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Von der Heiligen Idda/
ihrer rauchen Wildnuß dem Rappen-stein hinweg / und begäbe sich in dieneue erbauete Wohnung / darinnen siegleichfalls ein eingczognes andächtiges /und GOtt wohlgefälliges Leben/ mitBetten / Wachen / und Fasten führte/welches aus deme wohl abzunehmen ist/daß sie ihr Underhaltung/ und tägli-che Speiß nicht wolte von ihrem Ge-mahel annemmen / fonder sie liesse sichbegnügen mit dem/ daß die frommenNachkamen ihr williglich / und täglichzu dem Allmusen gaben. Dieweil a-ber das löbliche Gottskauß Fischingen/so von den alren Grasten von Toggen-burg zum theil gesichtet worden/ nicht- weitvon dannen läge/war ihr Gewohn-
. heit offtermals dasselbige zubcfuchen /und beflisse sich sonderlich zur Metten-zeit dem Gortsdienst daselbst beyzuwoh-nen / die hochheilige Sacramenta wür-diglich zu empfangen/ ihr Andacht /Gebett / und Betrachtungen zu voll-bringen/ und endlich auch allda begra-ben zu werden. Es ist auch sel-tzam/ und übernatürlich / daß mannicht allein in den Büchern liset/ son-der auch mi( langer / alter hergebrach-ter Kundschafft / und Zeugnuß vilerMenschen kan probieren / wie auch invilen Orten/ sonderlich im Thurgöuvon vst iOO. Jahren das Gemahlte au-genscheinlichen bericht gibt daß sich beyEin Hirsch St. Idda vilmahl habe ein Hirsch se-Kchk derH. hbn lassen / der auf seinem Gewicht o-Mchtvor der Hörnern zwvlff Liechter öffentlichniit drk!,- getragen habe / sehe auch der H. Frauenmndm vorgegangen / wann sie nächl licher ZeitHörnern. j„ abgedachte Kirchen gen Flschingengehen wolte. Deßgleichen auch wannsie widerum zu Mitternacht aus derMetren in ihr Clausen kehren / aufdieivoo. Schritt weit heim begleitete.Gewißlich ist nichts bey GOtt dem All-mächtigen unmöglich/derseine Heiligenin vilerley weiß / und weg zieret/ undsie auch wider ihren Willen vor derWelt erhöhet / damit der Mensch ur-sach habe GOtt den HErren durch sei-ne Ausserwöhlten desto ehender zuerken-nen / und jhme zudienen.
c-p. Zu derselbigen Zeit wäre ein Frau-en Klostcn / das gleichwohl jetziger Zeitnicht mehr verbanden / nicht weit vondem vorigen Gottshauß Ftschingen ge-legen / St. Benedicti Regul/ und Or-den underworffen / darinnen die an-dächtige Klosterfrauen / ihren geistli-chen Stand treulich auswärmen/ die-selbigen vernahmen/ daß St. Idda einGottseeliges Leben führte / und Chri-sto dem HErren Tag/ uud Nacht treu-lich dienete/ derhalben saunten sie zuihr/ und hatten sie/ daß sie wolte um
Gottes willen zu ihnen kommen / undihr Wohnung bey ihnen nehmen / dasssolches nicht allein ihr / sonder auchdem gantzen Kloster nützlich / und er- 'sprießlrch seyn wurde/ die H. Iddaverstünde bald den Willen des Herrn/folgete demselben nach/ und bewilligteins Kloster zukommen/ allein begehrtesie von demselben Klosterfrauen / daß .sie ihr ein einsames Gemach / oder Cel-ten wokten eingeben/ darinn sie vonandern Menschen abgesondert/ ihrengewöhnlichen geistlichen Übungen destofleißiger/ und andächtiger möchte nach-kommen/ und obligen. Die Kloster-frauen waren wohl.zufriden/ und ver-schafften daß die H. Idda nach ihrembegehren/ in einer abgesonderten Cel-len wohnen möchte / darinnen nach al-tem klösterlichem Brauch ein Fenster-lein gemacht war/ durch welches sie re-den / und die Nothdurfft empsahen köki-te. Wiewol aber aus drsim nicht zu .schlüss-n ist/ daß St. Idda daselbst einKlosterfrau gewesen / und sich der Re-gulSt.Benedictiunderwürsfig gemachthabe: weil sie aber von solchen Klo-sterfrauen emsig ersucht worden/ hatsie es ihnen nit abschlagen können/oderwollen / doch mit Vorbehaltung ihrerabgesonderten Clausen. Under di- S>'e^sem aber liesse der H. Iddä der Feind von d«"alles guten / zu Tag / und Nacht kei- TEnen sriden/ und wäre ihr ein unrühiger/und überlästiger Gast/ zu Zeiten näh-me er ihr zu Nacht das Liecht/ undlöschte es auß/ und erschreckte sie mitandern Plagen/ setzte sie auch auf dieHähl bey dem Feur / schüttete ihr dasEssen um/ damit er sie betrübte/ ver-drossen/ und undultig machete.
Als der böse Feind auf ein Zeit c-,?.ihr das Liecht ausgelöscht / gieng siemit unerschrocknem Hecken / und volldes Glaubens/ und Hoffnung / zudemFensterlein ihrer Cellen/ sagte zu ei-nem todten Leichnam der vorlängst beyihrer Cellen begraben war/ ich sage /und gebiete dir / in dem Nahmen IE-su des Herren/ daß du ausstehest/undmir das Liecht anzündest. Alsbaldwar der Todte gehorsam/ stunde aufauß seinem Grab/ zündte ihr dasLiecht an/ gäbe ihrs/ und sprach mitverständlichen Worten:
Idda nimb das Liecht von meiner Hand/
Von Toggenburg bin ich genannt.
Nehmlich zu einem Wahrzeichen /daß er des Geblüts ihres GemahelSauß dem Edlen Geschlecht der Grastenvon Toggenburg herkommen/ und andemselben Orth begraben seye. Nach
sol-