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§. Ll.
Von der Sittsamkeit.
jas Verdienst ohne Sittsamkeit istallezeit, und besonders bey jun-gen Leuten ganz unerträglich. Wer aberVerdienst und Sittsamkeit zugleich hat,der bringt gemeiniglich sich so viele Gön-ner zu wegen, als er Zuschauer hat.Nichts ist liebenswürdiger, als die wah-re, und ungezwungene Sittsamkeit,welche nur aus den Regeln der Klug-heit und der Religion muß hergeleitetwerden. Wer dergestalten sittsam ist»der ist es sowohl, wenn er bey sich al-leine, als wenn er in Gesellschaft ist;und er erröthet sowohl in seinem Cabi-net, als wenn aller Welt Augen ausihn gerichtet wären. Eben diese Sitt-samkeit hat nebst ihrem reitzvollen An-muth auch dieses an sich, daß sie dieTugend nicht nur zieret, sondern auchherzhaft vertheidiget ; indem sie derSeele so eine lebhafte und zärtlicheEmpfindung einflößt, daß diese vonaller Gefahr, und von allem, wasnur immer der Tugend gefährlich Zls
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