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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1342 IV Das Kostüm yom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

Vorlagen von zum Theil hochbegabten Zeichnern, wie A. Masson,P. E. Babel u. Ä.

Je mehr aber der Betrieb genöthigt ward sich zu verengen, um sostrenger nur hielt die Genossenschaft selber auf Wahrung ihrer Gerecht-same. So vor allem widersetzte sie sich der von denEconomisten ,wie besonders von Jacob Turgot im Jahre 1777 verkündeten Gewerbe-freiheit und Aufhebung der zünftigen Rechte. Sie wurde beim Königewicderholentlich vorstellig, erreichte auch, dass schon im Monat darauf,nach Verabschiedung Turgots, dessen Nachfolger die Angelegenheitordnete, musste sich nun aber doch gefallen lassen dass man ihr denvierten Rang anwies, die Golddrahtzieher und Goldschläger beizählte,und das Recht der Bearbeitung der Edelsteine auch auf die Edelstein-häudler (lapidaires) übertrug. Doch währte auch dies nur nochkurze Zeit, nicht länger als bis zur Revolution (1789), welche eben allederartigen Sonderrechte, wie mit einem Schlage beseitigte.

Von den übrigen Ländern waren es vornämlich Italien undDeutschland , wo mindestens noch bis gegen die Mitte des Jahr-hunderts der Gold- und Silberschmiederei mehrseitig Gelegenheit ge-boten wurde, sich in umfangreicheren Arbeiten von edelem Metallezu bethäthigen. In Italien , und so auch wenngleich in geringeremMaasse in Spanien , ward der Betrieb nach dieser Richtung hin, ausservon Fürsten und begüterten Kunstliebhabern, immerhin noch häufigerfür kirchliche Zwecke in Anspruch genommen. Auch in den Nieder-landen und in England fand derselbe zuvörderst noch in eben derArt seitens des Hofs und der Vornehmen überhaupt mehrfach Unter-stützupg, obschon gerade in England auch sehr bald Veranlassungsich vorzugsweise auf die Verfertigung von Kleinarbeiten oder Galanterie-waaren zu verlegen. Hierzu trugen selbst früh schon Deutsche bei, indemsolche sich zu dem Zweck theils dort niederliessen, wie der AugsburgerBartholmä Herbst bereits um den Beginn des Jahrhunderts in London ,andcrntheils zur Ausbildung in dieser Art der Bethätigung daselbstlängere Zeit aufhielten. In Deutschland selbst behaupteten, wiedenn zumal in Ausführung von grösseren Werken, vor allem Augs­ burg und Nürnberg ihren altherkömmlichen Rang. Noch immerwurden hier von zahlreich geschickten Meistern, freilich auch zumeistnur noch im Aufträge von Fürsten , reichen Kirchengemeinden und be-güterten Anstalten, nächst grösseren Gefässen, auch mancherlei Haus-geräth, Möbel u. dergl, mindestens aus Silber, ja gelegentlich auch, be-sonders kleinere Geschirre, aus Gold angefertigt. So unter Vielen liefertenallein von Augsburg aus Michael Hechel (bis 1721) für den mark-gräflichen Hof von Bayreuth grosse Tische, Stühle u. s. w., JohannesBartermann (bis in 1715) für den Herzog von Sachsen-Wcissenfels,