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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1345
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B. Geräth. Handwerk. Stein-, und Metallarbeit (17001815 ff.). 1345

berühmt Lorenz Natter (gest. 1763) und Joseph Pichler aus Tyrol(gest. 1790). Ersterer, vorzugsweise geschätzt im Schneiden von Wappenund Bildnissen, arbeitete mancherlei für Florenz , St. Petersburg u. a. 0.;letzterer, thätig in Neapel , gleichgeschickt wie in vertieftem Schnitt, auchin der erhobenen Arbeit, verstand den antiken Gemmenschnitt in einerWeise auszuüben, dass die von ihm behandelten Steine nicht selten füralte gehalten wurden.

Die Arbeit in halbedelen und geringeren Gesteinen geriethdagegen schon bald nach Anfang des Jahrhunderts, wie zumal mit derrasch wachsenden Verbreitung des Geschirrs von Glas und Porcellan,bedeutend in Abnahme. Indessen fand immerhin das Schneiden undSchleifen des (Berg-) Krystalls zuPrachtgefässen insofern selbst einigeFörderung, als es fortgesetzt Fürstlichkeiten liebten sich mit derartigenPrachtstücken, meist in Gold gefasst und sonst reich verziert, gegenseitigzu beschenken. Besonders berühmt in solchen Arbeiten war unter Augustv dem Starken von Sachsen, und auch hauptsächlich für letzterenthätig, 1 G. B, Metellino in Mailand . Der Betrieb in Verwendungdes Marmors, Alabasters und Serpentins verlor sich im Ganzenin Verfertigung, so des Marmors und Alabasters vor allem von Auf-legeplatten, und des Serpentins ausserdem von mancherlei Gebrauchs-gefässen. In der verzierenden Ausstattung von solchen Platten spieltezugleich die musivische Arbeit ihreRolle zum Th eil mitfort. Hierinals ausgezeichnet bethätigten sich Florenz und Rom ; Rom jedochvorwiegend nur in Kleinarbeiten zu Schmuckgegenständen u. dergl., wofürdaselbst bereits kurz nach Beginn des achtzehnten Jahrhunderts eineeigene Kunstwerkstätte P. Christophoris gründete.

Die niederere Metallarbeit, wie die Verwendung des Kupfers,Messings und Eisens zur Herstellung von Nutzgeräthen, die Blech-schmiede r ei und Giess er ei, konnte trotz Glas und Porcellan nichtwohl beeinträchtigt werden, ja musste ihrem eigentlichen Wesen nachvielmehr an Ausdehnung gewinnen. Abgesehen von den Vortheilen,welche der Kupferblechschmiederei allein schon aus der Abnahme derSilberschmiederei erwuchs (S. 1340 ff.), kam allen diesen Bethätigungen derstetig sich mehrende Gebrauch von metallnen Wirthschaftsgeräthen, alsKochgeschirren u. s. w., dauernd zu Gute. Auch war es zunächst nocheben dieser Punkt, auf den sie insgesammt hauptsächlich abzielten, undder sie, in dem Bestreben dem möglichst zu genügen, auch in bestän-digem Fortschritt erhielt. Dabei stehen freilich blieben sie nicht, son-dern erweiterten ihr Gebiet durch Verfertigung von zahlreichen Gegenstän-den des wohnräumlichen Aufwands, und dies dann mehrentheils mit vielem

1 A. B. von Landsberg . Das grüne Gewölbe in Dresden . S. 108 ff.

Weisg, Kostümkunde, III. 85