B. Geräth. Handwerk. Goldarbeit u. s. w. (1700—1815 ff.). 1341
berühmt in ganz Europa , ward er von vielen Fürstlichkeiten, so auchvom Könige von Portugal , mannigfach in Anspruch genommen. Nichts-destoweniger Hess aber selbst auch er sich bereit finden, bloss in Kupferzu arbeiten. Im Uebrigen verstand er sich mit ähnlicher Tüchtigkeitauf die Baukunst und Sculptur. Auch dienten seine Erzeugnisse denZeitgenossen und Nachfolgern für geraume Zeit hin als vorzugsweisemustergültig. — Ueberhaupt brachte die Abnahme des Betriebs nocheigens mit sich, dass von den geschickteren Goldarbeitern nicht wenigesich nebenher anderen Kunstfächern zuwandten, und mehrentkeils nunauch darin mit Erfolg vorgingen. So schon frühzeitig Alexis Loir undNicolaus de Launay in der Kupferstecherkunst, J. A. Meissonnier infast allen Fächern, P. A. Ducerceau und Bernhard Toro in der Sculpturund Ornamentik, während zugleich sie und viele andere hauptsächlichsich die Erfindung von Mustervorlagen und deren Veröffentlichung an-gelegen sein Hessen . In dem letzteren Punkte jedoch wurden sie baldvon deutschen Zeichnern weit überholt, von denen einzelne selbst, soJohann llauer, nach Paris übersiedelten, deren meist fortlaufende um-fassende Sammlungen mit ihrer ungemeinen Fülle der verschiedensten,allerdings auch vielfach höchst wunderlichen Gebilde, alle Länder fastüberflutheten (s. unten).
Alles was nach der Mitte des Jahrhunderts noch etwa von grösserenArbeiten in Silber gelegentlich Absatz fand, beschränkte sich, nächst denleichten Tafelaufsätzen, im Wesentlichen auf meist ebenfalls hohlgearbeiteteArmleuchter, einfache Lichtständer und wenige Gefässe, belassen odervergoldet. Noch zu Anfang der Regierung Ludwigs XV. galt es ebennur als ein ganz besonderer Fall, dass derselbe für die Königin MariaLeszinska den Rahmen zu einem Spiegel nach einer Zeichnung vonF. Boucher durch Charles Roettier von Gold fertigen Hess. Dochsodann, als er der Dubarry gestattete, sich einen gleichen Spiegel zubestellen, erregte dies nunmehr, auch selbst am Hofe, den allgemeinstenUnwillen. — Unter solchen Verhältnissen blieb denn aber freilich auchwohl den geschicktesten Arbeitern kaum Weiteres übrig, als sich fasteinzig auf Beschaffung aller der Kleinarbeiten zu legen, welche die zeit-läufige Mode, nun allerdings auch gerade in umfassendem Maasse forderte.Es belief dies sich mithin auf Etuis oder Bestecke jeder Art, auf Taba-tieren, Bonbonnieren, Riechbüehschen („boites de senteur “), Räucher-pfännchen ( v cassolettes u ), Einfassungen von Medaillons, Fächer, Knöpfe,Uhren, Schuhschnallen, Stockknöpfe, Ringe und sonstige Schmucksachen,was insgesammt in den verschiedensten Formen, gemeiniglich erhobenverziert, reich gravirt und ciselirt, mit Steinen, bisweilen auch mit Emailleausgestattet, mit ebenso zierlichst durchgebildetem Geschmacke als auchmit höchstem Geschick gearbeitet wurde, dies zumeist gleichfalls nach