184 Von dem Heiligen Notkero /
sich GQtt/ seinen Heiligen / und inder Bruder Gebett/ damit er in derWelt mit Sünden nicht befleckt wur-de. So er under den Weltlichen Men-schen war/ achtete er der WeltlichenDingen fast nichts/ underliesse seinegeistliche Übungen niemahlen. Bei-den Brüdern war er Sittsam/ undSanfftmüthig / mit Worten / undWercken gäbe er allein ein gutes Ex-empel/ flöhe den Müßiggang/ Leicht-fertigkeit/ Schimpffreden/ und unnü-tzes Geschwetz/ meidete der WeiberGegenwärtigkeit/ als wahre/ und off-ne Strick des bösen Feinds. Er pfleg-te offt zusagen: daß das unschuldige Le-ben nicht werde gefunden in dem Landder Wollüsten / sonder man müsse desHertzen Erdreich scharpffbauen/ wannman gute Frücht darvon haben wolle.
Q--p. Nach dem er aus Gehorsamme zuVon seinem einem Priester geweyhet worden/ hatH. Lcben. ^ sich noch mehr in den Tugenden gr-übet/ nnd nach rechter Vollkommen-heit getrachtet. Er war mit jedermannfreundlich/ und in der Conversationangenehm / in dem Rath geben nützlich /in Ermahnung zu der Tugend beflissen/und in Abstraffung der Fahler gütig /daher er auch der Gütige/ oder From-me Notkerus genannt worden. Inder Demuth war er fürtrefflich / flöhedie eytele Ehr/ und wolte keine Aem-ter/ oder Digniteten annehmen. Danner spräche: daß solche wären ein Ur-sach zu der Hoffart / und zu anderenLästeren der klösterlichen Disciplin zu-wider / und zwar kämen solche zu Zei-ten von Tugenden her/ oft aber vonden Sünden/ zu mehrer Straff/ undVerdammnuß/ deren/ die sie haben.Er war gern bey den Krancken / erin-nerte dieselben oft/ daß fle nit solltengedenckcn/ daß die Kranckheit ohnge-fähr/ sonder vilmehr zu Abbüssung derSükd-en über sie kommen wäre. Erhatte ab dem Geschmack / und Unrath. der Krancken kein Abscheuen. InDer Widerwärtigkeit/ und Verfolgung/erzeigte er ein grosse Gedult/ und lit-te dreUnbildwilligliäsi Syndulphuseiner aus den Leyenbrüdern hatte ihnoft beleydiget/ den er doch allezeit ge-Dultiglich übertrüge. Auf ein Zeitals gemelter Bruder den frommen Not-kero in dem Refectorio / oder Convent-stubev seinen Wein einschenckte / undaber aus bösem Eyffer also ungestühmmit der Kannten umgienge/ daß sievon dem Tisch auf den Boden/ unddas Lid / oder Kanntendeckel weit vonder Kannten siele/ und die Kanntenauf einer Seither: auf der Erden läge/ist doch nicht ein tropffen Wein darauß
gelösten/ darab sich die anderen sehrverwunderet haben. Neben der La-teinischen/ war er auch der GriechischenSprach wohl erfahren. Liebte sehr Erware^die Musicam/ und übte sich also darin- W 'nen/ daß er alle andere übertreffe. '
Er machte viel geistliche Gesänger / undSequentzen/ und schickte dieselben zudem Bapst Nicolao dem ersten/ wel-cher sie Approbiert/ und der gantzenRömischen - Kirchen/ under demAmptder H. Meß/ vor dem H. Evangeliozusingen in schöner/ und lieblicher Me-lodey/ erlaubt hat im Jahr des Her-ren 866. also daß sie biß auf das Con-cilium Tridentinum gebraucht / und da-zumahlen nidergelegt seynd worden.
Auf ein Zeit als Notkerus auf demDormitorio in nächst gelegner Mühlenein Rad herum gehen / und mit seinem ,Laufs einen unrühigen Thon machen «hörte/ wäre er in dem Geist erhebt /und macht über solchen Thon den schö-nen Spruch : Lsnött Lpirirüs aclllr no-bis Maria, öcc. Die Genad des H.
Geists stehe uns bey/ mitderScquentz/und Nöthen / und schickere solche demKäyser Carolo Crasso zu einem gutenJahr. Selten fände man ihn ohn einBuch/ bevor aber läse er stättigs daSPsalterium des König Davids.
Er war bey gemelten C arolo Cras-so in grossen Ansehen/ der ihn auch zuseinem geistlichen Rath brauchte/ undwo er könnte kämme er sechsten/ odersandte Brieff/ und Bottfchafften zuihm. Auf ein Zeit war auch ein Käy-
serlicher Bvtt mit Brieffen zu ih-me in das Kloster kommen / und als .er wolte widerum Antwort haben traf-fe er ihn im Garten an / und sahe daßer das Unkraut außreuttete / und guteKräutlein hingegen pflantzete/ da sag-te der H. Notkerus zu dem Botten :was du mich sitzest thun / daß zeige demKäyser an/ daß ers auch thun solle.
Als der Käyser solches vernohmen /vergnüget er sich diser Antwort/ und .verstünde wohl/ was des Heil. Mey-nung wäre. Er war nicht allein erfül-let mit dem heiligen Geist/ sonder der-selbe redte auch aus ihme/ daß er zu-künfftige Ding zuvor sagte/ wie ausnachfolgendem Exempel zusehen. Es Mol»*käme zu einer Zeit mehrgemelter Ääy- Craffusser Carolus gen St. Gallen/ undver- komc 'blibe drey Fäg allda/ die er mehres- mA-theils mit dem H. Notkero in vilen ho-hen Fragen/ Meynungen/ und Auß-legungen zugebracht hatte : Es wäreauch in des Kaysers Comitat ein Cap-lan/ der eines stoltzen/ und hoffärti-gen Gemüths war. Da nun diserCaplan vernähme / daß der Käyser
vil