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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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LOK Von der Heiligen Jungfrauen/

Martyrin Grab zubesuchen / und ihrAndacht zuverrichren / da sie aber un-der die Kirchenthür käme / sahe sie daßdas gantze Münster inwendig mit soklarem Schein umgeben war / daß dieMagd ihr nicht trauere in die Kirchenhinein zugehen / verrichtete derhalbenihr Gebett under der Thür/ undgien-ge widerum mit Forcht zu ihrer Liger-statt.

St. Wyboradä leiblicher BruderHitto/ steckte zu Herbstzeit deß Jahrsda sie gemartyret / ein Fenckelstäud-lein ohne Wurtzel auf ihr Grab / daßfienge durch den gantzen Winter anzuwurtzlen / und zu wachsen / undsich also außzubreiren / daß es dasgantze Grab bedeckte wie ein Cron /dessen sich gleichwol vil verwunderten /aber viel mehr krancke/ und presthaffteMenschen ihr Gesundheit erlangeten /die von disem Fenckel - Ständlern blct-lein brachen/ und assen.

Die H. Wyborada hatte in derWelt noch ein Schwester / mit Nah-men Willidruda / in dem Ehestand le-bend: dise käme in dem dreyßigstenJahr ihres Alters/ mit ihrem jungenTöchterlein zu ihrer H. Schwester / sieheimzusuchen/ da aber sie Willidrudawrderum heimreisen wolte/ liesse sie ihrTöchterlein der H. Wyboraden nachihrem begehren ; das Lebte nicht langund starbe. Wie hernach auch dieH. Wyborada die Marter-Cron er-langet hättet starbe auch bald hernachder Willidrudä Mann / sie aber zögegen St. Gallen/ ihr Leben allda beyihrer Schwester Grab mit Andacht zu-verschliesscn. Da geschahe zu einerNacht / als Willidruda im Beth wa-chend läge/ daß ihr / ihr Töchterlein soschon vor langssgestorben war/ erschie-ne / sprechend ^Wachest du Mutter ?da spräche sie / ja. Das Kind sprachweiter / stehe auf / und gehe zu demVetter Hittone deinem Bruder in dasK loster / und sage: daß der H. BaßWnboradä seyn Hinlaßigkeit mißfalle/dieweil er ihren Sträl nicht in grös-sern Ehren halte. Als nun Hitto /und seyn Schwester in die Kirchen ka-men/ fanden sie ihren Stral/ ob ihremGrab in denLüfften schweben/ und fie-le der Willidrudä in ihre Hand. Hit-to aber nähme den Stral/ und brachteihn feinem Prälaten/ der liesse ihn inSilber fassen/ dardurch GÖtt auchmanches Mirackel gewürcket hat. Dannals einer Persohn deren die Augbräu-men/ und Haupt verletzet/ und ge-schwollenwar/ und in Gefahr des Le-bens stunde/ Hitto mit dssem Stral

über das Haupt gefahren/ ist er Ge-fund worden.

Die Gottseelige Rachilda läge aufein Zeit an einer schwären Äranckheitzu Beth/ daß sie z. Tag / und Nachtgrosse Noth erlitte/ da sie in der drit-ten Nacht wider zu ihr selber kommen/ruffte sie ihr geistliche Mutter Sk.Wy-boradam an/ und würd bald wideruntgesund. Dann nach Mutnacht kämedie H. Martyrin in grosser Klarheit /und mit lieblichen Geruch tratte zu demBethlein/ neiget ihr Haupt gegen derkrancken Haupt/ und mit der rechtenHand führe sie über ihr Brust/ undHertz herab / und machte sie von stundan Gesund/darauf ist die H. Wobo-, .rada verschwunden/ aber der lieblichtGeruch verblibe biß an den Tag.

In dem Gottshauß St. Gallenwäre ein junger Student mir NahmenUdalricus/ der ein schwäres Anligenhatte / und unnatürlichen Schweiß( lVIorbum Pierium ) erlitte/ dardurcher in seinem Leib also abkame/ daßnichts mehr als Haurr/ und Bein anihme wäre. Da aber kein Mittel /oder Artzney helffcn wolte / würd er zuSt. Wyborada Begräbnuß geführt /und als er ein kleine Zeit allda gebettethätte/ entschließe er bey dem Grab /wie er widerum erwachte/ begehrte erzu Essen / darauf kvnnre er widerummit eygner stärcke in das Gottshaußgehen/ würd auch von Tag zu Tagstarcker/ und endlich gantz gesund. Wienun der Abt zu St. Gallen Engelberttus der ander dis Nahmens / sahe dasGOtt seyn geliebte Gesponß St. Wy-boradam mit vilen Wunderzeichen denMenschen kundtbar machte/ wolte er /und seyn Convent ihren Festtag auchmehr ehren/ und befähle daß man dieH. Aempter / und siben Zeit HorasCanonicas singen / und lesen solte/ alsvon einer anderen H. Jungfrauen /und Martyrin/ und zu mehrer Ehr dieses Fests/ verändcrete Hitto der H.Jungfrauen Bruder den Fürhang / o-der Antipendmm des Altars bey ihremGrab. Wie nun die Metten umMitternacht gesungen würd / und Hit-to sich widerum zu Beth gelegt hätte /erschine ihme die H. Martyrin/ undbedanckte sich der erwißnen Ehren indem sonderbahrcn Gottsdrenst. Al-lein mißfalle ihr/ daß der Fürhangdes Altars/ so sie mit eygner Handgewürcket hätte/ hinweg gethan / undein frembder / gleichwohl köstlicher vesFests wegen/ an seyn statt gehencktworden. Dise Erscheinung wMdkaum geendet/ es stunde Hitto auf /

und