B. Geräth. Handwerk. Glasmacherei: Spiegeltafelgl. (1700—1815 ff.). 1339
Brescia , thätig zu Venedig um 1770, F. Tortorino in Mailand , gegenEnde des Jahrhunderts, und A. Toricelli zu Florenz ; N. Recknagel zuBerlin , von 1708 bis 1712; Gottfried Spittler aus Prag desgleichen;Michael Vais zu Dessau , bis um 1750, und Aron Woljf aus Branden burg , noch um 1750 thätig, und zugleich als Aetzer hochgeschätzt;Arthur Schoumann von Dortrecht bis gegen 1748. — In den Jahren1764 bis 1767 ward von dem russischen Hofrathe J. F. Reifstein einGlasfluss erfunden von äusserster Härte, welcher sich gleich dem Dia-manten behandeln Hess, wofür derselbe von der königlichen Societät derWissenschaften zu London zehntausend Pfund Sterling erhielt mit derZusage, das Geheimniss erst nach seinem Tode bekannt zu machen.
Die Verfertigung von Spiegeltafelglas, wie solche A. Thewardund F. Platriers in St. Gobin ausgezeichnet betrieben (S. 1125), wurdenunmehr ebenfalls Gegenstand allgemeineren Wetteifers. Mit der aus-nehmenden Kostspieligkeit des von diesen eingchaltenen Verfahrens, ge-steigert durch häufigeres Misslingen des Gusses, wollte der Absatz nichtmehr recht Schritt halten, zumal da die Verhältnisse in Frankreich sicheben nicht günstiger gestalteten. Noch kurz vor Anfang des Jahr-hunderts sah die Fabrik sich veranlasst, mehre Giessöfen eingehen zulassen und die Zahl ihrer Arbeiter nicht unbeträchtlich zu vermindern.Eine Folge davon war, dass von den Abgelohnten mehre sich ins Aus-land wandten, und so das Geheimniss des Tafel-Gusses nach Italien ,Holland und England hin verbreiteten. Jedoch auch in Frank reich selbst entstand schon im Jahre 1702 eine eben solche Werkstätte,unter der Leitung von Antoine d’Azincourt die, da sie mit Vortheilarbeitete, die Fabrik zu St. Gobin zu steter Ermässigung ihrer Preisenöthigte. Es kam auch nun Alles dies wieder den Venetianern zuGute, deren an sich viel billigere „gestreckte“ Tafeln von neuem um sostärker begehrt wurden (vergl. S. 1126). Ueberhaupt aber richtete fortandas Bestreben sich bei weitem mehr darauf, möglichst umfangreicheTafeln durch blasen, aufschneiden und auswalzen eines Cylinders zu be-schaffen, als durch den blossen Guss. Beides ward fortbetrieben; letztereshauptsächlich iD England, wo es in neuester Zeit zu hoher Vollendunggelangte; jenes Verfahren dagegen vor allem in Deutschland , wo dieerste derartige Tafelglas-Hütte schon bald nach Beginn des achtzehntenJahrhunderts Doctor Schober im Verein mit dem Nürnberger Götze zuSolnhofen im Ansbachschen gründete. Hierin vorzügliche Fortschrittemachten dann seit 1750 der böhmische Hüttenbetrieb und die Hütte„zum grünen Plan“ bei Braunschweig , wekhe letztere sich seit 1770ganz besonders tüchtig erwies. Nicht lange danach gelang mehrendeutschen Fabriken in der Weise völlig fehlerfreie Tafeln selbst bis zuachtzig Zoll Höhe und über dreissig Zoll Breite zu liefern. —