58 Von dem heiligen Fridolin /
freyen Künsten/ und Lehr wohl zu /deßwegen er von männiglichen geliebt/gelobt/ und gerühmet wurde.
cap.Nachdem er nun in den freyen Kün-sten/ und Lehre zu genohmen / undsich in der H. Schriffr geübet hette /da berührte ihm der Allmächtige Gottsein Hertz/ und gäbe ihm ein/ daß ersich von den Weltlichen Dingen abson-deren / und zu dem Geistlichen Standbegeben solte. Dise Gnad nähmeFridolin gutwillig auf/ und ergäbe sichdem Willen GOttes/ der in ihm alsseinem Werckzeug / gnädig wurcken
Wirb zum n?olte. Nahme also das Priesterliche' Amt an sich/ und liesse sich zu einemPriester weyhe/ und beschlussebey ihmselber/ daß er wolle die Welt / und ihreGüter / Gewalt / und Herrschafft ver-lassen/ das geistliche Leben erwöhlen /und so wohl lhme/ als seinem Näch-sten zu grösserer Seeligkeit helffen. Da-rauf er in seinem eygnen Vatterlandmir allem Ernst / und Eyffer anfiengedas Wort Gottes zuverkündigen/ al-le Tugenden/ und Christliche Andachtzupflantzen / und die Laster außzureu-ten. Nun unangesehen daß diserMann Gottes bey allen Standen ingrossem Ansehen wäre/ auch unauß-sprechliche Frucht mit seinem Predig-Amt verschaffete/ so könte doch seinHertz in seinem Vatterland nicht ruhigsein; dann G-Ott berüffre Fridolin zueinemvoukommneren Leben / und Apo-stolischen Wercken / nemblich: daß ersolte sich aller weltlichen Wollüsten /zeitlichen Gütern/ und jüdischen Din-gen entschlagen; sein Freundschafft/ undVatterland verlassen/und sich zu einer
Tbnlct sein langk weiten Reiß zubereiten. Derowege
«Ä!-die als ein wahrer Nachfolger Christi / und
Armen, seiner Apvstlen/ entschlösse er bey sich/er wolle die zeitliche Güter/ so er het-te in seinem Vatterland / um Gottes'willen außspenden/ und in der willigenArmuth darvon ziehen ; hiemit nähmeer alle seine Güter/ theilet sie underden Armen fürstchtiglich auß / und trö-stete damit vil Witwen / und Weysen/und andere eilende Persohen in demgantzen Schottland.
cap. s. Als aber in dem Land wärekund-bahr worden / daß Fridolin wolte weg-ziehen/ und das Land verlassen/ be-kümmerte sich Jedermann ; in Betrach-tung/ daß sie einen solchen geklebtenHerren/ Prediger/ und Seelsorgerverliehren soffen/ deßwegen sein Freund-schafft / und andere Liebhaber begehr-ten ihne von solcher Reiß/ undfürneh-men abwendig zumachen/ mit fürwen-den/ was Unheyls ihnen/ und dem
gantzen Land in seiner Abwesenheit zu-stchn; was Heyls aber in der Geist-lichkeit/ und andern Zufällen ihnenkonnte widerfahren/ so er bey ihnenverblibe. Der H. Fridolin aber steck- S. Fnw«te seinen Stab in die Erden / und neigt ^sich darauf zu GOtt dem Allmächtigen/ Uihne bittend / daß er ihn in seinem sür-nehmen stercken/ und wider alle An-fechtungen erhalten/ und darvon nichtabweichen lassen wolte. Da sie nunsahen / daß er im dem Land nicht mehrverbleiben wolte/ begleiteten ihne eingrosse mänge Volck mit krauren/ undweinen zu dem Schiff: da nähme ervon ihnen Urlaub/ gäbe ihne den Se-gen/ und träte in das Schiff. Alsnun das Schiff in das hohe Meer kom-men war / erhebtc sich ein grosser unsgestümmer Wmd / und grausames Wet-ter/ dardurch das Schiff hin und hergeworffen/ und alle die darinn fassen/nicht wenig betribt/ und geängstigetworden. Aber nach solcher außge- Kamt Mstandner Noth / käme Fridolin an dasGestad deß Franckreichs/ und fände hda auß GOttes Fürsehung einen ehr-bahren/ und frommen Christen der ihnals einen Gast in sein Hausi/ und Her-berg aufnähme/ und ein Zeitlang gütig-sich beherbergte. Da fragte Fridolinvon dem Glauben deßselbigen Orrs /und ob die Jnnwohner Christen oderabgöttische Heiden wären. Da ant-wortete ihme sein Gastgeb/ daß |ietheils Christen / und den wahren GOttanketten; theils aber in dem Abgötti-schen Irrthum stecketen. Da wolteFridolin nicht schweigen / sonder mrtgrossem Eyffer/ und Liebe fienge er andas H. Evangelium zupredigen ; da-mit erden lang eingewurtzletenUnglau-ben außtilgen; den Christlichen Glau-ben stärcken / Sund / und Schandstraffen/ und die ungläubigen SeelenGOTT dem Allmächtigen gewinnenMöchte.
Darnach zöge er weiters in Franck- creich / gienge von einer Statt zu der <g. ap i$# {andern / in grosser Armuth / und Ge- i,,, wre&rejdult ; käme endlich in die grosse / und de»BiMberühmte Statt Poitiers/ und hielte H'larmmsich da ein Zeitlang auf. Nun aberwar dieselbe Statt Poniers / zu LateinPictavia) eines weltberühmten Nah-mens/ sonderlich von wegen ihres herr-lichen / und hochgelehrten Bischofs Hj-Iar,j / so ein grosser Freund deß H. Bi-schoffs Martini gewesen/ der in demJahr des Herren 372. Nach S. $\ttronynn Rechnung / daß ist 126. Jahrvor unserem H. Fridolin seeliglich ver-schiden wäre. Zu disem H. Hilariogewann unser Fridolinus ein besondere/
Und
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