1350 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
als Schachspielen, Tabatieren, Etuis, Halsbändern u. s. w., dies insge-sammt äusserst zierlich gleichfalls von Bernstein hergestellt.
Ebenso verblieb es noch, mindestens bis gegen die Mitte des acht-zehnten Jahrhunderts, hinsichtlich der Behandlung und Verwendung derMuscheln, wie des Nautilus, der Perlenmutterschalen u. dergl. m.,der Korallen, des Horns und Schildpats, der Kokosnussu. s. w. (S. 1118). Der eigentliche Muschelschnitt gerieth zuerst inAbnahme, wurde wenigstens da, wo er sonst als Belegschmuck diente,immer häufiger durch Glasarbeiten und Porcellan, theils mit Kleinmalerei,ersetzt. Die Koralle, vorzüglich die rothe, fand dagegen gleichwie inForm selbständiger Schmucksachen, so auch als blosses Verzierungsmittelum vieles länger Beifall, und in Betreff des ersteren Punkts nunmehrselbst in fortschreitendem Maasse. So auch ward, eben in Folge dessen,zu dem Zweck fortan nicht nur die schwarze Koralle mit verwerthet,sondern auch die rothe, als die zumeist begehrte, künstlich nachgeahmt.Es ging dies von Nürnberg aus, und ward hier von den „Knochendrechs-lern“' theils durch Rothbeizen von Knochen, vornämlich von Hirsch- undBockshorn vermittelst Lauge und Zinnober, theils dadurch erzielt, dasssie aus der rothen Koralle den Färbestoff ausschieden, die übrige Massein Teig verwandelten, daraus grössere Korallen formten, und diese nunmit ihrem eigenen Färbestoff tränkten. Das Horn und das Schildpathauptsächlich dienten wie vor, ausser zur Verfertigung allerlei kleinerZiergeräthe, zum Belegen von Schmuckmöbeln, von Kästchen, Schränken,Uhrgehäusen u. s. w. zumeist in Art der „ Boule-Arbeit “ (S. 1120),welche letztere auch an sich noch geraume Zeit hindurch vorzüglichin Mode blieb, während das Schildpat folgends jedoch auch vielfach ge-fälscht wurde, wie theils durch Färbung von Horn, theils durch eine ihmnahezu täuschend ähnliche Lackmischung. —
Die Holzarbeit blieb in allen ihren Zweigen, insonderheit aberals Schreinerei, oben auf (S. 1118). Sämmtliche seitherigen Verfah-rungsweisen wurden gleichmässig fortgeübt, zudem aber nun sowohldurch Verbesserungen einzelner Werkzeuge, als auch durch Erfindungneuer Hülfsmittel, wie unterschiedlicher Hobel, Spitzsägen, Bohrer u. A.noch zunehmend erleichtert und erweitert. Neben der niederen Schrei-nerei, die sich wesentlich gleich wie seither, ausser mit der Herstellungvon gewöhnlicheren Geräthen, mit der Verfertigung von Bautheilen, alsThüren, Fensterrahmen, Fussböden u. dergl. befasste, waren es dauernddie Kunstschreiner, die nunmehr sogenannten „Ebenisten“ oder „Fournier-Tischler,“ welchen es oblag in stetem Verfolg der zeitläufigen Geschmacks-richtung für den höheren Bedarf zu sorgen. So entstanden denn vor-zugsweise auch für sie seitens mehrfach geschickter Zeichner, zum Theilselbst dem Gewerbe angehörend, zahlreich Sammlungen von Mustervor-