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Von dem Heiligen Meinrado >
H. Meginrad offt aufdem Etzel besuch-te ; derselben offenbarere er / wie er wil-lens wäre sein Wohnung zu verändern/und sich weiter in den finstern Wald /ein halb Meil weegs von dem Etzel zu-begebcn / und allda sein Leben zu be-schlieschen / dann ihme das Volck vonstarrem Zulauft aus dem Etzel sehr zuüberlegen sein wolte. Als die Äbtis-sin solches gehört hatte / erbotte sie sichaller möglichster Hilff. Daraufgien-ge der H. Meginrad in das Dorfs Al-tendorff zu der andächtigen Wittftau-en/ zeigte ihr auch die Ursach seinerVeränderung der Wohnung an/ dan-ckete ihr aller erwissnen Gutthaten / er-botte sich auch Gott treulich für sie zubitten / der werde es ohn Zweiffel ver-gelten / hie zeitlich / und dort ewig. Ver-lasset hiemit die Wohnung auf dem E-tzel im Jahr deß Herrn 8z8. Und zö-ge in den finstern Wald / der an dasLand Schweitz stosset / und ringsweißmit Bergen umgeben ist. Er namemit ihme ( wie die Chronick der Rei-cherm» bezeuget) ein Meß - Buch / einBuch mit den Epistolis/und HomilijsS. Benedicti Regul/ und die BücherZohannis Caßiani/ die er zuvor beyS Mein, sich behalten hatte. Als nun die an-rad vcrän. dächtige Königin/ und Abtißin Hilde-d"" scm gardis zu Zürich / und andere Gotts-nissmmn förchtige Persohnen vernommen/ daßWalo. der H. Meginrad sein Wohnung ver-ändert hätte/ schickten sie unverzogen-lich Werckleuth in den finsteren Waldein Cellen / samt einer kleinen Capellen/nach seinem begehren / zu bauen/ (undist jetziger Zeit die Capell unser liebenFrauen zu Einsidlen/) darinnen er denübrigen Theil seines Lebens verzehret/und sich in strengem Fasten/ Betten/Wachen / und andern Tugenden gr-übet hat. Sein Speiß / und Nah-rung bekäme er von obgesagter Äbtis-sin/ und andächtigen Pilgern/ derendoch er wenig gebrauchte/ und daß üb-rige willig / und freundlich den Armenaußtheilte. Es wäre auch der H. Me-ginrad ein sonderbarer Liebhaber derMutter GOttes/ und hat sie von Ju-gend auf für sein fürnemste Patroninausserkohren / deßwegen er diser hochge-lebten/ und gebenedeyten JungfrauenMariä/ dises Orth/ und Capellen ver-ehrete / und debitierte. Und dises istder kleine / doch hochheiliger Anfangdeß Fürstlichen Gottshauß Einsidlen/von welchem besitze unser 1'fiesrrumLcclLliaüicum bielveriorum.
5 Da sich nun S. Meinrad in seinerDic lv'sm neuen Wohnung deß finstern Wasossck!cckmS seßhafft gemacht/ und aus ein Zeit beyMeinrad. Tag seinem andächtigem Gebett obge-
legen war / umgäbe ihn ein grosse maft-ge der Höllischen Geistern/ daß er denTag nicht mehr sehen könnte / dise setz-ten ihme starck zu / und als sie ihn mitvilem/ und grossem Schrecken müd ge-macht hätten / fiele er nider auf die Er-den zu dem Gebett/ und befähle sichGOtt dem Herrn. Als dises nun einZeitlang gewehret hätte/ sihet er dasLiecht von Auffgang der Sonnen wi-derum Herfürkommen / darinn ihme einEngel erschinen/ der Mitten durch dieböse Geister durchtrungen zu dem H.Mann / da er indem Gebett läge/undgeborte den Höllischen Schaaren mitgrosser K'rafft/ sich von bannen zu be-geben/ und den H. Mann mit keinensolchen Schrecken / und Ungestimmigskeiten mehr zu beleydigen. Daraufdie Teufte! mit grossem Getöß/ undGeschrey sich in die Flucht begeben.Der H. Engel aber tröstete den H.Mann freundlich/ und von dem Tagan ( wie er selbst bezeugt/) hat er kei-nen schrecken mehr von den bösen Gei-stern gehabt. Einsmahls käme einConventherr / samt anderen aus. sei-nem Orden/ und Gottshauß Reiche-rm»/ ihne heimzusuchen ( dann er hat-te auß seiner Einöde den Brüdern vikzu ihrem Nutz / und Geistlichen Fruchtgeschriben / wie in der ReichenauischenChronick zulesen ) St. Meginrad em-pfieng seinen Mitproseß/ und Brüdenfreundlich / und erzeigte sich nach seinemvermögen guthertzig. Wie es nun A-bend worden/ hielten sie beyde einfreundliches Gespräch miteinander/undführte sie nach der Complet schlaffen /den Gast an ein besonders Ort in einHäußlein von Holtz ausgericht an deeCapell/ und desselben Gefährten auchbesonder / deßgleichen gienge er auchin seyn Wohnung. Da nun der H.Mann GOttes ein kleine Zeit gerastethätte/ stunde er widerum auf/ undgienge heimlich nach seiner Gewohn-heit zu dem Gebett in die Capell. DerConventual aber auß der Reichenau /verzehrte auch die Nacht mit Wachen/und Betten/ und hörte den H. Mannausstehen/ und in die Capellen gehen/stunde auch auf/und gienge ihme heimlichnach biß zu der Thür der Capellen/da-selbst blibe er / und sahe daß ein schö-nes Kind / ungefährlich bey siben Jah-ren alt / in weisser klantzender Kleidungvon dem Altar herab stige/ und mitS. Meginrad die Psalmen bettete / jeein Verß um den andern. Darnachredet es mit dem Heil. Mann / daß esder frembde Bruder zwar wohl könntehören/ aber nicht verstehen. Nachsolchem gienge das Kind auch zu demConventbruder selbst/ redet/ und er-
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