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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Von dem Heiligen Blut zu Willisau. 341

fett / ja den kostbahrlichen Schatz / sovon dem Himmel gefallen / abzuwa-schen/ aber ihr thun war vergeblich /dann von dem waschen / und reibenwurden die Blutstropffen nicht alleinklarer / sonder auch glantzender / daßsie beyde mehr erschracken/in Sorg/ undForcht kamen / weder Hilff noch Rathwüßten/ wie disem zuthun ? damit esverschwigen bliebe / und weder der Ob-rigkeit / noch den Bürgern kund wurde.In solcher Angst trugen sie das Schei-benblat wider an seine stell / willensvon bannen sich nach Hauß zu begeben;Aber die schwere Hand GOttes / undverdiente Straft war vorhanden / wel-cher sie dochvermeinren entrukien zuseyn.

Dann als disen beeden Spilern daßfegen / und waschen deß Tischs nichtvon statt gienge / fiengen sie auf demPlatz an ein andern zuschelren / und zu-zancken / als wäre einer vor dem andernein Ursächer/ und Anfänger deß Spils/und darauf erfolgten Übels: jeder wöl-ke daran unschuldig seyn / kamen alsomit fluchen / und schelten dahin / daßsie zu Streichen gerathen / einer überden andern zuckte/ und einer von demandern ums leben käme / ehe sie vondem Platz abgetretten. Das also seineygner Spilgefel! sein Hencker worden /und fein eygen Blut der durstigen Er-den müßte lassen / welcher kurtz zuvordas H. Blut vertilgen wolte / und indem sürrinnenden Wasser verloschen.Der dritte elende Spiler/ als er sichaufder Wallstatt allein befände / Gött-licher/ und Menschlicher Straff zuent-gehen ihme nit trauete./ name er mitdem verfluchten Cain/welcher sein Bru-der Abel schändlich ermord / die Fluchtvon Start / und Land in die ferrne /daß er ein Zeitlang den Menschen unbe-kand umherzöge: Aber GOttes Strafffiele so hauffcnweiß über ihn/ daß ermänniglich ein Spiegel worden / danner bald mit grossen Beschwer / und Eis-sen / auch mir Leusen / und allerleyilnziffer angegriffen/ und mit übernatür-lichen Gestanck dermaßen erfüllet/daßniemand bey / und um ihn bleiben ton-te / wolte ihn auch niemands annehmennoch beherbergen. In diser Annsee-ligkeit / und Jammer/ da der spilsüch-tige Mensch sich von GOtt zu Straff/und andern zur Warnung also befände/und von männiglich verlassen war / kehr-te er wider nach seinem VatterlandWillisau: da er doch allenthalben so un-wehrt / daß man ihme weder Beher-bergung noch guten Willen erzeigenmochte / wegen der augenscheinlichenStraff GOttes/ so ihm allzeit nach-ivlgete/ daß kein weitere Straff/ so er

wegen deß Todtschlags/ Spiken / undLastern verdienet hätte / weiterö Mitihme vorgenommen war. Deroive-gen wurde der armfeelig Mensch be-zwungen / under das gemeine StattThor sich zubegeben / den fürüber rei-senden zu einem Spigel/und damit dasAllmosen von ihnen zugemessen / vondenen er vil / und öfftern Verweis hö-ren/ und müßte wegen Geschwürrg-keit / und Unziffer der Würmen grossesleyden ausstehen / welche ihme biß aufseine Beiner zutrungen / und lctstlichgar um das zeitliche leben brachten/da-mit sein Seel möchte Gnad erlangen.

Nachdem sich alles verlosten / wie o>p.jetzt erzehlt worden / käme die seltzamtBeschicht in die Statt Willisau/ wel-ches dann bey Geist - und Weltlichenein grossen Schrecken / und Wunderverursachete / und als man alles Ver-lauffö guten Bescheid / und Erfahrnußeingenommen/ hat ein Ehrwürdig Prie-sterschafft mit der weltlichen Oberkeitdie Bmgerschafft ermähnet / mit an-dächtigerProceßionvaöHochheillgVlutÄEsu Christi vor der Statt abzuholen.

Als sie dahin kommen / rratte der Psarr-herr/ so man gemeiniglich Leuth- Prie-ster pflegte zunennen / hinzu / waltzeteden Scheibentisch gegen den Umsiehern/damit alle das grosse Wunder/ und H.fünff Blutstropffen sehen / und aufan-jxrach deß Leuth-Pricster auf die Knyefiele / GOtt in seinen Wunden / undHeil. Blut anbetten/ und verehreten ;auch sein Göttliche Allmacht um Ver-zeyhung betten / wegen grosses Miß-handels/ und schwermens der Spilern/theils auch schuldigen Danck sagten we-gen deß mitgetheilten Schatz feiner H.Blutstropffen. Auf geschehenes Ge-be«/ schnitte der Leuth-Priester die fünffH. Blutstropffen mit einem scharpffenZeug / oder Messer aus der Taffel /legte selbe Creutzweiß auf ein Paten /und mit öffentlicher Proceßion / Glo-ckenklang/ und lieblichem Gesang kehr-te mänmglich in die Statt der Pfarr-kirchen wider zu. Allda sie mit wür-digen Ehren aufbehalten worden / bißhernach ein köstlich silberne Monstrantzverfertigt worden / und offtermelte H.Blutstropften darein beschlossen / an-heimischen / und Ausländern fürzu-stellen / zuverehren / und anzubetkeuverordnet / und vergünstiget worden.

Diß Miracul ist in weitgclegne Orrh /und Land ausgebreitet / und kundbaheworden / und der Zulaufs/ und Wall-fahrt groß / und anfthenlich worden.Deßwegen dann die Statt Willisau ausdie Wallstatt ein fein ehrlich höltzinesCapellelem GOtt zu ehren / und denU» 3 Bil-