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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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184 Von dem Heiligen Notkero /

sich GQtt/ seinen Heiligen / und inder Bruder Gebett/ damit er in derWelt mit Sünden nicht befleckt wur-de. So er under den Weltlichen Men-schen war/ achtete er der WeltlichenDingen fast nichts/ underliesse seinegeistliche Übungen niemahlen. Bei-den Brüdern war er Sittsam/ undSanfftmüthig / mit Worten / undWercken gäbe er allein ein gutes Ex-empel/ flöhe den Müßiggang/ Leicht-fertigkeit/ Schimpffreden/ und unnü-tzes Geschwetz/ meidete der WeiberGegenwärtigkeit/ als wahre/ und off-ne Strick des bösen Feinds. Er pfleg-te offt zusagen: daß das unschuldige Le-ben nicht werde gefunden in dem Landder Wollüsten / sonder man müsse desHertzen Erdreich scharpffbauen/ wannman gute Frücht darvon haben wolle.

Q--p. Nach dem er aus Gehorsamme zuVon seinem einem Priester geweyhet worden/ hatH. Lcben. ^ sich noch mehr in den Tugenden gr-übet/ nnd nach rechter Vollkommen-heit getrachtet. Er war mit jedermannfreundlich/ und in der Conversationangenehm / in dem Rath geben nützlich /in Ermahnung zu der Tugend beflissen/und in Abstraffung der Fahler gütig /daher er auch der Gütige/ oder From-me Notkerus genannt worden. Inder Demuth war er fürtrefflich / flöhedie eytele Ehr/ und wolte keine Aem-ter/ oder Digniteten annehmen. Danner spräche: daß solche wären ein Ur-sach zu der Hoffart / und zu anderenLästeren der klösterlichen Disciplin zu-wider / und zwar kämen solche zu Zei-ten von Tugenden her/ oft aber vonden Sünden/ zu mehrer Straff/ undVerdammnuß/ deren/ die sie haben.Er war gern bey den Krancken / erin-nerte dieselben oft/ daß fle nit solltengedenckcn/ daß die Kranckheit ohnge-fähr/ sonder vilmehr zu Abbüssung derSükd-en über sie kommen wäre. Erhatte ab dem Geschmack / und Unrath. der Krancken kein Abscheuen. InDer Widerwärtigkeit/ und Verfolgung/erzeigte er ein grosse Gedult/ und lit-te dreUnbildwilligliäsi Syndulphuseiner aus den Leyenbrüdern hatte ihnoft beleydiget/ den er doch allezeit ge-Dultiglich übertrüge. Auf ein Zeitals gemelter Bruder den frommen Not-kero in dem Refectorio / oder Convent-stubev seinen Wein einschenckte / undaber aus bösem Eyffer also ungestühmmit der Kannten umgienge/ daß sievon dem Tisch auf den Boden/ unddas Lid / oder Kanntendeckel weit vonder Kannten siele/ und die Kanntenauf einer Seither: auf der Erden läge/ist doch nicht ein tropffen Wein darauß

gelösten/ darab sich die anderen sehrverwunderet haben. Neben der La-teinischen/ war er auch der GriechischenSprach wohl erfahren. Liebte sehr Erware^die Musicam/ und übte sich also darin- W 'nen/ daß er alle andere übertreffe. '

Er machte viel geistliche Gesänger / undSequentzen/ und schickte dieselben zudem Bapst Nicolao dem ersten/ wel-cher sie Approbiert/ und der gantzenRömischen - Kirchen/ under demAmptder H. Meß/ vor dem H. Evangeliozusingen in schöner/ und lieblicher Me-lodey/ erlaubt hat im Jahr des Her-ren 866. also daß sie biß auf das Con-cilium Tridentinum gebraucht / und da-zumahlen nidergelegt seynd worden.

Auf ein Zeit als Notkerus auf demDormitorio in nächst gelegner Mühlenein Rad herum gehen / und mit seinem ,Laufs einen unrühigen Thon machen «hörte/ wäre er in dem Geist erhebt /und macht über solchen Thon den schö-nen Spruch : Lsnött Lpirirüs aclllr no-bis Maria, öcc. Die Genad des H.

Geists stehe uns bey/ mitderScquentz/und Nöthen / und schickere solche demKäyser Carolo Crasso zu einem gutenJahr. Selten fände man ihn ohn einBuch/ bevor aber läse er stättigs daSPsalterium des König Davids.

Er war bey gemelten C arolo Cras-so in grossen Ansehen/ der ihn auch zuseinem geistlichen Rath brauchte/ undwo er könnte kämme er sechsten/ odersandte Brieff/ und Bottfchafften zuihm. Auf ein Zeit war auch ein Käy-

serlicher Bvtt mit Brieffen zu ih-me in das Kloster kommen / und als .er wolte widerum Antwort haben traf-fe er ihn im Garten an / und sahe daßer das Unkraut außreuttete / und guteKräutlein hingegen pflantzete/ da sag-te der H. Notkerus zu dem Botten :was du mich sitzest thun / daß zeige demKäyser an/ daß ers auch thun solle.

Als der Käyser solches vernohmen /vergnüget er sich diser Antwort/ und .verstünde wohl/ was des Heil. Mey-nung wäre. Er war nicht allein erfül-let mit dem heiligen Geist/ sonder der-selbe redte auch aus ihme/ daß er zu-künfftige Ding zuvor sagte/ wie ausnachfolgendem Exempel zusehen. Es Mol»*käme zu einer Zeit mehrgemelter Ääy- Craffusser Carolus gen St. Gallen/ undver- komc 'blibe drey Fäg allda/ die er mehres- mA-theils mit dem H. Notkero in vilen ho-hen Fragen/ Meynungen/ und Auß-legungen zugebracht hatte : Es wäreauch in des Kaysers Comitat ein Cap-lan/ der eines stoltzen/ und hoffärti-gen Gemüths war. Da nun diserCaplan vernähme / daß der Käyser

vil