<4 Von dem heiligen Fridolin/
eines grossen Baums henckte. Nachdem aber der Mann GOttes erwachet/stund er alsbald auf/ sein gewöhnlichGebett zuverrichten / und gienge einwenig zurück: dann es gedunckte ihn /daß derselbige Baum sich gebogen / undalle seine Aest wie ein Äuge! zu der Er-den geneigt / und nidergelassen / alswann ein schwerer Last sie nidergetruckthätte. Dardurch erkande der H. Fri-dolin / daß das Gesicht ein Anzeigungwe.re / er solte an disem Drth die Kir-chen / und Kloster bauen. Dieweilaber er ihme bißhero noch kein Herbergin diser Insul erwählt hatte / so schaueter mit seinen Jüngern um / wo er sichzum süglichsten kvnte aufhalten. Eswohnete aber daselbsten ein erbahrer /namhaffter / und reicher Mann / der vilGut bey dem Rhein besässe / und inseinem Ehestand kein Kind bekommen/derselbige hiesse Wacherus / welchesFrau ein seltzsamen zornigen / nach al-tem gebrauch / und Gewohnheit derWeibern Humor / und Kopff hätte.Als nun der Heil. Fridolin zu disemWürth wolte eingehen / begegnete ih-me das böse Weib - und fragte ihn garunfreundlich/ was er wolte? ob er nitsehe daß die Häuser an disem L>.th al-le verbrunnen seyen / diß klein Häuß-lein ausgenommen / in welchem ( wiesie sagte ) ich und mein alter Mannkaum nach Nothturfft platz haben mö-gen ? so komstu auch nicht allein/son-der bringst mit dir dein gantze Gesell-schafft/ und weiß niemand woher ihralle kommen/ und was ihr in dem Sinntr<Ven. Du sollest auch gedencken /wie heur / und daß vergangene Jahrdie leydige Hungersnoth so groß wäre/daß vil Leuth dardurch verdürben / undstürben ; darum ist es jetzt schwär dieFrembde zubeherbergen : Mit disen /und andern dergleichen mehr Wortengrüßet sie den H. Mann/dann sie wüßtenicht was sie redte.Der fridliebende Wa-cherus aber käme bald zu disem Handel/straffte sein Frau um ihren Zorn; em-pfahl den Heil. Fridolin / und seineJünger als angenemme Gäst/ tractiertsie freundlich/ haket / und ehret sie alsgrosse Freund Gottes / und bäte denH. Mann daß er bey GOtt wolte seinFürsprech sein / damit er könte von sei-nem Eheweib ein Leibs-Erben bekom-men. Die Hoffnung fählete dem Ma-chers nicht / dann nachmahls sein Ehe-frau ihme ein Töchterlein gebohren.Folgcnds begehrte der Wacherus von .dem H. Fridolin / daß er dises Töch-terlcin solte aus dem Tauff haben/ undsein Gevatter werden; welches die Mut-ter widerspräche / aber Wacherus be-redte sein Fraudaß sie es geschehen liesse/
und der H.Mann fein Gevatter wurde;und hatte diser reiche Würth den Heil.Fridolin so angenehm/und wehrt/daßer ihme den halben Lherl seiner GüterÜbergabe / und zu einem Erben einsetz-te / und befähle dem Heil. Mann feinTöchterlein zu undcrweffen/ m Lugen-den / und andern göttseeligen Wercken.Als nun die Tochter zu ihren Jahren ,käme / hat sie bey ihr beschlossen / sichnicht zuverheurathen/ sonder chr Jung-frauschafft GOtt dem HErrn aufzuopf-fern ; die ward hernach zu einer K lcster-jungfraucn geweyhet/ und die erste Klo-sterfrau / und Abtißin deß Goktshaußzu Seckingen gesetzt worden.
Einsmahls als der H. Fridolin sei-ner Geschäfften wegen aus der Insulgienge; fände er einen reichen Mann /' der mit einer schwären Kranckheir be-halft / sich in ein Bad begeben hätte /denselben spricht der Heil. Fridolin an /und begehrte von ihme ein Sreur/ da-mit der Bau 'deß Klosters / und derKirchen / zu der Ehr GQtres desto füg-licher verricht werden möchte: der rei-che Mann aber erzeigte sich gegeu demH. Mann gar unwillig / schaffte ihn ab/und wolte ihm kein Allmosen geben.Da straffte GOtt den kargen Filtzen /daß er weder zu der Gesundheit / nochaus dem Bad kommen / biß er S. Frr-dolin widerum zu ihm berußte / ihmeein milte / und grosse Handreichunggäbe/ und einen Theil seiner Erbschafftscheuchte. Dieweil aber die Insul sehrunsauber / voller Dorn / Stock / undHäckens / und deß säuberens / ausreu-tens/ und besserensnothtürfftig wäre/so feyrete der H. Mann nicht / arbei-tete stäts mit seinen eignen Händen /und ermahnete auch freundlich seineJünger zu der Arbeitdamit sie destoehender geraumbt / und der Platz zudem Gebäu gefertiget / und zugerüstwurde. Der sortgang dises göttseeli-gen Wercks verdrösse den Teuffel hälf-tig/ säete Unkraut bald darundcr/undmachte das umligende Volck unrühig /und mißgünstig / daß sie anfiengendie Mandaten / und Brieffe deß Kö-nigs in Franckreich verachten / und ver-nichten ; vermeinten sie wollen den H.Mann nicht mehr bey ihnen geduldf/son-der wollen ihn aus der Insul verjagen/und vertriben. Hingegen waren etli-che fromme / und gure Freund desH. Fridolins zuraht gangen/ wie manin drser Sach ein gutes Mittel treffenmöchte / sahen einen Tag an / an wel-chem beyde Partheyen an dem Gestadtdeß Rheins zusamen kommen soken ,die Sach auf das best zuverhandten :S- Fridolin aber sahe wohl daß er bey
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