Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Bischofs/ und Beichtiger.

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welche er vormahls gebauet/und in fei-ner Ehr geweyhet hatte / und verhar-ret beständiglich so lang / ohn einigerMenschen Steur / und Hrlff / biß erZweymahl Meß gehalten wie desselbenTags gewöhnlich war. Wie solchesgeschehen / setzet er >ich/und sprach zu denumstehenden Priestern: Ich hab michnicht aus Menschlicher stärcke vermö-gen / sonder aus Göttlicher Krafft / undBefelch Christi diß Ampl der Meß zu-halten undersangen. Dann wie ichheut in einem süssen Schlaff gelegen /seynd zween junge schöne Männer ne-ben mir gestanden / deren einer zu mirgesprochen: Warum stehest du nichtaus ? Dann du soll hem zu S. JohannMeß hatten / dlsem antwortet der an-der : wie kan das geschehen? dannSchwachheit halber hat er noch nichtdie Primam gebettet. Und der erstsprach abermahl: Stehe auf/ und wieich dir gesagt / richte dich bald in ge-meltcr Kirchen das Göttliche Ampt zu-halten : dann keiner wird ohn du al-lein / heut daselbst Meß halten. Wieder Heilig Mann den Geistlichen dißangezeigt / ist er wider in sein Zimmergangen / und erwartet daselbst seinesAbscheids anstehenden Tage mit Freu-den / und sprach offt mit dem H. Da-vid : Wann soll ich kommen / und fürmeines GOttes Angesicht erscheinen?Er würd in diser Kranckheit von denSemigen gefraget / ob er vermeintedaß er in diser Kranckheit sterben wur-de? da antwortet er ja/ er wüßte wohldaß sein End allberetk vorhanden wäre/und sein zeitliches Leben abgelöstenseye; verhvffere auch änderst nicht /als daß er svlte auf beyden allerheilig-sten Apostlen Pem / und Paulr Tag /von Viser Welt / und Jammerthal ab-scheiden / welches weil es nicht gesche-hen/ spräche er mit betrübtem Hcrtzcn.D Heil. Apostel Petre! warum ist esnicht geschehen / wie ich verhoftt hab ?darnach lebte er noch fünff Tag/ in de-nen er von jedermann Verzeyhung be-gehrte / und ihnen den Seegen gäbe.Nach demselben hat er den vierdtenLag Heumonat an dem Morgen da dieSonn aufstunde / und die Geistlichendie Litaney gesungen / und geweinethaben / seinen Geist in die Händ deßHErren befohlen / in dem Jahr nachder Menschwerdung Christi JEsu un-sers HErren 97Z- indem 8z. Jahr sei-nes Alters / und indem 50. Jahr sei-nes Bischthums zu Zeiten deß K'äysersDktonis deß andern-

Wie man seinen Leib entblößetih-ne zuwaschen / ist ein solcher lieblicherGeruch von ihme ausgeschlagen / daßkr aller umstehender Naicn/ und HerlLk. lVIursr , Die H. Schweitz.

erfüllet / und ist solcher Geruch blibenbiß er gewaschen / mit den Kleidernangelegt/ und in die Kirchen getragenworden. Als aber der H. Wolffgan-gus vernohmen hatte/ daß der H. Bi-schofs Ulrich kranck läge; käme er genAugspurg ihne heimzusuchen / und fän-de ihn schon gestorben / deßwegen erdie Seelämpter / und alle der Römi-schen Kirchen Ceremonien für ihne inBischöffiichen Zierden hielte / und istdeß H. Manns Leib mit grosser Herr-lichkeit in S. Afrä Kirchen / in einerCapellen von ihme hievor längst ausser-kohren / zu der Erven bestattet wor-den. Nachdem nun der H. BischofsUlrich von der Bürde deß leiblichenLastes crlediget/ und in die himmlischeFreud eingangen / hat er gleich ange-fangen mit neuen Wunderzeichen zu-leuchten. Dann als sein H. Leichnamwar zu der Erden bestattet / wurde all-weeg ein Teppich aus seyn Grab / so et-was von dem Estrich erhebt war/ gelegt/darauf stättiglich ohn underlaß einLiechtbraune. Einsmahls wurde ein drinnen-de Kertzö unfürsichtigllch dorthin gesetzt/welche übcrzwerck aufdcn Teppich gefal-len / und darauf also lang gebrunnen /biß daß der Theil welcher den Teppichberühret / gantz von dem Feur verzeh-ret worden. Als aber die Flamm sichübersich auf erhübe / käme'der Hülerdarr» / welcher solches verwahrlostet /zucket mit Forcht / und Schröcken denübrigen Theil der Kcrtzen / besuche denTeppich mit fleiß / und befände / daßnicht ein Faden verbrennt / oder besängtwäre. Als er solches seinem Meister/und Brüdern verkündiget / wurden siemit Verwunderung / und Freuden er-füllet / lobten GÖtt / und den Heil-Ulrich.

Rupertus / von deme hievor auchMeldung geschehen / war auf ein Zeithinckend worden/ also daß er allein mirden Krücken »»Verhalten / und sonftennicht gehen möchte / ist auch deß ge-brauchs der rechten Hand beraubt wor-den ; als er in solcher Kranckheit 4.Jahr gelegen / ist er zulelst zu der vorerkandten Hilff S- Ulrichs gestohen /und hat sich zu deß H. Ulrichs Grabverheißen. Als er nun ein Wachs zudem Opffer geknufft / hat er die Kur-cken verlassen / und ist an einem Ste-cken dahin gangen. Da er abex zudeß H. Ulrichs Grab käme / seynd sei-ne schwache Kn»e / und die lahme Handwiderum zu ihren vorigen Kräftenkommen / baß er von ihme selber fto-lockend / und gesund widerum heimgienge. ...

Als nun alles Volck deß HeiligenUlrichs Festtag freywillig ftyrllch hiebEe re