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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1348 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

die wenige Jahre später der Goldschmied Hossauer nach Berlin über-trug. Bei allendem fand der Betrieb überhaupt eine ungemeine Stei-gerung in der von ihm nun gleichfalls aufgenommenen und seinenZwecken gemäss nicht minder rasch vorzüglich ausgebildeten Lacki-rung. Diese von den Engländern zuerst den Japanesen nachgeahmt,wurde nicht lange danach nahezu überall mit gleichem Geschick geübt,und so, bei zunehmender Massenverfertigung, für fast jeglichen Gegen-stand des wohnräumlichen Bedarfs, wie Leuchter, Lampen, Kaffee- undTheemaschinen, Theebretter, Präsentirteller, Büchsen, Dosen u. s. f. man-nigfachst in Anwendung gebracht. Die erste grössere Fabrik bildetesich in Birmingham , worauf jedoch sehr bald mehre derartige Fabrikenin Frankreich und Deutschland sich aufthaten. So hauptsächlichin Paris , wo sich in dem Zweige seit dem Jahre 1800 die FabrikantenDeharme und Dubaitx, zugleich durch mehre Verbesserungen, auszeich-neten; nächstdem in Braunschweig und in Oestreich, wo sichebenfalls seit dem Jahre 1800 die Fabrik von A. Vollgräber zuPiestungbei Wienerisch-Neustadt eines weithin sich verbreitenden Rufs erfreute:Sie verfertigte von Eisenblech alles was sich nur aus Silber, Kupfer,Messing, Zinn u. s. w. von ähnlichen Geschirren verfertigen lässt, auchmit äusseren Verzierungen, wenn die Muster dazu eingesandt würden.Eine besondere Art der Lackirung, bestehend inMetallmoire, ward imJahre 1814 durch Allard in Paris erfunden. Die zunehmende Ver-breitung nun auch noch dieser Waaren zu der bereits durchgängigenVerwendung von Geschirren aus Glas und Porcellan, trug denn nocheigens bei die einst so allgemein beliebten Geräthe von Zinn vollendszu verdrängen, sie zuAltväter-Hausrath zu stempeln und günstigstenFalls als Erinnerungsstücke auf das Küchenbord zu verweisen. DasZinkblech diente vorerst noch wesentlich nur zur Beschaffung vonmehr untergeordneten Gegenständen.

Das Schnitzen und Drehen in Elfenbein setzte sich, zugleich alsLieblingsbeschäftigung auch höchst gestellter Personen, in steigendemGrade fort (S. 1116). Zu den Fürstlichkeiten, welche sich darin mitvielem Geschick bewegten, zählte Peter I. von Russland , von dem unteranderem zwei von ihm gearbeitete Tabatieren dasGrüne Gewölbe zuDresden besitzt. Der Betrieb selber befasste sich wie vor mit Beschaf-fung aller nur möglichen Gegenstände, von den zartesten Künsteleienund zierlichsten Kleinkunstwerken an bis zu grösseren Geräthen jederArt, nunmehr aber auch mit Verfertigung selbst beträchtiich umfang-reicher Bildwerke in völliger, runder, und in halberhobener Durchbildung.Erstere Gegenstände bestanden mithin auf ferner zumeist theils auszwecklosen Spielereien, wie in mancherlei Arbeiten von papierner Dünne,ineinander geschnitzten Kugeln, aus dem Ganzen gefertigten Ketten, ver-