlich erweiternd. So unter