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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Beichtiger/ und P

Hörer ein sonderbahre Andacht / undBewegung ihres Hertzens empfunden.

Er antwortet / wann ich dieselben löbli-che ^Wort: 8urtum corcla. (das ist /

seufftzet zu GOtt in die höhe ihr Her-tzen ) jn der Meß außsprich / so geschichtmir gemeiniglich daß mein Hertz / undSeel zerflresset vor göttlicher Liebe.

. Under Visen Worten empfinde ich drey-erley Übungen in mir/ jetzt eine/ einandermahl zwo/ bald alle drey / in de-nen ich übersichin GOtt verzucket/ undgezogen wird / und in mir alle Creatu-ren der Erden. Von Visen dreyenU-bungen besehe der günstige Leser dasLeben Susonis / lib. r. cap. n. Esharte auf ein Zeit ein H. Mensch einhimmlisches Gesicht / wie daß der H.Suso über den Altar wäre gangen /die H. Meß zuhalten / und wie er er-scheine mit der Liebe Gottes als einChristal! / wie die Gnad GOttes vonHrmmel herab stusse/ als der Morgen-tau / und wie seyn Seel mit dem Gött-lichen Willen vereiniget wurde / nachvifem sahe er auch / daß etliche Geisterin gestalt schöner Jünglingen mit bren-nenden Kertzen hinder ihme stunden /und ein jeglrcher mit außgespannenenArmben den H. Susonem mnfiengcn/Und an ihre Hertzen truckten. Esfragte aber der H. Mensch dise Jüng-ling wer sie wären / und was sie durchdise frölichen Gebärden andeuten wöl-ken ? da sprachen die H. JünglingWir seynd euere Mitbrüder der ewigenFreuden theilhafftig/ und behüeten euchzu allen Zeiten. Der Heil. Menschsprach Wetters was bedeutet es daß ihrdisen Herren so liebreich umfangen habt?sie sprachen: dieweil er uns von Her-tzen Lieb ist / und wir vil Freud/ undGemeinschafft mit ihme / als mit un-serm Bruder haben / wir sagen auchdir / daß GOtt in seiner See! vil un-zählbare WUnderwerck / und Gnadenwürcket : und was er auch von GOttbegehren wird / daß wird er ihm nie-mahlen abschlagen / und versagen.

E»p-». Es war zu derselbe» Zeit ein Ge-AedkrS wohnheit in Schwaben/da er gebohrenMMus' war/ daß zu eingehendem neuen JahrZAu . jn der Nacht die Jüngling für die Häu-ser kamen/ ihrer Bulschafften ein neu-es Jahr zusingen / und von ihnen einschönen Blumenkrantz / oder ein ande-re Schanckung durch gewisse Lieder zu-verdienen. Disen weltlichen / und üp-pigen Gebrauch verkehrte der H. Nat-ter Amand in ein geistliche Übung / undgierige vil Jahr lang an den neuö Jahrs-Tägen Morgens vor Tag für ein Ma-tten Bild da die reine Mutter Mariachr liebes Kindlein aufihrer Schooß ge-tragen hatte / vor dem knyete er nider/

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rediger Ordens. 25-

und fienge an zu singen mit Andacht instiller Weiß die Seqnentz von der Mut-ter Gottes / daß sie ihme erlangen wol-le ein Kräntzlein von ihrem JEsulcin.

Da er nun das gesungen hätte / kehrteer sich gegen der ewigen Weißheit/ undaus tieffer Andacht / und Demuthgrüsset erste / und lobet sie an der Schö-ne/ Adel/ Tugenden / Zartigkeit/ undFreyheit mit immerwehrender Würdig-keit über alle schöne Jungfrauen diserWelt/ und dises geschahe mit singen/betten / betrachten / und seufftzen / dar-auf beschuß ers also : Ach du bist meinLieb/ mein frölicher Ostertag/ meinesHertzens blühender Frühling / und meinliebste Stund/ du bist mein Liebe / diemein junges Hertz allein begehrt / undsuchet / und alle zeitliche Liebe deinet-wegen verachtet / das lasse mich nun heutgemessen / und lasse heut von dir einKräntzlein Mich erwerben. Ach milteSHertz meines Herren / verleyhe mirdurch dein Gütiakeit die Gnad / daß ichheut nit möge ohn ein Schanckung vondir kommen : L> meines Hertzen Süssigkeit/ gibe mir heut einen lieblichen /und schönen Krantz aus vem Himmel /gleichwie die Welt Kinder ihren Lieb-habern eink Krantz / oder Gab geben.An Wie n sichunser lieben Frauen Tag zu Liechtmeß/ i" Mbereitete er z. Täg zuvor mit Gebctt M.der himmlischen Kindbetterin ein Ker-tzen / welche Mir dreyen Strängen ge-wunden war/ auf folgende Weiß. Denersten Strängen opfferte er auf zu derEhr ihrer Jungfräulichen Reinigkeit /den andern ihrer Liessen Demürhigkeit /den dritten ihrer Mütterlichen Würdig-keit / Mit denen sie alle Menschen über-trasse. Dise geistliche Kertzen berei-tete er vorhin alle Tag mit dreyeuklgAnMcsr. Wann dann der hoheFesttag der Liechtmeß herzu käme/ dagienge er Morgens frühe/ ehe daß einMensch m der Kirchen wäre/ für denhohen Altar / allda er mit seinen Be-trachtungen der himmlischen Kindbet-terin erwartete/ biß sie mit ihrem Him-melischen Heerzug daher käme.'sie nun nahe zu der äusser» Stattpor-ten anlangte/ liesse er für alle Men-schen mit seines Hertzens Begierden /und gienge ihr entgegen in Vereinigungaller liebhabenden Hertzen. Wie ernun auf der Straß zu ihr käme/ batteer sie daß sie wolle still stehen/ biß daßer ihr ein frvliches Lobgesang gelungenhätte / und fange mit eurem geistlichen/und stillen Thon innerlich / die prolLInviolars, mit gebognen Ä'tiy/N / son-derlich da er fange O demsnsO bemZ-na, O milte / O milte / hernach battLer sie daß sie ihr Miltigkeit auch wollean ihme armen Sünder erzeigen. Nach

ver-