Beichtiger/ und Prediger-Ordens. %9i
E alle andere Mayen - Bäum. tlo/der disem Mayen- Baum küßte er sechs-mahl den Boden / zu einem jeden Kußhatte er ein besondere Betrachtung/und zierte Visen Mayen-Baum mit schö-nen / und lieblichen Versen/ oderSen-tentzen/ und sprach / oder sang in demHertzen Salve Crux sancta , &c. Ge-grüßt seyest du ö Himmlischer May derewigen Seeligkeit/ auf dem gewachsenist die Frucht der ewigen Weißheit/ zumersten opffere ich dir für.die Zierd allerröhren Rosen mein innerliche Liebe.Zum andern für den Geschmack derwohl schmeckenden Vyolen mein liesseDemuth. Zum dritten für die Schö-ne der lieblichen Lilien mein GeistlicheVermählung. Zu dem vierdten fürallerley schöne gefärbte/ und wohlrü-chende Blümlein die wolgczierten Mat-ten/ Holtz/ und Garten / Feld / undWisen so zu diser schönen Mayen-Zeithaben herfür bracht / oder noch Herfürbringen werden/ opfferet mein Hertzdir einen geistltchen Kuß. Zum fünff-ten für alle liebliche/ und fröliche Bö-ge!-Gesanglein die sie zu diser lustigenMayen - Zeit aufden Zweyen der Bäu-men vollbringen / em unabläßlichesLobgesang meiner Seel. Zum sech-sten für alle Zierd/ des Felds/ so zuFrühlings - Zeit herfür wachset/ erhe-be ich mein Hertz zu dir mit einem geist-lichen Jubel/ und Gesang/ und bittedich / daß du gesegneter Mäyen-Baummir dise Gnad verleyhest / damit ichdich in diser kurtzen Zeit vollkommen-lich loben / und dich lebendige Fruchtewiglich geniessen möge. Und alsohat er den eingehende Mäyen angefan-gen. Der Diener der ewigen Weiß-heit so inwendig getriben worden / da-mit er möchte kommen zu einen Fridenseines Hertzens/ daß aber zuerlangen /achtete er das Stillschweigen daß beste/Und fürderlichste Mittel zuseyn / deß-wegen hielte er seinem Mund einen star-ken Zaum / daß er innerhalb dreyßigfahren sein schweigen über Tisch nichtbrache/ außgenommen einmahl / darrdvn einem Provincia! - Capitel mit vi-len andern Brudern in einem Schiffgefahren / und sie darinnen äsen / dawürd er wegen der Brüderlichen Liebesu reden genöthiget. Auf daß er a-Uer ftm Zungen desto besser in demsäum halten möchte/ erwöhlete er ih-we selbst jn seinen Betrachtungen dreyaireijter / ohne welcher sonderbare Er-,?ubnuß wolte er nicht reden / alSnehm-,§>St. Dominicum/ St. Arsenium/«nd St. Bernardum/ so er dann re-ven wolte/ so gjenge er in der Betrach-ts von emem zu dem andern/ und^atte um Erlaubnuß sprechend: falle
k. F. Murer, Die H. Schwciq.
Oomine lleneälcera, und wann dieRed solte beschehen zu rechter Zeit/ sonähme er von dem ersten Meister Er-laubnuß / so ihme die Red äusserlichkeinen schaden brachte/ so nähme erEr-laubnuß von dem H. Arsenio seinemandern Meister: und dann wann ervermerckte daß die Red ihme kein un-rühigeö Gewissen machte/ ober kein in-wendige Ungelegenheit verursachte / sonähme er von allen dreyen Erlaubnußzu reden / so er daß aber nicht also be-kunde/ vermeinte er besser zu seynschweigen. Wann er bißweilen zu derPorten beruffen würd/ so beflisse ersich vier Ding/ erstlich : er empfiengeeinen jeden freundlich / zu dem andern/beflisse er sich kürtzlich zu antworten /zu dem dritten/ tröstete er alle die zuihm kamen / und liesse sie von sich mitaufferbaulichen/ und nutz-chen Reden/und letstlich gienge er widerum ohneVerletzung seines Gewissens / und geist-liche Ruhe in seyn Cell.
Es hatte GÖtt der Allmächtigseinen geliebten Diener von Anfangseiner Bekehrung mit vilen himmli'ch?Heimsuchungen getröstet / also / daßwas vor der ewigen Weißheit gesun-gen/ gelesen / oder geredt wurde/ erdarauß in seinem Hertzen ein sonder-bahren Lust/ und Ergötzlichkeit em-pfände. So er aber das bittere Ley-den/ und Sterben unsers Seeligma-chers betrachten/und demselbigen nach-folgen solte / daß würd ihm schwer/ undbitter/ deßwegen er auf ein Zeit vonGDtt gestrafft/ und zu ihme gesagtworden : Weist du nicht daß ich dasThor bin/ durch welches alle gottse-lige Menschen müssen eingehen/ die zuder Vollkommenheit ihres Geists wol-len gelangen ? wann du will mein wä-re Gottheit erkennen/ so ist es noth-wendig/ daß du dich in meinem bitternLeyden meiner Menschheit übest/ undmir nachfolgest. Der Diener derWeißheit crschracke ab diser Red / undkäme ihm schwer für / daß er sich solteden Leibs - Casteyungen/und Vuss-wercken ergeben / doch setzte er seinenWillen in den Göttlichen / und thäteso vil er könnte. Darauf fienge er analle Nacht nach der Metten in demCapitel - Hauß sich in dem PaßionChristi zu üben auf folgende Weiß.Er stunde auf/ und gienge von einemWinckel zu dem andern/ damit er seinFaulkeit / und Schlaff überwünden /und mit ernst seine Übungen vollstre-cken möchte. Er fienge es an dem lei-sten Abendmahl an / und gienge mitChristo von einem Orth zu dem andern/biß er endlich mit ihme zu dem Land-
K o pfleger
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