2§4 . Von der Heiligen Idda/
an den Schweipff hencken / und alsovon der Höhe des Schlosses bis zu un-derst in das Thal hinab lauffen / dar-durch der eilende Mensch "jämmerlich /und unverschuldet weiß zerschleipfft/undzerrissen worden.
«g?.Mit diser That aber / ist dem bö-sen Feind nicht genug geschehen / son-der wolle auch an der tugentreichenFrauen seinen lang gefaßten Zorn er-zeigen / und solches durch niemand än-derst als durch den Grasten ihren Ge-mahel selbsten / damit ihr Leyd / und«t. Idda Marter desto grösser wurde. Waswird zum geschicht ? Der Grass laufst eylends /SAoß b" und geschwind in das Frauen - Zimmer/wvMn/ in seinem grimmen / und grausamenZorn / erwüscht/ und ergreifst sein ge-treues Ehegemahel / reistet sie zu demFenster / da halste kein versprechen nochentschuldigen / da war weder Gnadnoch Barmhertzigkeit / sonder stürtzetsie mit gemalt ohn alles Recht von demallerhöchsten Orth deß Schlosses hin-ab / und siele also die unschuldidigeFrau durch wilde Hecken / und Dörnin die vierhundert Elenbogen Liess/ daßjedermann vermeinte daß sie zu stucken-und zu todt gefallen wäre. Was aberder böse Feind ihr zu dem Leyd / undVerderben angerichtet / daß ordneteGOtt / der dre seinigen nicht ver-lasset/ zu seinem grösser« Lob / undUnschuld der Gräffin. Warlichhatsich die Heil. Idda wohl gesegnet /und in solcher eussersten Noth sich demtreuen / und lieben GOtt mit grosserZuversicht/ und Glauben befohlen/die-weil sie so wunderbahrlich von emersolchen Gefahr errettet worden.Als nuttdie H. Idda auf den Boden gefallen /stunde sie auf/ und knyete nider / lob-te GOtt von Hertzen/ und danckereihme daß er sie so wunderbahrlich er-halten hatte / verzeyhete auch alsbaldallen ihren Mißgönnern / und ihremEheherren / machte ihr dise grosse Heim-suchung zu nutz / und sprach in ihremHertzen also: Ewiger / und barmher-Higer GOTT / wie vil bin ich deinerMajestät schuldig / daß du mich auslauter Gnad mit deiner starcken Handwunderbahrlich erhalten/ und bewah-ret, hast / derhalben opffere ich dir/ Omein gebenedepter Schöpffer / uud Er-löser / mein Seel / und Leib / meinLeben / und Wandel / all mein thun/und lassen. Ich verzeyhe mich meinerEltern / und Freunden/ wie edel/undherrlich sie immer seynd / aus freyenwillen verlasse ich allen WeltlichenPracht / und Wollust/ für die Reich-thum erwähle ich die blosse Armuth /für den Ehestand / die unbefleckte
Keuschheit / für die eygne / und sinn-liche Liebe / die Vertäugnuß meinerselbsten; damit ich unverhindert / OHErr IEsu Christe.' dir allein dienen/mit gantzem Hertzen frey anhangen /und forthin nach meinem vermögen /und deiner Gnad das erstatten könne/was leyder von mir in dem WeltlichenStand bißher versaumbt worden.
Mein Seel benedeye den HErren /und alles was in mir ist / lobe seinen ^Heiligen Nahmen / mein Seel ver-gesse nicht die Gutthaten die er dir er-zeiget hat.
Wer kan sich aber genug verwun-dern / daß dise zarte / und Edle Gräft St. ZUfin ein solches hartes / und strenges Le-ben an sich genommen solle haben? Sieführte ein Einsidlisches Leben / wohne-te mitten in der Wildnuß / liesse sich be-gnügen mit Kräutern/ Wurtzlen/ Schle-hen / und Holtzöpfflen / und lautermWasser/welches durch das wilde Thallflusse / sie fragte nach keiner gekochtenSpeiß / sie wäre gedultig / und srölichin der eussersten Armuth / und in demungewöhnlichen strengen Leben. Siehatte weder Stuben / Kuchen / nochein Beth / und Küßin / oder anderezierlichen Hausrath. Auf der kühlenErden war ihr Ligerstatt/ und undcr denwilden rhieren ihr Pallast. Sie er-hübe ihr Hertz / und Gedancken alleinzu GOtt / deme sie sich hatte befohlen/und verlobt sie dienere ihme Tag / undNacht mit emsigen Gebett / und an-dächtigen Betrachtungen. Als es nunGOtt dem Allmächtigen gefallen/ denGottseeligen Wandel St. Iddä derWelt zuoffenbahren / und das ange-zündte Liecht auf den Leuchter setzen ^i,. ^wolle / damit es allen so im Hauß wa-ren vorleuchtete; begäbe es sich aufeinZeit / da jetzt St. Idda in die 17.
Jahr in der Wüsten / und EinsidlerStand gelebt hatte / daß der GrassHeinrich von Toggenburg / St. IddäGemahel seinen Jägern befähle / daßsie mit den Hunden dem Gewild nach-setzen / und das Wildprät suchen sol-ten. Die Jäger kamen in den Wald / St- Dund fanden einen Fußtritt eines Men-schen allda / ab welchem sie sich ver- A»wunderten / und eyleten die Hünd nachihrer Art / und Natur demselben gespur/und geschmack nach/ derohalben sich dieIäger je länger je mehr in die Wildnußhinein liessen / und wollen erfahren/wo-hin doch endlich solche Fußtritt sie wei-seren. Letstlich kommen sie zu St. Id-chä schlechtes/ und armesHütlein/undfinden ihr Frau in höchster Armuth all-da allein wohnent/ und GOtt dienent.
Ab disem Wunder entsetzten sich die
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