Band 
[Textheft.]
Seite
VIII
JPEG-Download
 

damit jedoch nicht ausgeschlossen, dass ähnliche Spitzenarten, wie siedie genannten Orte erzeugten, auch anderwärts hergestellt wurden.Immerhin hat sich an diese Ortsbenennungen der Begriff einer bestimmtenArt geknüpft.

Die Spitzenbücher, von denen im 16. und anfangs des 17. Jahr-hunderts eine bedeutende Zahl erschienen ist, haben redlich dazu beige-tragen, die Begriffsverwirrung zu erhöhen und die Widersprüche inbezugauf die Benennung einzelner Spitzenarten zu vermehren.

1612 gibt Vinciolo unter der Bezeichnung point coupö sowohlgeometrische als freie Zeichnungen.

1616 nennt Parasole 1 ) die geometrischen Muster reticella, freieZeichnungen punto in aria.

1617 bezeichnet Lucrezia Romana 2 ) die geometrischen Zeichnungenals ponto tagliato, freie Muster als lavoro d’Aiere.

1676 bringt Paul Fürst 3 ) diese geometrischen Muster unter dieBezeichnung: mitteldick geschnitten, frembddick geschnitten,ohne jedoch die Unterschiede dieser Ausdrücke zu erklären.

Für die geometrischen Muster finden wir demnach die Bezeich-nungen : point coupö, punto tagliato und reticella. Der letztere Namelässt sich nicht näher erklären. Wir würden vorziehen, die Spitzen nachihrer Herstellungsweise einzuteilen. Alle diejenigen, in welchen nochFäden des Grundstoffes stehen geblieben sind, dürfte man als Durch-bruch — punto tagliato — und jene ohne Leinengerippe als Luftspitze —punto in aere — bezeichnen. Der Ausdruck reticella für Sternen- undRosettenmuster ist irreführend und bliebe besser vermieden. Auch dieErklärung des Ausdruckes durch Natalie Bruck-Auffenberg verdeutlichtdenselben keineswegs. Sie führt 4 ) den Namen reticella auf das südslawischeRadi zena — Radi = arbeitet, zena = die Frau —, also Frauenarbeitzurück.

*) Teatro delle nobili et virtuose donne, Rom , 1616.

2 ) Gioiello della corona, Venedig , 1617.

8 ) Model-Buch, 1.—3. Teil, Nürnberg , 1676.

4 ) Dalmatien und seine Volkskunst, A. Schroll, Wien , S. 38.

VIII