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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Beichtiger/und Prediger-Ordens. 285

drse Verzückung mehrere ein halbe/ odergantze Stund. Als er widerum zuihm selber kommen / befände er sich /daß sein Leib aus Blödig-und Schwach-heit zuboden gefallen wäre / derhal-ven seuffzete er / und beklagte sich ge-gen GL)tt mit solchen Worten: O meinGOtt / wo bin ich gewesen / und wobin ich jetzt? O mein höchstes Gut !dise Stund mag von meinem Hertzennimmer kommen. Dise Freud deßhimmlischen Gesichts verbliebe in ihmevil Zeit / doch möchte man auswendigan seinem Leib / und Gebärden nichtsan ihme spüren. Als nun unser S.Vatter Heinrich von Berg/ oderBer-ger / Priester worden / und sich zuGOtt gantz mit Leib/und Seel bekehrethätte/verliesse er auch seines VattersNahmen von Berg / und name seinerMutter Nahmen an / schribe / und nen-ntte sich Bruder Henrich Sauß. Undda er. anfienge zu predigen / wurde erein berühmter / und ernsthaffter Pre-diger/und so er etwas hoch unddenck-würdigeswolte reden/ oder vorbringen/Und das Vblck aufmerck,am machen /spräche er: merckel auf dann der Saußwill fausten / oder wann er sich selbstwolle strecken / und ernsthafftig machen/sagte er ihme selbst: nun wolan Saußdu must saussen / oder wann er eingrosse Straffoem Volckwolle anzeigen/sprach er :da muß der Sauß saussen/ daßeuch die Ohren saussen: Item wann erein Sach nicht dörffte sagen / sagte erder Sauß darffda/ und das nicht saussen.Alss behielte er den Nahmen / daßman ihn nicht änderst nennete als denBruder Sauß / wiewohl etliche spre-chen er habe Sauß geheiffen. Aufein Zeit da er zu Cölln mit grossem Eyf-fer gehrediget hätte/ wäre auch ein an-dächtige Persohn - so sich nicht langzuvor zu GOtt bekehret hatte / zuge-gen / welche mit den innerlichen Augendeß S. Vatters Susonis Angesicht sa-he zu drey underschidlichen mahlen mitHellem schein gleich als die Sonn leuch-ten / glantzen / und also klar scheinen/däß er sich selber darum sehen könnte /dardmch war diser Mensch in seinemLeyden wohl getrost / und in dem H.Leben gestarckr., Seine geistliche U-bungen / und tägliche Exercitia / da-rauf er sein Leben gericht hatte / warenein stätter Fleiß / und emsige Be-trachtung / und Ermahnung der Ge-genwärtigst der ewigen Weißheit.Wie dises aber geschehen ftye/ kan ausseinen Büchern von der ewigen Weiß-heu in Teutsch / und Lateinischer Sprachveschriben / vermercket werden. Erhatte von Jugend auf ein liebreichHertz. Die ewige Weißheit aber ver-

k'. klarer, v,e Schweiy.

gleichet sich in H. Schrifst einer Lieb-haberin / die sich schön zieret / schmü-cket / und liebreich redet / damit sie denHertzen ihrer Liebhaber gefallen / unddie böse / und eygensinnige Liebe aus-renken / und undertrucken könne. Siezeigt auch under andern/ ww unbestän-dig die unreine Liebe/ und hingegenbeschreibet sie wie fest / und nützlich dieGöttliche / und Geistliche Freundschasstseye. Als nun der H. Amandus dse /und andere der ewigen Weißheit Bü-cher hörte lesen / gedachte er / wie erdise hohe Liebhaberin zu einer Gesponßmochte bekommen / von der er so gros-se Wunder hörte sagen / und.lesen /weil doch sein junges Gemüth ohn einsonderbahre Lieb in die länge nichtmöchte verharren. Also geschahe eszu einer Zeit/ da er sich rn der Weiß-helt Bücher belustigte / daß sie sichin einem Gesicht ihme erzeigte / sieschwebete hoch in eurer liechten Mol-chen / sie leuchtete als der Morgen-Stern/ und scheinere als die aufste-hende Sonn / ihr Cron war die Ewig-keit / chr Äleiv die Seelwkeit ihr Wortdie Süßigkeit/ ihr Umfang alles Lu-stes / Genügsamkeit/ und Überfluß /sie war weit/ und nahe / hoch/ undnider/ sie war gegenwärtig/ und dochverborgen/ sie liesse mir ihr umgehen/und liebkosen / es möchte doch ue nie-mand beareiffen/ sie erhübe sich überdas höchste des Himmels/ und b^rüh-rete die Tiefte des Abgrunds/ sie er-spreitete sich von einem End zu dem an-deren gewaltiglich/ und richtet auß al-le Ding süßiglich. Sie erzeigte sichals ein weise Meisterin liebl'cb/ undspräche zu ihme milrigtich: pi^be tilicor tüurn miln, gib Mir dein Hertzmein Ä ind. Da neigete sich der Vat-ter Amand tieft zu ihren Füssen/ unddanckete der ewigen Weißheit auß sei-nes Hertzenö Grund / damit name diseErscheinung ein End / und verliesse ihnevoller Trosts.

, Eben zu bisen Zeiten war ein über-mäßige Feursflammcn in deß S- Su-sonis Hertz angezündet worden/daß esin der Göttlichen Lrebe branne. Deß-wegen als dises Feur aussen, Zeit stmckzUgenomen hätte / gienge er in sem Eellan ein heimliche Statt / käme in ein schö-ne Betrachtung/ und sprach also: Achewiger GOtt/könnte ich etwas amnü-thiges gedencken / - ein ewiges Zeich?der Liebe wäre zwischen mir / und drr /zu einem Urkund / baß ich deines / undund du meines Hertzen ewiger Schatz/und Liebe wärest / daß kein Vergessen-heit/ oder Mensch nicht vernlgen möch-te. In discwinttbrünfligen Gcdan-

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