B. Oerath. Wandlung der Darstellungsform (1750—1804).
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durfte es, zumal in Betreff der davon so weit abgewichenen Geräth-bildung, zunächst noch einer tiefgreifenden Läuterung. Als das geeig-netste Mittel dafür wurde, aus der nun zugleich sich allgemeiner erhebendengeistigen Richtung heraus, eine abermalige Rückkehr zu den Formen desAlterthums erkannt. Innerhalb des kunst baulichen Betriebs warensie, wenn an den Baulichkeiten von Bernini's Nachfolgern auch meist inarger Verstümmelung, immerhin lebendig geblieben (S. 1104 ff.); des-gleichen, in noch höherem Maasse, in den daneben erschienenen theo-retischen Druckschriften. So auch hatten sie seitens einzelner ausge-zeichneter Baukünstler selbst schon vor Anfang des Jahrhunderts einewiederum reinere, theils höchst bedeutsame Verwerthung gefunden, wiein Italien durch Carlo Fontana (gest. 1714), in Preussen durchAndreas Schlüter (gest. 1714) und in Frankreich durch Claude Perrault (gest. 1688). Noch ausserdem aber ward auch das Studium des klassi-schen Alterthums niemals gänzlich vernachlässigt, vielmehr, wenn bisherauch nur von Wenigen mit besonderer Vorliebe, eigens gepflegt. Immer-hin trugen eifrige Sammler, wie Bernhard de Montfaucon (1G55—1741)und der Graf Claude de Caylus (1692—1765) durch ihre erklärendenBilderwerke wesentlich bei, sowohl den Sinn dafür rege zu erhalten, alsauch der Richtung an sich einen festeren Boden zu bereiten. Dazukam, nach dreissigjähriger gänzlicher Vergessenheit, im Jahre 1748 dieWiederentdeckung von Pompeji und seine nunmehrige Bloslegung, wiedenn in Folge dessen, nach dem Vorgänge Charles Cochin’s (bis 1754),eine Reihe dahin bezüglicher theils gelehrter Druckschriften, zumeist mitbildlichen Darstellungen, so wie vor allem auch das Bestreben, dasAlterthum auch eigens seinem geistigen Inhalte nach zu erforschen unddarzustellen. Seit dem Jahre 1763 trat Johann Winckelmann (1717bis 1768) mit seinen ebenso tiefgehenden als geschmackvoll vorgetragenenKunstbetrachtungen ans Licht; und um nur wenige Jahre später (1766)überraschte Ephraim Lessing (1729—1781) die Kunstwelt mit seinem„Laokoon.“ Schon vordem (seit 1762) hatte Nicolas Bevett (1721 bis1804) begonnen, die von ihm im Verein mit Stuart zum erstenmal sorg-fältig gemessenen altgrichischen Bauüberreste herauszugeben, danachalsbald William Hamilton (1731—1803) die von ihm seit dem Jahre1764 in Neapel gesammelten bemalten „etruskischen“ Thongefässe (um1775) in Abbildung erscheinen liess, wodurch der Forschung sich aber-mals ein neues Gebiet eröffnete. Noch ferner endlich gab Jean Barthe-lemi (1716—1795) seine während dreissig Jahren bearbeitete „Voyagedu jeune Anacharsis en Grece“ im Jahre 1788 heraus, was, zumal beider unterhaltenden leicht verständlichen Fassung des Werks, von weit-greifender Wirkung ward.
Wie der Einfluss nun dieser Richtung auf die Darstellungsform als