i,2 Von der Heiligen Jungfrauen
stern/ so vil bewüßt/ und einen Bru-G WOo, der mit Nahmen Hitto. Die einerade a Schwester / deren Nahm durch langeSchwester, Zeit verlohnn / aber GOtt wohlbekannt/ wäre den Göttlichen / undhimmlischen Geheimnussen gantz erge-ben / also daß sie auch die Engel sin-gen horte. Dise war zu einer Zeitvon ihres gleichen Jungfrauen/ Zu ei-nem Tantz / nnd dergleichen Weltli-chen Üppigkeiten geladen worden ; de-nen aber hat sie weißlich / und mit dief-fen Seufftzen geantwortet: Wie kanich mich mit solcher Üppigkeit / Undweltlichen Wollüsten vermischen / dieich höre die Heil. Engel singen/ darauffienge sie an hertzlich zuweinen / undHitto ein starbe hernach in wenig Lägen. ZhtBruder S Bruder aber Hitto/ war etwas Welt-Wyborade. / den ermahnete Wyborada mitgeistlichen Worten/ und kräfftigentzu-sprechen / daß er auch die Welt verlies-se/ und ein Conventual indemGdtts-hauß S. Gallen / und hernach Prie-ster / und Pfarrherr zu S. Magno bißan sein End worden. Weil auch dieH.Wyborada nicht Schreiben/und Le-sen könnte / hatte sie von ihrem Bru-der Hittone neun und vierzig PsalmenDavids / aus vilem/ und öfftern vor-sprechen / auswendig gelehrnet. Alsaber der Hitto verdrossen worden / Undwolte die Schwester den fünfftzigstenPsalmen nicht lehrnen / würd er darumin einer Nacht von G-Ott gestrafft /und ist ihme so lang zufasten auferlegtworden / biß die Schwester den Psal-men IVlilerere mei OLus, 6rc. gelehk-net hätte / den sie bald ergriffen / die-weil Hitto noch dieselbige Nacht auf-stünde / Wyboradam weckte sein Ge-sicht erzehlte / und ihr den PsalmenlVlilerere mei OLus vorspräche. Zueiner andern Zeit an dem ersten Sonn-tag in der Fasten / als Hitto gern hät-te Meß gelesen/ und aber keinen Die-ner hätte / der ihme wie bräuchlichdienere / beklagte er sich bey seinerSchwester 4 die tröstete / und ermah-nete ihn den Gottsdienst anzufangen -GOtt werde ihme schon einen Dienerzusenden. Er folget ihren Rath /sahet sein Gebett / und Gottdienstan / sihe Wunder! S- Wyborada bet-tet mit ihrem Bruder einen Verß umden andern / und gäbe ihme auf al-le gewöhnliche Wort klare Antwort/mit männiglicher Verwunderung /dieweil kundbahr war / daß sie we-der Schreiben noch Lesen könnte.Insonderheit aber verwunderte sichder Bruder / und lobte GOtt umdie grosse Gnaden / Pie der H. Geistin seiner Schwester gewürckt / und siehundert Psalmen zu den andern fünff-
tzigen/ neben andern geistlichen Gebet-ten/ und Übungen reichlich gelehrnethatte.
Nachdem die H. Wyborada ihrenBruder also von dem weltlichen zu demgeistlichen Stand bekehret hatte/ näh-me sie ihr auch für ein strengers Lebenanzustellen. Deßwegen sie ihre zwoDienstmägd zusich beruffte / und ihnenihr Vernehmen entdeckte / daß sie wil-lens wäre / sich von dem Fleischessenzuenthalten/ und mit Kram/und Rü-ben/ und andern geringen Speisen sichbegnügen zulassen. Doch solte man we-gen der frembven Persohnen den Tischmit Fleisch / und andern köstlichenSpeisen auch anfüllen / daß man ver-meinte sie Esse auch Fleisch/ und schu-be es in den Mund / da sie es in derHand behielte / und den Armen gebenliesse / und sich mit geringeren Essen spei-sete. Eben ein solchen List brauchte sieauch mit ihrer Ligerstatt/ in deme ihrZimmer schön / und wohl zugerüst /und das Bethgewand köstlich anzu-schauen war / zu Nacht aber spreitetesie ein Cilicium auf den Boden / undzu dem Haupt legte sie einen Stein /und rastete ein kleine Zeit darauf/ dar-nach stunde sie auf/ und gienge in dieKirchen. ' Der Teuffel aber ein Feindder Tugend / und heiligen Lebens /wolte sie gern abwendig gemacht ha-ben / in dem er ihr offt in einesSchweins Gestalt / vor/ und nach ge-lösten / oder wann sie Creutzweiß aufdem Boden läge / und bettete / in ge-stalt einer Fröschen um sie herum hupf-fent/ tantzent / und quaxcnt erschiene/dessen aber Wyborada wenig achtete /und sich in ihrer Andacht nichts verhin-dern liesse. Auf ein Zeit hatte einreiche Matron einen Diener so mitdem bösen Feind besessen / den schicktedie Frau zu der Gottseeligen Jung-frauen/ mit Bitt / daß sie deß armenDieners sich erbarmen wölle. DieHeil. Wyborada ruffte aus mitleydenden Nahmen IEfus über den befess-nen Menschen an / und war das Ge-bett so kräfftig / daß der Teuffel vonStund an weichen müßte / und der Die-ner widerum Frisch/ und Gesund heimgienge. Aber der neydige Teuffelkonnte / und wolte der H. WyboradaBarmhertzigkeit nicht vergessen / suchteWeeg/ und Steg sich zurechek; fändeendlich ein treulose/ nnd neydige Dienst-magd / die sich nicht schämte / ihr un-schuldige Meisterin die H. Jungfrau /öffentlich / und nach Gelegenheit zuver-schreyen / und zuverleumden / daß sienicht allein ein üppiges / fleischliches /Und unzüchtiges Weibsbild / und Ehe-brecherin
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