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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Einsidler / und Märtyrer.

fen Adclberto / dem Reichsvogten /gemeinen Richtern / und dem gantzenChristlichen Volck zu recht erkennt /daß man beyde Mörder zu der ge-wohnlichen Richtstatt hinaus schleif-ten/ nach Kaiserlichem Recht Radbre-chen / und mit den Rädern zu Aschenverbrennen / und die Aschen in dasfürüberfliessende Wasser geschüt wer-den solle. Die Rappen seynd auchnicht von der Richtstatt gewichen/bißsie beyde getödt worden. Zu Zürichwerden noch die Rock beyder Mörderaufbehalten/ und gezeigt.

Als nun (wie oben gehört) derH.Meginradus den 21. Jenner /indemJahr Christi 86z. ermördt worden /und deß Zimmermanns Haußfrau /mit ihren Nachbauren / zu der Cell /darinn der todte Leichnam läge / kom-men waren / fanden sie nit ohne Ver-wunderung die Kertzen so zu demHaupt deß H. Märtyrers gesetzt war /biß auf die übergelegte Decken abge-brannt / als aber das Feur den H.Leichnam erlangt hatte/ ist die Kertzenvon ihr seibsten ausgelöscht worden-da-rauf verwahreten die gemelke Persvh-nen den H. Leib samt der Capellen /und Kirchen Zierd/ und thaten sol-chen traurigen Zustand Waltherio demAbt der Reicherm»/ bald kund/ dersendete nach S. Meginradi Leichnam/damit er ihn als ein Mrtglid seines Con-venrs / und jetzt ein H. Märtyrer inder Reicherm» begraben möchte. DieAbgesandte kamen in den finstern Wald/luden den H. Leichnam auf einen K ar-ren / und als sie mit dem H. Leib aufden Eßel/ da er erstlich siben Jahr ge-wöhnet/ und allda seinen EinsidlerStand angefangen hätte/ kommen wa-ren/ könnt man ihn nit weiterö brin-gen/ da schnitte man den H. Leib auf/und begrübe sein Hertz / und Eingeweydin die Capell auf dem Etzel/ und führ-

ten den Leib glücklich in das Gotts-hauß Reicherm» / allda er ausserthalbdes MünstMs / hinder dem Chor / ehr-lich mit grosser Reverentz / und Kirchen-gepräng begraben worden. Derbarmhertzige GOtt aber/ wolteden H.Meginkad noch mehr der Welt nichtbekannt/ sonder auch einen getreuenFürsprecher / für die betrübte Men-schen bey seiner Göttlichen Majestätmachen/ und liesse bey seinem Grabgrosse/ und mancherley Wunderlichendenen so den H. MegiNrad in ihremAnligen / Trübsal / und Aengsten an-rüsten wurden/ erfolgen Und willfah-ren/ dardurch St. Meginradi Nahm/nicht allein bey den Nachtbauren/ undumligenden Völckern/ sonder auch bei-den Frcmbden/ so gar auch zu Romgroß / und bekannt worden. Deß-wegen der Bapst Benedicrus der IX.liesse den H. Meginrad in die Zahlder Heiligen einschreiben/ als einenMärtyrer / und Einsidler verehren/undsein lobwürdige Gedächtnuß in derChristlichen - Cakholischen - K irchen zu-begehen/ befehlen um das Jahr Chri-sti IOZ9. als jetzt 178. Jahr nacb ^ei-ner erlangten MarterckCron v.rstosscNwaren : Darauf seyn Grab Mit grossen Freuden eröffnet / die H. Gebeinwürdig / und andächtiglich erhebt/ anfmannigfaltiges anhalten des Abts/unddes Ehrwürdigen Cvnvents zu Einsidrlen St. Meginradi Haupt / und etli-che Gebein von dem Abt Berone / undConvent der Reicherm» nach Einfidlenwiberum gesandt/ in obgesagtem rozy.Jahr/ und auf den 6. Tag Weinmo-nat mit höchsten Freuden / Audacht /und Ceremonien eingeholt/ und in denhohen Altar S. Maurrtij glvrwürdiggelegt worden / allda die H. Reliquiennoch gesehen / und hochehrlich / als ei-nes besondern Patrons/ und Anfän-gers des Fürstlichen Gottshaußgehalten werden.

lk>. k. Klarer, Die L- Schweiq.