i32 Von der Heiligen Jungfrauen
stem/ so v:l bewüßt/ und einen Bru-S Wybo- der mir Nahmen Hitto. Die einerave «Schwester / deren Nahm durch langeeäM.ku. verlohnn / aber GOtt wohl
bekannt / wäre den Göttlichen / undhimmlischen Geheimnusscn gantz erge-ben / also daß sie auch die Engel sin-gen hörte. Dise war zu einer Zeitvon ihres gleichen Jungfrauen / zu ei-nem Tantz / nnd dergleichen Weltli-chen Üppigkeiten geladen worden ; de-nen aber hat sie weißlich/ und mit dief-. fcn Seufftzen geantwortet: Wie kanich mich mit solcher Üppigkeit / undweltlichen Wollüsten vermischen / dreich höre die Heil. Engelsingen / darauffienge sie an hcrtzlich zuweinen / undDitto ein starbe hernach in wenig Tagen. IhrBnidt'r S. Bruder aber Hitto/war etwas Welt-Wyboravc. / yen ermahnetc Wyborada mit
geistlichen Worten/ und krüfftigemzu-sprechen / daß er auch die Welt verlies-se/ und ein Convcntual in dcm Gotts-hauß S. Gallen / und hernach Prie-. ster / und Psarrherr zu S. Magno bißan sein End worden. Weil auch dieH.Wyborada nicht Schreiben/ und Le-sen könnte / hatte sie von ihrem Bru-der Hittone neun und vierzig PsalmenDavids / aus vilcm / und öfftern vor-sprechen / auswendig gelehrnet. Alsaber der Hitto verdrossen worden /undwolle die Schwester den fünfftzigstenPsalmen nicht lehrnen / würd er darumin einer Nacht von GOtt gestrafft /und ist ihme so lang zufasten auferlegtworden / biß die Schwester den Psal-men Klilerere mei DEus, &c. gelehr-net Hütte / den sie bald ergriffen / die-weil Hitto noch dieselbige Nacht auf-stünde / Wyboradam weckte sein Ge-sicht erzehlte / und ihr den PsalmenMiserere mci DEus vorspräche. Zuemer andern Zeit an dem ersten Sonn-tag in der Fasten/ als Hitto gern hat-te Meß gelesen/ und aber keinen Die-ner hätte / der ihme wie bräuchlichdicnete / beklagte er sich bey seinerSchwester / die tröstete / und ermah-nete ihn den Gottödlenst anzufangen/GOtt werde »hme schon einen Dienerzusenden. Er folget ihren Rath /sahet sein Gebett / und Gottdienstan / sihe Wunder! S. Wyborada bet-tet mir ihrem Bruder einen Verß umden andern / und gäbe ihme auf al-le gewöhnliche Wort klare Antwort/mit manniglicher Verwunderung /dieweil kundbahr war / daß sie we-der Schreiben noch Lesen könnte.Insonderheit aber verwunderte sichder Bruder / und lobte GOtt umdie grosse Gnaden / die der H. Geistin seiner Schwester gewürckt / und siehundert Psalmen zu den andern fünff-
tzigen/ neben andern geistlichen Gebettten/ und Übungen reichlich gelehrnetharre.
Nachdem die H. Wyborada ihrenBruder glso von dem weltlichen zu demgeistlichen Stand bekehret hatte / näh-me sie ihr auch für ein strenger- Leben ,anzustellen. Deßwegen sie ihre zwoDienstmagd zusich beruffte / und ihnen M»- !ihr Vernehmen entdeckte / daß sie wil-lens wäre / sich von dem Fleischessenzuenthalten / und mit Kram / und Rü-ben / und andern geringen Speisen sichbegnügen zulassen. Doch solle man we-gen der fremboen Persohnen den Tischmit Fleisch / und andern köstlichenSpeisen auch anfüllen / daß man ver-meinte sie Esse auch Fleisch/ und schö-be es in den Mund / da sie es in derHand behielte / und den Armen gebenliesse i und sich mit geringeren Essen spei-sete. Eben ein solchen List brauchte sieauch mit ihrer Ligerstatt/ in deme ihrZimmer schön / und wohl zugerüst /und das Bethgewand köstlich anzu-schauen war / zu Nacht aber spreitetesie ein Cilicium auf den Boden / undzu dem Haupt legte sie einen Stein /und rastete ein kleine Zeit darauf/ dar-nach stunde sie auf/ und gienge in dieKirchen. Der Teuffel aber ein Feindder Tugend / und heiligen Lebens /wolte sie gern abwendig gemacht ha-ben / in dem er ihr offt in einesSchweins Gestalt / vor / und nach ge-lösten / oder wann sie Crcutzweiß aufdem Boden läge / und bettele / in ge-stalt einer Fröschen um sie herum hupftfent/ tantzent / und quaxent erschiene/dessen aber Wyborada wenig achtete /und sich in ihrer Andacht nichts vorhin-dcrn liesse. Auf ein Zeit hatte ein & %reiche Matron einen Diener so mitdem bösen Feind besessen / den schickte ffirdie Frau zu der Gottseeligen Jung- 'frauen / m»r Bitt / daß sie deß armenDieners sich erbarmen wolle. DieHeil. Wyborada ruffte aus mitleydenden Nahmen JEsus über den besess-nen Menschen an / und war das Gc-bett so kräfftig / daß der Teuffel vonStund an weichen müßte / und der Die-ner widerum Frisch/ und Gesund heim ^gienge. Aber der neydige Teuffelkönnte / und wolte der H. WyboradaBarmhertzigkeit nicht vergesse,, / suchteWeeg/ und Steg ßch zurechen; fandeendlich ein treulose/ nnd neydige Dienstemagd / die sich nicht schämte / ihr»»/schuldige Meisterin die H. Jungfrau /öffentlich / und nach Gelegenheit zuver-schreyen / und zuverleumden / daß sienicht allem ein üppiges / fleischliches /und unzüchtiges Weibsbild / und Ehe-brechen»