Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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28§ Von dem GottseeligenAmando.

cken / entblößte er sein Hertz / name ei-nen Griffel in die Hand/ sahe sein Hertzan / und spräche: Allmächtiger GOtt/verleyhe mir in disem Tag krafft/ undstärcke / daß ich mein Begierd möge voll-bringen / dann du O HErr must heutin den gründ meines Hertzens begra-ben / und geschmeltzt werden. Da-rauff fienge er an mit dem Griffel denNamen JESUS mit solchen Buch-staben I Kl 8. in das Fleisch zustechen/und eizugraben / daß das Blut überden' Leib herab fiele. Dises war ih-me lieblich anzusehen auß der feurigenLiebe mit der er entzündet war / undachtete deß Schmertzens gar wenig. Ergienge hernach also verwündt mit demblutigen Hertzen auß seiner Gellen in dieKirchen underdas Crucifix/so beydemPult stunde / knyete nider/ und sprach:Ach mein GOtt / und Herr / meinerSeel / und meines Hertzens einige Lie-be/ sihe an meines Hertzens einige Be-gicrd / dann ich kan dich in mein Hertzje nicht tieffer truckenOHErr ich bit-te dich daß du es vollbringest / dich inden Grund meines Hertzens truckest/«nd deinen H. Nahmen in mich alsoschreibest/ auf daß er auß meinem Her-tzen nimermehr möge aMelöschet wer-den. Es gienge aber der S. Aman-düs mit verwundtem Lei / und Hertzvrl Zeit herum/ ehe die Wunden wide-rum zuheylen wollen/ und bliben dieBuchstaben des Namen IEsus nach sei-nem Begehren auf dem Hertzen/ undwaren so lang als ein Gleich des klei-nen Fingers / und so breit als ein Stro-halm / und trüge den Namen auf sei-nem Hertzen bis in das Grab. Undwann sich das Hertz bewegte / so be-wegte sich der Namen IEsus gleich-falls/ er war gar scheinbar/ und trügeihn in der Geheime / daß er nur einemauß seinen Gesellen/ und Mitbrüdernihme zeigte/ welcher ihm zu Cölln lin-der wehrendem Studieren so geheim/lieb / und angenehm war/ daß er ihmein einem Göttlichen Gespräch seinesHertzens Kleynod offenbarere / alfoun-derliesse diser fromme Bruder nichtmit täglichem bitten / und anhal-ten/ bis er ihme sein Hertz öffne-te/ welches er zwar ungern thäte.Als nun dife beyde Freund / und Mit-brüder vil Jahr bey einander in derSchul gewöhnet hätten / und jetzt inihre K loster durch ihre Obrigkeit beruf-fen worden/versprachen sie ein andern /daß wan einer vor dem andern soltesterben / daß der ander ein Jahr langwöchentlich 2. Messen lesen solte / amMontag von den Abgestorbnen / undam Freyrag von dem bittern LeydenIEsu Christi. Nach etlichen Jahren

stirbt deß Amandi Gesell / für bessertSeeligkeit er zwar fleißig batte / vergaf-ft aber seines grossen Versprechens we-gen der Messen / deßwegen die Seelseines Gesellen ihm erschiene / wegenseinerNachläßigkeit straffte/ und batteihn sein Gelübd zuvollziehen / so würder bald ein Kind der ewigen Seeligkeitwerden. Einmahls nach der Metten/da er von seinem Gebett käme / gienger in sein Cellen / setzte sich in seinSessel / name das Altvätter Buch lin-der sein Haupt / und wolte rasten. Dasahe er / wie ein grosser Schein /, undKlarheit aus seinem Hertzen Herfür kä-me mit einem guldinen Creutz / undköstlichen Edelgestetnen versetzt / dieleuchteten hell / und klar in Gestaltdeß Nahmen IEsus / also name er dirKappen / und schlüge sie über dasHertz / und vermeinte / er wolte diedurchscheinende Klarheit bedecken / daßes niemand möchte sehen / aber er könn-te sie nicht verbergen.

Es hatte der H. Amandus ein löb-liche Gewohnheit / daß er nach derMetten in ein Capell sich begäbe / all-da in seinen Sessel ein kleine Zeit zu-ruhen / als aber der Wechter den an-gehenden Tag verkündigte / stunde erauch auf / fiele auf seine Knye / undgrüssete den schönen Morgen-Stern diezarte Himmel Königin Mariam / undMutter aller Gnaden. Als er nunauf ein Zeit also in seiner Ruhe fasse /hörte er etwas innerlich so hell erklin-gen zu Zeit deß aufgehenden Morgen-Sterns / daß sein Hertz bewegt war/und sänge also : 8rella lVlgria maris ko-che piocellir orrum. Der Morgen-Stern Maria ist heut Herfür gegan-gen. Dises Gesang erschalle überna-türlich in ihme / daß in ihme sein Ge-müth erfreuet wurde / und die heißen Zä-hern von seinen Augen schössen. Nachvollentem Gebett grüsste er auch dieewige Weißheit mit dem lobreichen Ge-bettlein mea äelläersvir re irr

noÄe. Mein Seel hat dich in derNacht begehrt / mit einem Kuß derErden. Darauf / und zu dem drit-ten küßte er den Boden / und grüßtedie höchste / und inbrünstige Geisterder Seraphin / daß dift SeraphischeGeister ihme sein Hertz in GöttlicherLiebe inbrünstig machten/ damit es inihme nit allein brinncn/ sonder auch al-le Menschen mit inbrünstigen reden /und predigen anzünden möchte. EShatte auch unser S. Vatter AmanduSvil liebliche Gespräch / und grosse Ge-meinschaffl mit seinem H. Schutz-Engel/daß er ihne offt sahe / mit ihme redte,und ihne umfienge / auf ein andere Zeit/als er nach einer grossen Trübsal geru-het