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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1336 1 ^' Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

ders erging es der Anstalt, welche der Kardinal Stoppani im Jahre1772 wieder zuIUrbino ins Leben rief, auch ungeachtet der Opfer, dieer selber dem Unternehmen brachte.

Dagegen sollte, trotz des Porcellans, das Steingut zu hohen Ehrenkommen, und zwar vor allem in England, wo sich bereits im erstenDrittheil des Jahrhunderts unter anderem Astbury durch gut glasirteund schöne Faiencen auszeichnete. Darin das Höchste zu leisten indessenblieb erst seit Beginn der sechsziger Jahre dem Sohne eines Töpfers zuBurstem, Joshua Wedgewood (17301795), Vorbehalten. Die von daan wiederum der (alt-) klassischen Formengebung sich zuwendende Ge-schmacksrichtung (s. unten) kam ihm dabei vorzüglich zu Gute. So ge-schmeidig auch das Porcellan sich zu Allem verarbeiten lässt, erfordertes doch nicht allein einen ausnehmenden Hitzegrad, sondern schrumpftauch während des Brennens mindestens um ein Sechstheil zusam-men, sich in den meisten Fällen verziehend, so dass es sich zur Festigungvon derartig reinen Formen, wie solche dem Alterthum eigenen, durch-aus ungünstig erweist. Gerade dem aber entspricht das Steingut, das,bei geringerer Hitze gar brennend ohne wesentlich zu schwinden, auchjede ihm ertheilte Gestaltung um so gleichmässiger bewahrt. Hieraufgestützt, errichtete Wedgewood im Jahre 1763 eine eigene Fabrik, inwelcher er meist nach antiken Vorbildern dieQueens^- Waare verfer-tigte. Dieselbe, welche sich sehr bald des allgemeinsten Beifalls erfreute,war weiss, bei durchscheinender Email leichthin ins gelbliche spielend.Nächstdem aber stellte er mancherlei Arten von Mischungen her, je nachStoff und Färbung alsErd - oderStein-Waare, wie auch alsBam-bou, Basalt, Jaspis, Egyptian-Earth u. a., und je nach dem Grund-ton als Gold-, Silber-, Purpur-Lüstre u. s. w. eigens benannt. 1 InKurzem erreichte der Betrieb eine solche Ausdehnung, dass Wedgewoodim Jahre 1770 auf seinem Landsitz eine Fabrikstadt im eigensten Sinnegründete, der er den NamenEtruria gab, welche allmälig nahezu

1 Die Verschiedenheit dieser Bezeichnungen, sowie auch die grosse Mannig-faltigkeit der in dieser Fabrik gefertigten Gegenstände erhellt allein schon ausden Kaufverzeichnissen derselben. Vergl, unter anderen:Catalogue de Cannes,Intaglios, Medailles, Bas-Reliefs, Bustes et Petites Statues; accompagnd duneDescription Generale de divers Tablettes, Vases, lDcritoires, et autres articlestant utiles que pürement agreables; le tont fabriqu4 en Porcelaine et Terre cuitede differentes espäces, principalement dapres 1Antique, et aussi dapräs quelquesuns des plus beaux modales des Artistes modernes. Par Josias Wedgewood,Hembre de la Societd Royale et de celle des Antiquaires de Londres, et Manu-facturier de la Reine, ainsi que de Leurs Altesse Royale le Duc dYork etdAlhanie, et le Prince Guillaume Henrie. Dont la vente et perpetuellementouverte en son Magasin dans Greek-Street, Soho , ä Londres, et ä sa Manufac-ture & Etrurie , dans le Comte de Stafford. 1788 (m. Abbildgn.).