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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Von öer Hiil. Idda/ Gräffin / und Witifrauen. 2§5

Graffen finden wir keinen der Heinrich-enannr war/ dann allein St' IddäEhegemahel / welcher lebte als man zähl-te 1179. Jahr. Das Schloß Tog--enburg aber ist hoch in den spitzen desGebürgs gelegen/ und nut vilen Wild-riussen / und dem Fluß Susenbach um-geben/ welcher Fluß die GraffschafftLoggenburg/ und die LandgraffschastrLurgöu scheidet/ und abtheilet. Lerst-lich ist das gedachte Schloß zerstöretworden / und im Jahr 1469. nut samtumligender Landschafft / in das Fürst-liche Gottshauß St. Gallen durch ei-nen Kauft kommen/ von deme es heu-tiges Tags rühiglich beherrschet wird.So vii von den Graffen von Togaen-burg zu mehrerem Bericht des Lesers.

z. Was nun der H. Jddä Höchzeitbelauget/ so ist kein zweiffel/ sie habeals em rechte Christliche/ und weiseJungfrau mehr auß ihrer Befreunden/und Eltern Rath/ und Willen / dannauß eygner Leichtfertigkeit sich inden H. Ehestand begeben / und mitder Israelitischen Jungfrauen Sara /

j. in der Warheit sagen können: Du weistJ^ O Herr / daß ich niemahl einen Mann^ begehrt / und daß ich mein Gemüthvon allen bösen Begierden reinbehalten habe. Einen Mannhab ich nicht aus fleischlichem Mutwil-len / sonder m deiner Forcht Meinen/verwillig. t Und gleich wie die Heil.Idda ihren Jungfräulichen Stand rein/und unbefl.chk hielte/ also war sie fol-gents ein unsträffliche Ehefrau/ undhielte ihrem Herren / und Graffen ih-ren ehelichen Glauben/ Treu/ Liebe /und Gehorsam. Wir lesen auch inihrer Histori/ daß Graff Heinrich ihrGemahel/ sein vilgeliebte JungfrauBrautt mit einem köstlichen Gemahel-odcr Braut - Ring verehret habe / deraus theurem Arabischem Gold gemacht/und mit einem fürtrefflichen Stein ver-setzet war / welcher Ring nachmahls diefromme Jddam/ in grosses Leyd/ undGefahr des Lebens gebracht hat. Undwiewohl dise beyde Eheleuth viel Jahrim Ehestand fridsam / und einig lebten/wird doch von St. Iddä Kindern/undErben nichts gelesen/ ist auch zu ver-muthen / GOtt habe sie unfruchtbarerhalten/ dieweil siezn einem höheren/und vollkommueren Stand von ihmebernffen war/ damit sie von dem Mail/Freuden / und allen weltlichen Sorgenabgesondert/ nur GOtt dem Herrenallein in der Wildnuß dienen / und denbessern theil Mariä besitzen solle.

«. Nur» könnte aber die GottseeligeIdda dem Lreutz nicht gar entrinnen/

sie müßte auch so wohl das Wasser derTrübsal / als den Wein der Freudentrincken/ und also in ihrem Ehestanddie Bitterkeit kosten / dann der leydigeLeuffel feyret nicht / dessen Natur / undArt ist böses anzustifften/ und das Gutzu verhindern/damit die Christliche Ei-nigkeit under den Eheleurhen betrübt/und zertrennet werde. Was aber die

alte/ und verfluchte Schlang durch sichsechsten nicht kan außrichten/ daß ver-suchet/ und vollziehet sie durch ihredarzu geordnete Abgs sandren/und Bot-ten. Dessen haben wir ein schönesExempel in diser Hrstort/ wann wirdieselbe recht / und wohl bcdencken wäl-len. Als nun die H. Idda mu ih-rem Herren in grossem Frrden/ undLiebe lebte/ begäbe es sich / daß sie ih-re Klerder / und Kleynodien einmahlan der Sonnen nach WeibischemBraucherlufftete / sihe da schicket der böse Feindund Tausentkünstler einen Rappen/derals seyn gesandter Bott daher flu-ge/ ferne diebische Augen auf der Frau-en güldenen Vermähel-Riug warffe /liesse sich desselben Rings gelüsten / grif-fe ihn mit seinem Schnabel heimlich an/führt denselben hinweg / und verbärgeihn «n seinem Näst/ so lang/ biß end-lich ein Jäger dahin kommen / der indemselben Thal dem Gewild nachgesetzthabe / da hörte er ein ungestimmes/undungewöhnliches Rappengeschrey anfei-ndn Tannenbaum von jungen Rappen.Der Jäger verwundert sich ab disemunnatürlichen Rappengeschrey / steigtauf die Tannen zu dem Näst/ und fin-det darinn den gestohlnen Gemäyel-Ring der H. Iddä. Der Jäger näh-me den Ring/ und stecket ihn mit gros-sen Freuden an seinen Finger/ dardurchgäbe er seinen Mitgesellen einen Arg-wohn/ daß diser Ring der Herrschaft?zugehörig wäre/ durch welchen die Ver-mählung ihrer Frauen/ mit dem Her-ren geschehen wäre. Solches alleskomt durch einen Fuchtschwäntzler/undMißgönner für den Grasten/ der zeig-te ihme an / wie daß der Jäger in ei-nem grossen Argwohn wäre mit derGräffin/ dieweil er dörffteöffentlich denRing / mit welchem die Frau Iddavon ihrem Herren ausserkohren worden/an den Fmgeren tragen. Und zumehrerem Glauben / beruffte er auchden Jäger/ und zeigte den Ring. Alsdis der Grass hörte/ würd er erzürnet/und ohn alle weitere Nachfrag/ unbe-sunnen / wider GOtt/ und alle Billich-keit/ vermtheylete er seyn unschuldige/und getreue Gemähtem zu dem Todt /den Hager aber als einen ehebrecheri-schen Buben/ ohn allen Verzug befäh-le er zubinden/ einem »«gezähmten RoßKkz «n