Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Der Soctettt IEsu Priestern.

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lands/ St. Iddü Wittiben in Teut-scher Sprach beschriben. Item in ge-dachter Sprach liesse er ausgehen einBeicht-und Lommunionbüchlein/ Ad-vent / und Wcyhnacht Predigen. Willallhie geschweige» die Zahl / und vileder Buchen die er an alle Stand hoch/und nidrigen Persohnen geschickt hat.Nun ist znwisien/ daß z.Ding seynd/welche die Wenigen/ so der Seelen Heylbefürdern wollen / vollkommen machen/als die Erkandtnuß Menschlicher/ undGöttlicher Künsten/ die Wohlreden-heir / und der tugendsame Wandel / dl-se Gnaden / und Göttliche Gaben seyndbey de»n Canisio in so hohem Grad /und dcrmussen an einander gchenckt /und in einander verschlossen gewesen /daß man nichts schöncrs / nichts zu al-len Verrichtungen dienstlichers / undfriglichci s begehren Hütte mögen. Da-mit ich es aber / wann lch alles ersch-ien wolle / nit zulang mache / befindeich daß 4. Tugenden für anderen / sichbey di>em Apostolischen Mann erzeig-ten; Die erste war Dcmmh / die an-der die Gehorsame / und beyde mitEinfalr herrlich gezichret/ die dritte dieBcgürd zum Gebett/ und letstlich der«inbrünstige Eysser zu der Seelen Heyl/und Erhaltung/und Fortpflantzungderwahren Religion / welche Tugenden derAurhor / oder Scribent discs Lebenswcitlüuffig / und zierlich ausgeführet /dahin wir dann den günstigen Leserwerfen wollen. Die Beschaffenheit desLeibs ist dem Gemüth nicht ungleich /oder unproportioniert gewesen. Er.war von Pcrsohn lang / von 'Angesichtdapffer / von Haar / welches er nachGewohnheit deß Lands etwas lang ge-tragen / schwartzlccht/ und erst indemhöchsten Alter mit grau vermengt / derBart zwischen scdwartz / und roth / undharre ein gutes Gesicht / ob er wohl aneinem Aug / so ihne doch nicht entstel-te / einen Mangel Hütte / daß es ihmebiß zu stinkt.'i End/ in so vil lesen / soer vollbracht / nicht verhinderlich ge-wesen. Der geistliche Wandel hat al-lem seinem Fleiß / Wort / und Wer-cf <» das gröste Ansehen gegeben / dannan demselbigen die Widersacher / undFeinde nichts zutadien gefunden / undseine Zuhörer mehr nicht begehren könn-ten. Die Reinigkeit hat er an Leib/undScel erhalten. Er pflegte sehr wenigzuessen/ und zuschlaffen/ er ware ihmestreng mir Fasten / Wachen/ Bußklei-dern/ Gellen / und andern Leibska-steyungen / deßwegen ihme der Gene-ral besohlen / daß er solle deß P. Re-ctoris Rath in solchen Dingen pflegen/und folgen. Von seiner beständigenNüchterkeit / hat ihne nie kein Gast-

mahl abwendig gemacht wiewohl er oftdenselben bey hohen / und anschlichenPersohnen beywohnen müssen / darin»er nit ruhmredig / oder andern Gastenmit seiner Traurigkeit beschwerlich /sonder so vil einer Ordens-Persoh:, ge-büret / lustig / und holdseclig SeinGestalt/ Gang / Weiß / und Gebär-den waren zu der Christlichen Demuthgerichtet / wie einer ernsthafftiger Pcr-sohn ansteht. Seine Kleidung / undandere Leibsnothwcnd'gkeiten warenNicht unsauber / nit köstlich noch glan-tzct / sonder mehr schlecht / und unacht-sam. Sein Red war sanffr/ und dochnit leichtfertig /dapffer/ aber Nit rauch/er hat auch selten gelacht/ und pur-erzeigung einer Freundlichkeit/und Lie-be. Seine Zung war heilig/ohne unnützGeschwetz/ und auch mitten under denHoflruthen geistlich. Sein Gemüthoffen/ und aufrecht/ gesunder Natur /und guter Complepion.

Der Eysser deß Hauses Gottesverzehrte unsern Gottseclkgen Canrsi-um/ welcher als er vermerkte/ daß ervon Tag zu Tag an Leibskrüfflen schwa-cher wurde/ hur er alle seine LubS-krüfften dahin verwendet / daß er dieletste Stund/ daran die Ewigk irhan-get / glücklich / und wohl zubringenMöchte. Alle seine Gedancken wende-te er auf das fromme / und Gottftcli-ge Leben: nach welchem er sich dermasscnrichtete / daß er schiervonnichts andersreden / oder schreiben könnte / als vondem andächtigen / und Gottwohlgefäl-ligen Leben. Er pflegte die Leben derHH. zulesen/ oder lesen lassen/ die ga-ben ihm Ursach GOtt in seinen, Heili-gen zuloben.Sein gantzer Leib / sonder-lich aber die Füß / waren ihm groß ge-schwollen / derowegen sprach er : SeyGOtt gelobt/ die Kranckheit nimt zu.Wie man seiner imer gepflegt hat / warer darmit zufriden / lobet GOtt / unddancket darum. Einsmahls als derBruder / so seiner pflegte / lang aus-gebliben/ und er mittler Zeit aus demSessel gefalle« war / und weil er ihmeselbst nicht helssen könnte / ist er langauf dem Boden gelegen / biß endlichder Bruder käme / und ihn aufhcbte /zu deme er mehr nicht gesagt als al-lein : Ich dancke GOtt der mich so langallein gelassen / wir wollen aber cinwegals den andern gute Freund bleiben.Er war an dem Leib sehr verzehrt / daßer ohne Schmerlen weder sitzen noch li-gen könnte/ und an vilen Orthen hat erden Leib aufgelegen. Er pflegte zusa-gen / der alte Scherb bcdörsstc keinerArtzney/ er muß doch fortwandern zumVarter. Sein essen war so wenig /

daß

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