Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Abt/ und Beichtiger.

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G Frido,lin verende,rttdeßRheinslauff.

dsp. 14 .

S. Lribv«

seinen Feinden wenig außrichten wur-de ; kehrte sich * derhalben zu GOtt /ruffte ihn von gründ seines «Hertzensan / die Sach nach seinem GöttlichenWillen zu machen. Als nun die be-stimmte Zeit herzu nähere/ gienge erzu Abend allein/ und betrübt auß derJnsul/und käme oberhalb zu dem Rhein;da derselbe breiter / und krümmer flösse /und störcker anstoßte/ darnach nähmeer etliche Tannen / senckte dieselben indas Wasser / mit hilff etlicher wenigPersohnen/ und zweyer Stierlein/dieer darzu beruffen/ da er nun daß ver-richtet hette; erhebte er sein Gemüthzu GOtt / und bäte ihn / daß er disesWasserslauff/ und fluß wider seineFeinde wenden/ und kehren wolte /damit sie von ihrem grimmigen Zornabstunden / und das Ort nicht mehr-vertilgen/ und zuverstörenverharreten.ZU derselbiaen Zeit aber hatte es mitdem Rheinstrom ein andere gestalt /dann das Wasser so von dem Shnee-Gebürg herab fiele/ sich in den Thä-leren zwischen den Bergen versammle-te / in den Rhein flösse / und auf demandern theil überliesse/ und warde aucheben diß Jahr gegen Galliam so groß/daß man sich ein lange Zeit der Schif-fen gebrauchen müßte. Nach verrich-tet Arbeit/ und Gebett gienge der H.Fridolin wider in sein Zell/ darinn erdie gantze Nacht mit Wachen/ UndBetten zubrachte. An dem falzen-den Tag/ da deß heiligen Manns Fein-de zusammen kommen waren / und derSententz jetzt gesprochen werden solte;gehet der heilige Fridolin auß seinerGell / und sahe wie wunderbahrlichGOtt durch sein Krasse gewürckt hatte;dann das Rhein-Wasser hatte seinennatürlichen Fluß veränderet/ also daßan dem anderen Gestad der Alleman-nier feiten das Erdreich trucken ver-verbliben / und jedermann mit truck-nem Fuß hinüber wandle» möchte / undsihet man noch zum Wahrzeichen dieTannen in dem Rhein under den Stei-nen ligen/ die der H. Mann zu schey-dung deß Wassers hinein gelegt hat.Hingegen hatte sich der Rhein mitvollem lauff auf die Frantzösische feitengeweltzet / wie er dann noch heurigesTags fliestet. Da nun das Volck /und Mißgönnet deß H. Manns/ diemächtige Hand sahen/ und erkennten /lobten und preißten sie GOtt / der al-lein solche grosse Wunderwerck thunkan/ und baten den heiligen Fridolin/daß er den Herren für sie betten / undihnen Nachlassung ihrer wohlverdien-len Schuld erlangen wolle.

Als nun der heilige Fridolin durchsein getreues Gebett zu GOtt/ Frid/

k. k. klarer» Die Schweiy»

und Ruhe von seinen Feinden / Und rin Met)Mißgönnern erlangt hatte; da fanget 2 Werer an in dem Nahmen Gottes zubüM Scckmamen/ richtet das Stiftt aüf/ GOtt/und St. Hilatio zu ehren/ und verord-net/ daß geistliche Jungfrauen GOttdem Allmächtigen zu grösseren Ehren/und Lob darinn dienen / und under derPflicht der Regul/ ein reines / undein-gezognes Leben führen sollen. Alsonähme das Kloster seinen Anfang/ daman zehlle von Christi Geburt. 49 ".

Jahr / und ist hernach mit Königlichen/und K'äyserlichen Freyheiten herrlichbrfreyet / und beftättigct worden. Derheilige Fridolin hätte auch under an-deren ein Jünger / den er auß demH»

Tauff gehebt hatte / welcher eines gro-ben/ Und uNbescheidenens Verstandwar / diser hielte flarck bey dem heili-gen Mann an / daß man den neuenKlosterfrauen einen Kercker / oderGefängnuß solte bauen/ liesse ihm sol-che Gedancken nicht außredett/ undfienge sechsten an zubauen. Es wol-te aber ihme sein Anschlag nicht gelin-gen/sonder was er bey Tag baUete /daß fiele zu Nacht wider ein/ und wardverstört; darauß er lehrnen müssen /seinem Meister zu gehorsammen/ undseinen eignen Willen zubrechen. DieLiebe/ und Demuthchette auch indemheiligen Mann tieffeMgewUrtzlet;dannals zu Zeiten die jungen Knaben/ nachkindlicher Art in seinem Gatten aufdieBäum das Obs abzubrechen / steigenwollen/ kamt der heilige Mann offtdarzu/ und halste ihnen nach Möglich-keit auß Liebe auf/ und ab den Bäu-men zuklimmen/ damit sie ihnen sechstenkein Schaden zufügten ; ja auß grosserDemuth biete er ihnen seine eigne Achs-len / Und Rucken darzu; geschahe aberdaß er ohngefehr sahe einen seiner Jün-ger darzu kommen / so ermahnete er dieKnaben Vätterlich / und sprach : liebeKinder steigt herab/ und macht euchdarvon/ ehe daß einer komme/ euchvertreibe/ und straffe. Also großWare die Liebe dises Manns gegen derJugend/ daß er ihnen die Freud gernvergönnete / damit sie zu dem Gutendesto williger / und fleißiger wurden.

Olarus ein Haubtflecken/und je- c^if.tziger Zeit ein Qrthder Eydtgnoßschafft/vor zeiren aber dem Gottshauß Se- Uckingen underworfien/ wäre zu zeiren in Giaru-deß heiligen Fridolmö von zweyen ge-waltigen Brüdern/ und Landsherrcn/und wie etliche sagen Brassen geregiert;dieselben hiefen Msirs / und Landolff/so von hohem Ade! gebohren / mit gros-sen Reichthumenbegäbet/ und indemgarktzen Land ein grosses Ansehen het-2 ren..