Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
321
JPEG-Download
 

l

Zu Dlessmhoffen. zrr

gefallen/ die Sünden/ und was GOttbeleydiget zumeyden/ den Weeg derVollkommenheit zuerstetgen / deßwe-gen pflegte sie andere Freud/Trost undFreundschafft zufliehen / damit sie GOttihr Hertz / und Willen gantz ergeben /und zueygnen möchte. Gegen denNächsten / besonder ihrer Mitschweste-ren / wäre sie eines lieblichen Hertzens/al'o daß sie ihnen vil Dienst äusser undinnerlich mit ihrer Handarbeit thäte /auch die Bekümmerten geistlich tröste-te mit lieblichen Worten / und Zu-sprechungen erquickete / und aufferbau-<ete. Für die betrübte Persthnen bal-le sie andächtig ihnen Trost / Göttli-chen Beystand / und Gnad zuerwer-ben. Uneinigkeit/ und Zweytracht /oder Mißverstand wüßte sie zimllchermästen zudemmen/ und stillen / wannes ihr aber nußlunge / ergäbe sie sich zudemGebett. Fromme / andächtige/und Gottlrcbende Menschen liebte siesonderlich / hätte auch grosse Begiervihnen zudienen.

Mit den Seelen im Fegfeur hätte

^2^/ fle ein grosses Mttleyden / lheylte ihnenrieb!» vil Slcur ihres vilfältigen Gebens /um derselben Erledigung mit. Zu

«MM. N^rcht wann sie erwachte/ st batte sie fürdie Seelen den Psalmen De pio5uuäi8oder etwas anders. Neben ihren an-dern grossen/ und vilfältigen Trübsa-len / und Äümmernussen schickte ihrGOtt ein grosse / und schwere Äranck-heit zu / die Gedult in ihr desto klefferzupflantzen/und zu einer Prob: als siewrder. gesund worden / empfienge sie ei-Uen neuen Eyffer GOtt mit strengemFasten / Wachen / und Betten / auchCasteyungdeß Fleisches zu dienen/des-sen ihr Geisel / so gantz blütigwar/einanzeigen sein kan. Sie beichtete mitrosser Demuth / Seufftzen/ und Zä-ern / desgleichen empfienge sie dashochwürdig Sakrament. In Sum-ma sie führte ein solches Leben / daßihr Beicht-Vatter bey anderen sie lobte/sprechend:daßsie solcher Fromkeit/ undreines Hertzens sey / daß sie gewißlichNicht könre die geringste under denen beyGOtt angenehmen Persohnen seyn.

k'k z. In den leisten Jahren ihres Alters/und Lebens / nähme sie an Leibstarckesehr ab / wurde so schwach / daß sie ver-merckte / das End ihres Lebens ohn-ferr zuseyn. Doch underliesse sie in allihrer Schwachheit von dem DienstGottes/und geistlichen Übungen nichtsUach / sonder je mehr ihr Srerbstünd-kin herzu nahm / je fleißiger / und an-

dächtiger sie ihrem Heyland dienete.

Darnach in der Fasten auf unser liebenFrauen Verkündigung / da empfiengedie stetige Adelheit mit andern Conven-tualin den zarten Fronleichnam deßHLrren. Under der H. Meß / fien-ge sie den Todtkampff mit einem star-ken Frost an / darnach in der Vesper/als man singte: bioäie VLus llornofaÄus eck. Heut ist GOtt Menschworden / gienge sie aus Schwachheitaus dem Chor zu dem Beth / hernachwollen sie die Schwestern nach Ordensbrauch > und Liebe besuchen / sie aberschaffete alle ab / wolle niemand alsGOtt allein bey ihr behalten / welchensie in dem hochwürdigen Sakramentempfangen : dann daß wäre ihr alter/und löblicher Brauch / wann sie kom-municieret/ hielte sie denselben gantzenTag ihr Silentium / oder Stillschwei-gen / und redete mit GOtt allein. AlsAdelheit auf ein andersmahl die Schwe-reren m ihrer Äkanckheit heimsuchen /in welcher sie zweymahl mit GOtt ver-sehen / empfienge sie auch die leste Or-tung / da ermahnere Adelheit dieselbenin dem Leyden zur Gedult/ und spräche:

Lcydet/ leydet / und opfferet euer Ley-den in die glorwürdige Wunden JEsüChristi/ seytemahl allda alles was unsherb / und bitter scheinet / süß wird.Jnglcichem ermahnete sie sowohl be-nannte Mitschwestern / als andere guteBekandL zu der Liebe GOttes / unddeß Nächsten / ftom / und andächtigzuleben /guts zuthun / init Erinne- ,rung deß Todts / darbey sagend: Wannihr dahin kommen werdet/ wie ihr michjetzt ligen sehet/so werdet ihr frolocken/daß ihr vil guts gethan / und Gottseeliggelebt habt. Ein Schwester aber so derAdelheit sonderlich bey Lebzeiten anbe-fohlen war / die ermahnete/ und haltesie / solle ihr in ihrem Todtbeth vil vonGOtt sagen-Antwortete die Adelheit:

Thue was ich dich gebetten / und zuthun ermähnet hab.

Die Mutter GOttes / die zwölff c-p »Apostel/ und bevokiusSt. Johann denEvangelisten verehrte sie sonderlich einstetiges / und vcrnünffriges End Me-langen. Diser Bitt wäre sie auch be-wehrt / daß ihr GOtt ein stetiges/undvernünfftigcs End verlyhe / den 4 A-prill/ im 9 - Tag ihrer Kranckheit zwi-schen dreyzehen / biß auf vierzehenhun-dert Jahr / voller Tugenden gezieret /der Leichnam wurde nur vil Zähern / undLeyd zu der Erden bestattet. Ihr steti-ges End solle GOtt auch mit etlichenWunderwercken besichtiget haben.

m.