28§ Von dem GottseeligenAmando.
cken / entblößte er sein Hertz / name ei-nen Griffel in die Hand/ sahe sein Hertzan / und spräche: Allmächtiger GOtt/verleyhe mir in disem Tag krafft/ undstärcke / daß ich mein Begierd möge voll-bringen / dann du O HErr must heutin den gründ meines Hertzens begra-ben / und geschmeltzt werden. Da-rauff fienge er an mit dem Griffel denNamen JESUS mit solchen Buch-staben I Kl 8. in das Fleisch zustechen/und eizugraben / daß das Blut überden' Leib herab fiele. Dises war ih-me lieblich anzusehen auß der feurigenLiebe mit der er entzündet war / undachtete deß Schmertzens gar wenig. Ergienge hernach also verwündt mit demblutigen Hertzen auß seiner Gellen in dieKirchen underdas Crucifix/so beydemPult stunde / knyete nider/ und sprach:Ach mein GOtt / und Herr / meinerSeel / und meines Hertzens einige Lie-be/ sihe an meines Hertzens einige Be-gicrd / dann ich kan dich in mein Hertzje nicht tieffer truckenOHErr ich bit-te dich daß du es vollbringest / dich inden Grund meines Hertzens truckest/«nd deinen H. Nahmen in mich alsoschreibest/ auf daß er auß meinem Her-tzen nimermehr möge aMelöschet wer-den. Es gienge aber der S. Aman-düs mit verwundtem Lei / und Hertzvrl Zeit herum/ ehe die Wunden wide-rum zuheylen wollen/ und bliben dieBuchstaben des Namen IEsus nach sei-nem Begehren auf dem Hertzen/ undwaren so lang als ein Gleich des klei-nen Fingers / und so breit als ein Stro-halm / und trüge den Namen auf sei-nem Hertzen bis in das Grab. Undwann sich das Hertz bewegte / so be-wegte sich der Namen IEsus gleich-falls/ er war gar scheinbar/ und trügeihn in der Geheime / daß er nur einemauß seinen Gesellen/ und Mitbrüdernihme zeigte/ welcher ihm zu Cölln lin-der wehrendem Studieren so geheim/lieb / und angenehm war/ daß er ihmein einem Göttlichen Gespräch seinesHertzens Kleynod offenbarere / alfoun-derliesse diser fromme Bruder nichtmit täglichem bitten / und anhal-ten/ bis er ihme sein Hertz öffne-te/ welches er zwar ungern thäte.Als nun dife beyde Freund / und Mit-brüder vil Jahr bey einander in derSchul gewöhnet hätten / und jetzt inihre K loster durch ihre Obrigkeit beruf-fen worden/versprachen sie ein andern /daß wan einer vor dem andern soltesterben / daß der ander ein Jahr langwöchentlich 2. Messen lesen solte / amMontag von den Abgestorbnen / undam Freyrag von dem bittern LeydenIEsu Christi. Nach etlichen Jahren
stirbt deß Amandi Gesell / für bessertSeeligkeit er zwar fleißig batte / vergaf-ft aber seines grossen Versprechens we-gen der Messen / deßwegen die Seelseines Gesellen ihm erschiene / wegenseinerNachläßigkeit straffte/ und batteihn sein Gelübd zuvollziehen / so würder bald ein Kind der ewigen Seeligkeitwerden. Einmahls nach der Metten/da er von seinem Gebett käme / gienger in sein Cellen / setzte sich in seinSessel / name das Altvätter Buch lin-der sein Haupt / und wolte rasten. Dasahe er / wie ein grosser Schein /, undKlarheit aus seinem Hertzen Herfür kä-me mit einem guldinen Creutz / undköstlichen Edelgestetnen versetzt / dieleuchteten hell / und klar in Gestaltdeß Nahmen IEsus / also name er dirKappen / und schlüge sie über dasHertz / und vermeinte / er wolte diedurchscheinende Klarheit bedecken / daßes niemand möchte sehen / aber er könn-te sie nicht verbergen.
Es hatte der H. Amandus ein löb-liche Gewohnheit / daß er nach derMetten in ein Capell sich begäbe / all-da in seinen Sessel ein kleine Zeit zu-ruhen / als aber der Wechter den an-gehenden Tag verkündigte / stunde erauch auf / fiele auf seine Knye / undgrüssete den schönen Morgen-Stern diezarte Himmel Königin Mariam / undMutter aller Gnaden. Als er nunauf ein Zeit also in seiner Ruhe fasse /hörte er etwas innerlich so hell erklin-gen zu Zeit deß aufgehenden Morgen-Sterns / daß sein Hertz bewegt war/und sänge also : 8rella lVlgria maris ko-che piocellir sä orrum. Der Morgen-Stern Maria ist heut Herfür gegan-gen. Dises Gesang erschalle überna-türlich in ihme / daß in ihme sein Ge-müth erfreuet wurde / und die heißen Zä-hern von seinen Augen schössen. Nachvollentem Gebett grüsste er auch dieewige Weißheit mit dem lobreichen Ge-bettlein mea äelläersvir re irr
noÄe. Mein Seel hat dich in derNacht begehrt / mit einem Kuß derErden. Darauf / und zu dem drit-ten küßte er den Boden / und grüßtedie höchste / und inbrünstige Geisterder Seraphin / daß dift SeraphischeGeister ihme sein Hertz in GöttlicherLiebe inbrünstig machten/ damit es inihme nit allein brinncn/ sonder auch al-le Menschen mit inbrünstigen reden /und predigen anzünden möchte. EShatte auch unser S. Vatter AmanduSvil liebliche Gespräch / und grosse Ge-meinschaffl mit seinem H. Schutz-Engel/daß er ihne offt sahe / mit ihme redte,und ihne umfienge / auf ein andere Zeit/als er nach einer grossen Trübsal geru-het