1364 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
solche sich zunächst im kunstbaulichen Betriebe am ersichtlichsten äusscrtc,ja bereits bis gegen die Mitte des Jahrhunderts mehrfach schon Werkeentstehen liess, die wie unter anderem das von Wenceslans von Knobels-dorf (1697—1753) zu Berlin erbaute Opernhaus, 1 ganz im römischenSinne erdacht waren, so auch stellte sich wiederum eine engcrere Be-ziehung zwischen der Geräthbildung und eben jener Bethätigung her.Indessen wie die letzere selber vorerst mannigfach schwankte, die Bau-meister in ihrem Schaffen noch häufig genug in den „Kommodenstyl“verfielen, 2 um so mehr noch war dies der Fall innerhalb der Klein-künste, wie der Geräthbildnerei insbesondere. Hierbei nun eben als eineMithülfe sich aus dem Zwiespalt zu befreien, wurde das Chinesenthumin weiterem herangezogen, und, wie anfänglich fast lediglich in der Ge-fässbildnerei nachgeahmt (S. 1333), so nun, um die Mitte des Jahr-hunderts, auch für Möbelwerk in Anspruch genommen (S. 1356). Esging dies hauptsächlich von England aus, wo sich überdies auch zu-nächst das Bestreben nach Wiederbelebung der antiken Formengebungbei weitem am erfolgreichsten regte.
Es trat auch dies wiederum vor allem in der Gefässbildnerei her-vor (S. 1357). Was an dahin gehörenden Gegenständen aus dem Alter-thume bekannt war und ferner zu Tage kam, wurde, wie denn vornämlichseit dem Jahre 1762 durch J. Wedgewood (S. 1336), für die ver-schiedensten Zwecke der Art verwerthet. Als Grundgestaltung hierfürüberhaupt gelangte mithin die Ei-, Kürbis- und Yasenform zu weit über-wiegender Vorherrschaft, wenngleich allerdings einstweilen noch vielfachuntermischt mit den seither zeitläufigen Formen. Es betraf dies letzterejedoch nur noch gewisse Einzeltheile, wie Henkel, Diillen, Füsse, Deckelund die Verzierung im Einzelnen, wobei die verschnörkelte Muschel-bildung sich zumeist zu behaupten suchte, doch auch dies nur bis indie siebenziger Jahre, in welchen dann, noch vor Ablauf derselben, derUmschlag im durchweg antiken Sinne vorläufig einen Abschluss fand.Aber wenn schon nunmehr auch das Ganze in eben dem Sinne behandeltward, und selbst auch das klassische Ornament, wie die Perlen- undEierstäbe, Zahnschnitte, Dreischlitze, Lorbeerkränze, Blumengehänge,Akanthusblätter, Palmetten, Cannelirungen, Hohlkehlen, Profile u. s. f.,fast ausschliesslich zur Verwendung kam, fehlte es zunächst immerhin
1 Da dieser Bau bei seiner Wiederherstellung nach dem Brande im Jahre1843, auch in seiner Aussengestaltung mancherlei, ihn eben nicht verschönerndeVeränderungen erlitt, wie Entfernung der Seitentreppen u. a. m., sei daraufhingewiesen, dass die dafür von W. von Knobelsdorf eigens gefertigten Ent-würfe sich im königlichen Kupferstich-Cabinet zu Berlin befinden.
2 Als ein besonderes Beispiel dafür sei hier nur die königliche Bibliothekin Berlin erwähnt.