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Von dem Heiligen Ulrich/
te wat einer an der Thonau / der sichdeß Heiligen Tags nicht viel achtete /sonder sein Heu auffrechet/ und zuScho-chen oder Haussen machet. Da er andem anderen Tag käme / und wolle dasHelm füehren / fände er es außwendighüpsch / und schön ; da ers aber mitder Gabel rühret / war es inwendigalles ein lauter Staub / und gantz zuAschen worden / und dörffte also hin-füran den Lag/ den er zuvor nit fey-ren wollen / nit mehr verachten.
Da einsmahls auf unser liebenFrauen Geburts Abends viel gen Aug-spurg gienge/ daß sie daselbst den heili-gen Lag ehrlich hielten/ istundernan-dern auch ein Weib gewesen / die mitihrem kleinen K'indlein wolte deß heili-gen Ulrichs Grab besuchen/ und alldaum deß Kinds Gesundheit bitten / Vor-habens ein Wachs zuopffern alöSchwerdas Ä indlein wäre. Und da sie dasKind auf einem Karren über die Wer-tach brück führte / hat der K arren auf-gehupfft/ und ist das Kind über dieBruck in die Wertach gefallen. Das-selbe Wasser aber war alsdann / we-gen vilen Regenwetters/ alsoangelof-sen / daß es allen so darüber giengen /ein forcht / und grausame machte. DieMutter wolte vor Hertzleyd nach demKind in das Wasser fallen / würd abervon dem umstehenden ergriffen / undauffgehalten/ die Leuth seynd an bey-den Gestaden deß Wassers zugeloffendaß sie dem Kind hülsten. Als es a-ber von niemand möchte ergriffen wer-den / ist es darnach undergesuncken /und von ihnen allen verschwunden.Die Mutter würd mit Gewalt von derBrücken hinweg geführt / und als vilmöglich getröstet; hat erstlich mit wei-nen / und klagen die Mutter GOttesMariam um Hilff angeruffen/ hernachist sie zu deß H. Ulrichs Grab kommen/und hat das Wachsopffer / welches siefür ihres Kinds Gesundheit dahin ver-lobt / für sein See! aufgeopffert. Alsnun in nachfolgender Nacht die trauri-ge Mutter entschlaffen / erfchine ihr einfast Ehrwürdiger Mann in Bischöffli-cher Kleidung / und sprach: Ist dirleyd um deinen Sohn Weib ? Sie ant-wortet,/ ja Herr/ da sprach er: Mor-gen frühe gehe wider an das Wasser /und da du ihn. am leisten hast sehen un-tergehen / suche ihn bey dem Gestad inden Stauden. Als sie nun erwachet/möchte sie kaum deß Morgens erwar-ten/an welchem sie mit etlichen an dasGestad deß Wassers gangen / und nachden Worten deß H. Manns hat sie ihrenSohn lebendig / und gesund gesunden.Da ist sie fröhlich GOtt lobende/ wi-
der in die Statt kommen / und hat di-se Beschicht allenthalben öffentlich er-zehlet.
Wie nun Luitolffus um das JahrChristi 991. zu dem Bischthum Aug-spurg erwöhlet / und Bischoff worden/und sich auch täglich die Wunderzeichen(deren wir etliche aus vilen hieher se-tzen wöllen) bey der Begräbnuß S.Ulrichs mehreren/zöge BischoffLuitol-dus oder Luitolffus von Augspurg ineygner Persohn gen Rom im Jahr 99z.Zwantzig Jahr nach deß H. Ulrichs Ab-leiben / nnd erlangte von dem Papst- Johanne dem XV. in öffentlichem Con-sistorio der Herren Bischöffen/ undPriestern nach Ablesung deß H. UlrichsLeben / seeligen Lodts / undWunder-wercken / daß der H. Ulrich in die Zahlder Heiligen öffentlich erkläret/ und ge-schriben worden auf den z. Lag Hor-nung in obgesagtem 99Z- Jahr. Di-ser Lanonisation Bull/oderPäbstlicheeBrieffso miti8. Cardinälen/ Bischöf-fen / und Priestern underfchriben / seyndbey dem hochgelehrten Cardinal CäsarBaronio Tom. io. im Jahr 99z. fol.889. zulesen / und zusinden/ dahin wirden guthertzigen Leser gewisen wöllenhaben / damit wir nicht zu weit schrei-ten.
An unser lieben Frauen Himmel-fahrt Abend / als vil Menschen Manns/und Weibspersohnen/ Jung/und Alt/St. Ulrichs Kirchen zuließen / käme lin-der andern ein Frau aus dem Bäyer-land / so dem Heiligen Beichtiger einOpffer darbringen wolte / biß auf dieBruck deß Lechs/ welcher selbiger Zeitso fast gestigen/ und ausgelosten war /das Vieh/und Leuth schwerlich ohn Ge-fahr darüber kommen möchte. Nächst-gedachte Frau würd von der grossenmänge deß Volcks gestoßen / daß sieüber die Bruck hinab in das Wassergefallen / da es am allergrösten / undungestilltsten war. Von Stund an er-höhte sich ein grosses Geschrey der Men-schen. Die Fußgänger / und Reutereylten all dem rechten Lauft deß Was-sers zu / daß sie das End sehen. A-ber aufwunderbarliche Weiß / und ausKrafft GQttes deß Allmächtigen/ auchaus den Verdiensten deß H. Beichti-gers S. Ulrichs wurde dieselbige Frauvon der obern Bruck bey dem Jollhauß/biß zu der undern bey Lechhausen (diedoch ein gute weite von einander seynd)geführt / und hat da also frisch / undgesund auf dem Grieß geruhet / daß siean keinem Ding weder Leib noch Gut/auch so gar an dem.-Opffer/ daß sie in«der Hand trüge / Mangel oder Scha-den
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