6 a Von dem heiligen Fridolin/
eines grossen Baums henckte. Nachdem aber der Mann GOttes erwachet/stund er alsbald auf / fein gewöhnlichGebe« zuverrichten / und gienge 'einwenig zurück: dann es gedunckte ihn /daß derselbige Baum sich gebogen / undalle seine Aest wie ein Kugel zu der Er-ven geneigt / und nidergelassen / alswann ein schwerer Last sie nidergetruckthätte. Dardurch erkande der H. Fri-dolin / daß das Gesicht ein Anzeigungwere / er solre an disem Orth die Kir-chen / und Kloster bauen. Dieweilaber er ihme bißhero noch kein Herbergin diser Jnsul erwöhlt hatte / so schaueter mit seinen Jüngern um / wo er sichzum fügllchsten könte aufhalten. Eswohnere aber daselbsten ein erbahrer /namhaffter / und reicher Mann / der vilGut bey dem Rhein befasse / und inseinem Ehestand kein Kind bekommen/derselbige hiesse Wacherus / welchesFrau ein seltzsamen zornigen / nach al-tem gebrauch / und Gewohnheit derWeibern Humor / und Kopff hatte.AIs nun der Heil. Fridolin zu disemWürth wolle eingehen / begegnete ih-me das böse Weib I und fragte ihn garunfreundlich / was er wolte? ob er nitsehe daß die Häuser an disem Orth al-le verbrunnen jeyen / diß klein Hauß-lein ausgenommen / in welchem ( wiesie sagte ) ich und mein alter Mannkaum nach Nothturfft platz haben mö-gen ? so komstu auch nicht allein /son-der bringst mir dir dein gantze Gesell-schastt / und weiß niemand woher ihralle kommen/ und wasihrindemSinntragen. Du sollest auch gedencken /wie heur / und daß vergangene Jahrdie leydige Hungersnoth so groß wäre/daß vil Leuth dardurch verdürben / undstürben ; darum ist es jetzt schwär dieFrembde zubeherbergen - Mit disen /und andern dergleichen mehr Wortengrüsset sie den H. Mann/ dann sie wüßtenicht was sie redte.Der fridliebende Wa-cherus aber käme bald zu disem Handel/straffte sein Frau um ihren Zorn; em-pfahet den Oeil. Fridolin / und seineJünger als angenemme Gäst/ tractiertsie freundlich/ haltet / und ehret sie alsgrosse Freund GOttes / und bäte denH. Mann daß er bey GOtt wolte seinFürsprech sein / damit er könte von sei-nem Eheweib ein Leibs-Erben bekom-men. Die Hoffnung fahlete dem Wa-chero nicht / dann nachmahls sein Ehe-frau ihme em Töchterlein gebohren.Folqends begehrte der Wacherus vondem H. Fridolin / daß er dises Töch-terlein solle aus dem Tauff haben/undsein Gevatter werden; welches die Mut-ter widerspräche / aber Wacherus be-redte sein Frau daß sie es geschehen liesse/
und der H.Mann sein Gevatter wurde;und hatte diser reiche Würrh den Heil.Fridolin so angenehm/und wehrt/daßer ihme den halben Theil seiner GüterÜbergabe / und zu einem Erben einsetz-te / und befähle dem Heil. Mann seinTöchterlein zu underweisen/ m Tugen-den / und andern göttseeligen Wercken.Als nun die Tochter zu ihren Jahrenkäme / hat sie bey ihr beschlossen / sichnicht zuverheurathen/ sonder ihrJung-frauschafft GOtt dem HErrn aufzuopftfern; die ward hernach zu einer Kloster-jungfrauen geweyhet/ und die erste Klo-ste^rau / und Abtißin deß Gottshanßzu Seckingen gesetzt worden.
Einsmahls als der H. Fridolin sei-ner Geschäfften wegen aus der Jnsulgienge; fande er einen reichen Mann /der mit einer schwären Kranckheil be-hasst / sich in ein Bad begeben hätte /denselben spricht der Heil. Fridolin an /und begehrte von ihme ein Steur/ da-mit der Bau deß Klosters / und derKirchen / zu der Ehr GOttes desto füg-licher verricht werden möchte: der rei-che Mann aber erzeigte sich gegen demH. Mann gar unwillig / schaffte ihn ab/und wolte ihm kein Allmosen geben.Da straffte GOtt den kargen Filtzen /daß er weder zu der Gesundheit / npchaus dem Bad kommen / biß er S. Fri-dolin widerum zu ihm beruffte / ihmeein milte / und grosse Handreichunggäbe/ und einen Theil seiner Erbschafstschenckte. Dieweil aber die Jnsul sehrunsauber / voller Dörn / Stock / undHäckens/und deß säuberens/ ausreu-tens/ und besserensnothtürfftig wäre/so feyrete der H. Mann nicht / arbei-tete stäts mit seinen eignen Händen /und ermahnete auch freundlich seineJünger zu der Arbeit; damit sie destoehender geraumbt / und der Platz zudem Geväu gefertiget / und zugerüstwurde. Der fortgang dises göttseeli-gen Wercks verdrösse den Teuffel häff-tig/ säete Unkraut bald darunder/ undmachte das umligende Volck unrühig /und mißgünstig / daß sie anfiengendie Mandaten / und Brieffe deß Kö-nigs in Franckreich verachten / und ver-nichten ; vermeinten sie wollen den H.Mann nicht mehr bey ihnen gedulde/son-der wölken ih» aus der Jnsul verjagen/und vertriben. Hingegen waren etli-che fromme / und gute Freund desH. Fridolins zuraht gangen / wie manin,d,,er Sach ein gutes Mittel treffenmochte / sahen einen Tag an / an wel-chem beyde Partheyen an dem Gestadtdeß Rheins zufamen kommen sollen /die Sach auf das best zuverhandlen .S. Fridolin aber sahe wohl daß er bey
seinen
Cap. i*
S. Fri'bo«(in machtlinenKran»ckengrsunv-