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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist, ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen, oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einen Zusatz der Heilig-Sprechung des Heil. Bruder Clausen/und Heiligen Martyrer Fidel, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen / zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den Ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Capuciner/ und Märtyrer.

denschafft sich in dem Zimmer herumschleppen müssen. Neben dem Wach-holder-Geist oder -vel hat er auch vilandere Hülffs Mittel versucht; aber al-le unkräfftig erfahren. Einstens nach-deme er seiner Hoffnung nach daßaller-kräffrigste / wo nicht Hülff-doch Liste-rungs-Mittel angewendet / und gleich-rvohlen noch 5. Wochen in dem Bethgleichsam angenaglet einigen Tritt aus-ser dasselbe um alles in der Welt nichtzu setzen vermöchte /wurde er von zwey-en Capucinercn besucht / welche ihmenebst machenden Zuspruch seine eben da-mahls höchste Schmertzen Christlich ZUerdulten/ihme auch den Seegen ertheilt/worvon ihme gedunckt nicht nur eineErquickung zu empfinden/ sondern auchin den Stand gekommen zu seyn / ohne. andere HülffauS dem Beth aufzustehen.Deßwegen sich dann entschlossen / fürsich selbst in die Capucmer - Kirch zuFeldkirch eine Wallfahrt zu verrichten /welches er auch nach 3. stündigen mühe-samesten Kriechen/ und Hincken/ undalso überstandenen Visen nur halb stünbi-gen Weeg erreichet / und in selber denseeligen Märtyrer Fidelis um seine vil-mögende Vorbitt inständig angestehnet.Entzwischen verlangte er / es möchte ihmeiner aus desselbigen Convents Vätterndie Liebe thun/ und das Schwerd /wormit der seelige Blut-Zeug Christiso hefftigverwundet worden/ chmeaufden Rucken legen. Glückfeeliger Ent-fall ! kaum hatte diseö Schwerd den sohart gequälten Rucken berührt / hatsich der zuvor gantz krumme ohnschwäraufgerichtet / aller Schmertzen loß / nacherzeigter Danckbarkett auf / und dar-von gemacher/ und chenderals in einerViertelstund seine Wohnung eingehohrlet / um mit Erzehlung der wunderthä-tigen Gnad dre Haußgenossene seinerüberschwencklichen Freud theilhafftig zumachen. Solhanes Wunder wäre vondahero um so augen-und wahrscheinli-cher / als er noch selben Tag eine schwä-re Bauren- und Feld- Arbeit verrichtet.

Anna Fritscherin von Feldkich wärewegen annähender ihrer Geburts Zeit/und Abwesenheit ihrer gewöhnlichenHebamme voller Aengsten / dahero ge»müßlaet eine andere zu bestellen. Nunist ihr eine zu Theil worden/ welche un-ter dem Schein einer ehrlichen Persohneine heimliche / und allerärgste Hex wä-re. Die Anna wird durch glücklicheEntbindung Mutter zu einem Töchter-lein / so sie im H. TauffCatharina woll-te benamset wissen. Die verruchte He-bamm aber hat aus dssem armen Kinddem leydigen Sarhan ein Präsent / undOpffer gemacht/ deme sie m einem-

pele die Zauberey zugebracht / lauth ei-gener in ihrer Gerichtlichen Verhörung/und nachmahliger Verurtheilung getha-nen Geständnuß. Das Töchterlein er-reichte das 12. Jahrs seines Alters / oh-ne daß sich wehrender diser Zeit das ein-wohnende Malefitz im geringsten geäus-seret hätte. Biß die unglückseeligedaßerste mahl zur H. Communion zugelas-sen worden ; wobey es dann to schwerzu gegangen / daß sie den Heil. Parti-cul kümmerlich hinab zu schlucken vcr-möcht / hernach hat sie ein solcher Eckelwider dise Sacramentalische Speiß an-gestossen / daß deren blosse Benamsungsie schier zum erbrechen gebracht. Sol-che Anzeigungen haben die insitzendeZauberey teutsch genug verrathen. Deß-wegen dann das arme Mägdlein auf je-nen Welt - berühmten MarianischenGnaden Qrth zu Einsidlen geführt/ undermähnet worden / zu förderlicher Be-freyung von so üblen Gast ein Sacra-mentalische Beicht aller ihrer Sündenabzulegen / der ihrem guten Willen ü-berlegene Gewalt deß Sathans hat siegantz stumm/ die angewendtePriester-lrche Teuffels Beschwörung / und Kir-chen- Gebetter/ und Auflegung vorneh-mer Heylthumer / aber vor dißmahl ver-geblich gemacht; tst dahero in vorigemarmseeligen Stand nacher Hauß zurückgekehret. Ja es haben die höllischeGeister angefangen sie hernach weit är-ger zu peynigen / und zu versuchen/ nichtallein sich selbst / sondern auch ihre ei-gene Mutter zu ermorden. Das Wü-then / und Toben der Teuflischen Be-sitzer hat auch die elende Besessene alsoverstaltet / daß sie im Angesicht / undHals aufgeschwollen / einem greßlichenAbentheur gleichere/ so rauffte sie ihrosechsten auch die Haar Hampfflenweißaus; mit denen Näglen der Finger zer-kratzete sie ihr daß Angesicht, und stossetden Äopff mit solchem Gewalt gegendie Mauren/ daß derselbe natürlicherWeiß hätte zerspringen sollen. DerTeuffel liesse sich jhro durch ihren Mundmit abscheulichen Brüllen / bald durchheimliche Zusetzungen vermercken / siesolle sich sechsten ertroßlen / oder dennächsten besten Felsen hinabstürtzen / 0-der durch Hunger sich den Todt anzu-thun / wie sie dann zu Zeiten 8. gantzerTag aller menschlichen Speiß sich ent-halten ; ihre Speisen waren alle bene-diciret / aber eben darum hat der ver-derbte Magen deren keine behalten kön-nen a sondern gleich wider zurück gestoftsen. Sie ist mehrmahlen nacher Marriä Einsidlen gewallfahrtet / wo sie zwardie Gnad gehabt zu beichten / alleindas Malefitz wollte nicht weichen. Vondannen sie so gar naher Maplanv zuP p P ? dem