Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
299
JPEG-Download
 

Beichtiger / und Prediger -Ordens.

keß Tag erschlne ihme das KindleinÄElus/ straffte ihne/ und sprach: duranst dein Creutz noch nicht tragen / a-ber das will ich dich jetzt lehren. Dusolt nicht gedcncken in deinen Trübsa-len an das End / damit du könnest zuRuhe kommen/ sonder sollest vil mehrgedencken/ wie du dich könnest demWillen Gottes demüthig underwerffen/und zu einem andern Creutz willig/undungezwungen dich bereiten: Du soltdich wie ein Jungfrau verhalten/ wannsie Rosen abbrechen will / sie laßt sichnicht vergnügen mit einer / sonder siebricht eine nach der andern ab/ alsosolt du auch thun ; du mußt dich voneinem Creutz zu dem andern Leydenbereiten. Dieweil aber einem geist-lichen Menschen / und anfangendenReligiösen nichts nutzlichers zu seinemStand ist/ als ein einsames/ stilles /und eingezognes Leben/ so hat ihmeder S. Bauer Suso ein solches auchaußerwöhlet / und verbliebe in seinemKloster mehr dann zehen Jahr abgesöwDert von allen weltlichen Gefthäfften /daß er auch weder mit Werbern/ nochmit Männern vor dem Thor deß Gotts,hauß unnützlich / oder lang redte. Ergierige von dem Resenthall/ oder Tischin sein Capellen (so in dem Prediger-Kloster zu Costantz/ neben dem Chorzu der rechten Hand/ wie man aufdenLethner gehet / under der Stiegen ge-sehen wird)und beschlösse sich darinn.Er behielte seine Augen so behutsam /daß er nicht über fünff Schuh weit se-hen wolte. Er wolt niemahlen außDem K loster gehen / weder in die Stadt/noch auf das Land. Aber difts alleswolt ihm nichts helffen / seine Creutz /und Leyden zuvermeyden/ sonder fie-len daffelbige Jahr seine Trübsalen sohäuffia über ihn / daß er nicht al-lein sich selber / sonder auch andere from-me Menschen zu dem Mittenden beweg-te. Damit aber er seine Creutz / undLeyden desto ringer ertragen/ und dieEinöde in seiner Capellen/ darinn ersich zehen Jahr lang ohn alle eysseneBand verschlossen auf hielte / destoleichter erleyden möchte / liesse er ihmedurch einen Mahler der Heiligen Alt,Vätter Bildnussen samt ihren schö-nen Sprüchen / und Lehren vorüberan die Maur des Chors emwerffen /aber ehe die Bildnussen außgemahletwurden / war der Mahler an einemschweren Augenwehe erkrancket / daßer vor zwölff Wochen nicht versprechenkönnte / das Merck widerum für seineHänd zunehmen / und zu verfertigen.Also stiege der S- Vatter Suio aufdas Gerüst / striche seine Händ an dieBilder der Altvätter/ und bestrichek. lVIurer, Die Schweitz.

dem Mahler bald darauf seine presthaff-te Augen/ und sprach : In derKrafftGOttes / und der Heiligkeit der Alt-vätter/ gebiete ich dir Mahler/ daß duMorgen des Tags widerum gesund kom-men/ und das Merck vollenden sollest;da es Morgen war/ käme der Mahlerfrölich/ und gesund widerum/Dancke-te dem S. Vatter Susoni um die Gut-that. Aber der H. Vatter schribesolches Wunderwerck nicht ihme selbst/sonder GOtt / und den Verdiensten derH. Altvättern zu.

Es hatte eben um dieselbige Zeitein ansehen/ als wann GOtt der All- S-AmaMmächtig fernen Diener Susonem nicht anftchtmi»allein den Menschen/ sonder auch den sm-bösen Feinden grausamlich anzufechtenerlaubt hätte; er litte vil von den bö-sen Geistern/ mit schrecken/ undschlä-gen/ Tag/ und Nacht/ daß er keinruhe möchte haben. Au einer Zeit kä-me ihm ein Anfechtung Fleisch zucssen/und als er seinem Gelüst genug ge-than hätte/ erschtne ihme ein böserGeist / und sprach : ^cüiuc etc« ec>- ^rum, ei am in ore iptorum, A irs OeiLleenäll super eos, und mit erschallen-der Stimm sprach er zu den Umstehen-den : Dlser Mönch hat einen Todt ver-schuldet/ und den will ich ihm anthun.

Als aber die Umstehenden dem bösenFeind solche Straff nicht wollen zulas-sen/ nähme er einen grossen Bohrer /und sprach : Weil ich dich änderst nichtkan peynigen / so will ich deinen Leibmit disem Bohrer also plagen/ unddurch deinen Mund graben / daß diralso wehe muß geschehen/ als großdein Lust in dem Fleisch essen ist ge-wesen. In dem richtet er den Boh-rer gegen dem Mund / daß ihme beydeÄinbaggen/ und Zahnfleisch drey Täglang also geschwullen wurden / daß ernichts mehr könnte essen/ dann so viler durch die Zähn möchte saugen. Un-der andern seinen Leyden waren z.

Ding die ihme zihmlicher Massen über-lästig waren. Eins wäre von demGlauben/ da er also gedachte:wie kanG-Ott Mensch werden ? Und je mehrer mit Visen gefährlichen Gedancken dis-putierte / je mehr er sich verwirrte. Insolchen / und dergleichen Gedanckenverzehrte er neun Jahr/ in welchen erGOtt/ und seine Heiligen um Hilff/und Beystand anrüffte / und war ihmendlich gnädiglich geholffen. Das an-der innerliche Leyden war ein unor-dentliche Traurigkeit / und war ihm/als wann ein grosser Berg auf sei-nem Hertzen läge. Das dritteLeyden war die grosse / ckld schwereP P An-