B. Geräth. Handwerk; Schreinerei (1700—1815 ff.). 1351
lagen der mannigfaltigsten Eiuzeiverzierungen und jeder Art von Möbel-werk bis zu reichster Durchbildung. — Von den zumeist künstlich be-handelten Möbeln kamen die eigentlichen „Kunstschränke“ (S. 1119)mehr und mehr ausser Gebrauch, obschon es noch immer Einzelne gab,die sich mit Verfertigung von solchen Schränken beschäftigten, undletztere, wie vorerst noch vor allem die des darin seit länger berühmtenJohanne s Man, mehrfach Absatz fanden (S. 1120). Dagegen ward esnun, wesentlich mit in Folge der „B o u 1 e - Arbeit,“ zunehmend beliebterdie Zimmermöbel überhaupt stellenweise mit Metall zu beschlagen, sovor Allem die Schlösser ausserhalb, die Aufziehriegel, Handhaben, Füsse,Console, Kapitälchen u. A. aus Bronze (vergoldet) oder Messing, meistin erhobener Gussarbeit zu beschaffen. Es setzte dies sich ziemlich all-gemein bis über den Schluss des Jahrhunderts fort. Nebenher behaup-tete sich mindestens bis weit über die Mitte desselben die Verzierungdurch Schnitzerei, welche jedoch nun auch schon während dieser Zeithäufiger, und folgends in stets weiterem Umfange ebenfalls durch Metall-gussstücke ersetzt ward. Anderseits erfreute sich .als Verzierungsmittelfür Flächen eines steigenden Beifalls die flache und die halberhobeneDarstellung von Zierrathen, sowie auch von allerlei Figürlichem, durchEinlage einfarbiger, theils nur leicht abschattirter, und verschiedenfarbigerHölzer (S. 1120). Hierin vorzugsweise geschickt waren Emanuel Eichel zu Augsburg (bis 1752), Alexius Mattioli zu Florenz (bis um1750); Melchior Kambli von Zürich (gest. 1770), um 1745 in Berlin thätig; die Gebrüder Calam zu Potsdam (um 1770), Michael Kummerzu Neuwied (bis 1790) u. A. Besonders ausgezeichnet dagegen in um-fangreichen Arbeiten, vornämlich für kirchliche Zwecke, so in Beschaffungvon Altären, Kanzeln u. s. f., bethätigten sich unter Anderen die Augs-burger Joh. Friedrich Rudolph (1692—1754) und Joh. Joseph Obrist(gest. 1756). — Mit dem allmäligen Zurüektreten der Verzierungsweisedurch Schnitzerei und Einlage etwa seit 1760 zu Gunsten einfachererFlächen, gewann vor allem das Belegen von Möbelwerk aus geringenHolzarten mit dünnen Platten von feinerem Holze, die „Fournier-Arbeit,“ gleichwie beträchtlich an Ausdehnung, so auch an Vollendung,Ungeachtet der zeitige Geschmack zunächst noch eine zum Theil ziem-lich starke Aus- und Einschweifung der einzelnen Flächen forderte, wusstedoch diese Arbeit sich dem aufs vollkommenste zu fügen. Als Unter-oder „Blindholz“ dienten gemeiniglich Kiefern, Birnbaum und Eichen,als Fournierholz aber vorzugsweise Masern-, Nussbaum-, Buchsbaum-,Cedern- und Cypressenholz, später hauptsächlich Mahagoni. Es warddies auf der „Fournier-Mühle“ zu äusserst dünnen Platten, meist in derStärke von nur einer bis zu anderthalb Linien zerschnitten, und dasMöbel damit nun entweder durchweg gleichartig, oder, so einstweilen