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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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58 Von dem heiligen Fridolin /

freyen Künsten/ und Lehr wohl zu /deßwegen er von männiglichen geliebt/gelobt/ und gerühmet wurde.

cap.Nachdem er nun in den freyen Kün-sten/ und Lehre zu genohmen / undsich in der H. Schriffr geübet hette /da berührte ihm der Allmächtige Gottsein Hertz/ und gäbe ihm ein/ daß ersich von den Weltlichen Dingen abson-deren / und zu dem Geistlichen Standbegeben solte. Dise Gnad nähmeFridolin gutwillig auf/ und ergäbe sichdem Willen GOttes/ der in ihm alsseinem Werckzeug / gnädig wurcken

Wirb zum n?olte. Nahme also das Priesterliche' Amt an sich/ und liesse sich zu einemPriester weyhe/ und beschlussebey ihmselber/ daß er wolle die Welt / und ihreGüter / Gewalt / und Herrschafft ver-lassen/ das geistliche Leben erwöhlen /und so wohl lhme/ als seinem Näch-sten zu grösserer Seeligkeit helffen. Da-rauf er in seinem eygnen Vatterlandmir allem Ernst / und Eyffer anfiengedas Wort Gottes zuverkündigen/ al-le Tugenden/ und Christliche Andachtzupflantzen / und die Laster außzureu-ten. Nun unangesehen daß diserMann Gottes bey allen Standen ingrossem Ansehen wäre/ auch unauß-sprechliche Frucht mit seinem Predig-Amt verschaffete/ so könte doch seinHertz in seinem Vatterland nicht ruhigsein; dann G-Ott berüffre Fridolin zueinemvoukommneren Leben / und Apo-stolischen Wercken / nemblich: daß ersolte sich aller weltlichen Wollüsten /zeitlichen Gütern/ und jüdischen Din-gen entschlagen; sein Freundschafft/ undVatterland verlassen/und sich zu einer

Tbnlct sein langk weiten Reiß zubereiten. Derowege

«Ä!-die als ein wahrer Nachfolger Christi / und

Armen, seiner Apvstlen/ entschlösse er bey sich/er wolle die zeitliche Güter/ so er het-te in seinem Vatterland / um Gottes'willen außspenden/ und in der willigenArmuth darvon ziehen ; hiemit nähmeer alle seine Güter/ theilet sie underden Armen fürstchtiglich auß / und trö-stete damit vil Witwen / und Weysen/und andere eilende Persohen in demgantzen Schottland.

cap. s. Als aber in dem Land wärekund-bahr worden / daß Fridolin wolte weg-ziehen/ und das Land verlassen/ be-kümmerte sich Jedermann ; in Betrach-tung/ daß sie einen solchen geklebtenHerren/ Prediger/ und Seelsorgerverliehren soffen/ deßwegen sein Freund-schafft / und andere Liebhaber begehr-ten ihne von solcher Reiß/ undfürneh-men abwendig zumachen/ mit fürwen-den/ was Unheyls ihnen/ und dem

gantzen Land in seiner Abwesenheit zu-stchn; was Heyls aber in der Geist-lichkeit/ und andern Zufällen ihnenkonnte widerfahren/ so er bey ihnenverblibe. Der H. Fridolin aber steck- S. Fnw«te seinen Stab in die Erden / und neigt ^sich darauf zu GOtt dem Allmächtigen/ Uihne bittend / daß er ihn in seinem sür-nehmen stercken/ und wider alle An-fechtungen erhalten/ und darvon nichtabweichen lassen wolte. Da sie nunsahen / daß er im dem Land nicht mehrverbleiben wolte/ begleiteten ihne eingrosse mänge Volck mit krauren/ undweinen zu dem Schiff: da nähme ervon ihnen Urlaub/ gäbe ihne den Se-gen/ und träte in das Schiff. Alsnun das Schiff in das hohe Meer kom-men war / erhebtc sich ein grosser unsgestümmer Wmd / und grausames Wet-ter/ dardurch das Schiff hin und hergeworffen/ und alle die darinn fassen/nicht wenig betribt/ und geängstigetworden. Aber nach solcher außge- Kamt Mstandner Noth / käme Fridolin an dasGestad deß Franckreichs/ und fände hda auß GOttes Fürsehung einen ehr-bahren/ und frommen Christen der ihnals einen Gast in sein Hausi/ und Her-berg aufnähme/ und ein Zeitlang gütig-sich beherbergte. Da fragte Fridolinvon dem Glauben deßselbigen Orrs /und ob die Jnnwohner Christen oderabgöttische Heiden wären. Da ant-wortete ihme sein Gastgeb/ daß |ietheils Christen / und den wahren GOttanketten; theils aber in dem Abgötti-schen Irrthum stecketen. Da wolteFridolin nicht schweigen / sonder mrtgrossem Eyffer/ und Liebe fienge er andas H. Evangelium zupredigen ; da-mit erden lang eingewurtzletenUnglau-ben außtilgen; den Christlichen Glau-ben stärcken / Sund / und Schandstraffen/ und die ungläubigen SeelenGOTT dem Allmächtigen gewinnenMöchte.

Darnach zöge er weiters in Franck- creich / gienge von einer Statt zu der <g. ap i$# {andern / in grosser Armuth / und Ge- i,,, wre&rejdult ; käme endlich in die grosse / und de»BiMberühmte Statt Poitiers/ und hielte H'larmmsich da ein Zeitlang auf. Nun aberwar dieselbe Statt Poniers / zu LateinPictavia) eines weltberühmten Nah-mens/ sonderlich von wegen ihres herr-lichen / und hochgelehrten Bischofs Hj-Iar,j / so ein grosser Freund deß H. Bi-schoffs Martini gewesen/ der in demJahr des Herren 372. Nach S. $\ttronynn Rechnung / daß ist 126. Jahrvor unserem H. Fridolin seeliglich ver-schiden wäre. Zu disem H. Hilariogewann unser Fridolinus ein besondere/

Und

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