1344 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
auch hier in steigendem Grade zur Vorherrschaft. Die Rückkehr vielerder darin seither in England thätigen Deutschen gab dem einen nochweiteren Schwung (S. 1342). Ueberdies aber hatte sich schon bald nachAnfang des Jahrhunderts gerade dieses Zweigs der Betätigung diekaufmännische Gewinnsucht bemächtigt, und bereits hie und da, so vorallem in Leipzig und Dresden , eigene Goldschmiederei-Fabriken ge-gründet. 1 Ihnen besonders kam dies zu Gute. «Und nicht lange, wäh-rend die schon bestehenden Fabriken sich ausdehnten, erhoben sich derenmehre, wodurch allerdings nun die Dinge stetig billiger, doch auch umso schablonenmässiger und flüchtiger beschafft wurden. Zu Hauptwerk-stätten dafür entfalteten sich Schwäbisch-Gmünd , Hanau und Pforz heim , deren Erzeugnisse nahezu ganz Europa überschwemmten. Nochandere Fabriken der Art entstanden, und bestehen zum Theil, wie nament-lich Hanau , noch heut, in Heilbronn , Stuttgart , Karlsruhe , Nürnberg u. a. 0., wobei in Nürnberg der Gebrauch fortherrscht, dass von dendortigen Arbeitern jeder nur einen ihm angeeigneten, bestimmten Gegen-stand fertigt.
In der steigenden Vorherrschaft dieser Kleinarbeit fand zugleich derEdelst ein schnitt, so wie auch das Fassen der Edelsteine, einenwesentlichen Hebel. Die Schleiferei ward vervollkommt, auch durchSchleifmaschinen erleichtert, wie solcher sich schon Jean de Rivaz zuParis (um 1710) nach eigener Erfindung bediente; die Fassung in „äjour“ausgebildet, und überdies auch manches Mittel ersonnen minder vorzüg-lichen Steinen, sei es durch Unterlage von Folie, höheren Glanz zu ver-leihen. Zufolge dessen ward auch die seit länger vernachlässigte Kunstdes vertieften und erhobenen Schnitts von Wappen, Figuren u. s. w.mehrfach wieder aufgenommen, wobei es freilich vorerst noch eigensgalt so manches verlorene Verfahren von neuem zu erforschen (S. 1115).Mit zu den Künstlern, welche sich darin besonders hervorthaten, ge-hörten,'nächst Jean de Rivaz, A. Toricelli zu Florenz , gleich um denAnfang des Jahrhunderts; Flavius Sirleto zu Rom (gest. 1737), vorallem berühmt in Nachahmung altrömischer Bildnereien; Erhard, Chri-stoph , Christian und Maria Dorsch zu Nürnberg , die ersteren in denJahren 1712 bis 1732, letztere noch um 1740 thätig; Christoph Becherzu Wien (bis 1750), der zumeist in Carneol und Onix schnitt; J. Barierzu Paris (gest. 1746); Jacob Ballador von Nürnberg (gest. 1757),hauptsächlich thätig in Amsterdam ; Joseph und Carlo Constanzi zuRom (bis um 1750); Maria Fabi zu Venedig (bis um 1750); RudolphOchs aus Bern , in London (bis um 1750), so wie als allgemein hoch-
1 S. unt. and. Journal für Fabrik, Manufactur, Handlung und Mode.Bd. X. (Januar bis Juni) S. 115 ff.