Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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z22 Von zwölff fteligen Kloster -Jungfrauen /

m.

8 . 81 . 18 ^ 88 ^»^ 3 8 co 6 en.

Die ftelige Elisabeth von Stoffen.

c-k». r. »MvAjAs für ein andächtiges / undGOtt wolgefälliges LebenElisabeth von Stofflen vonKindheit an geführt habe /kan ein from Hertz leichtlich daraußschließen / weilen sie im Ehestand mitihrem Iunckern von GOtt mit 4. Söh-nen / und 2. Töchtern begäbet / nichtsdestoweniger hat sie mit ihres Gemarhels Bewilligung mit beyden Töchterndie Welt verlassen/ wie auch ihre Wol-lüst / und Freuden verachtet / und istin das GOkts-Hauß St. CatharinenThall bey Diessenhoffen eingetretten /die überige Zeit ihres Lebens allda indem Gottsdienst zuverzehren. Siewurde mit ihren Töchreren mit Freu-den in das Gotts-Hauß aufgenohmen/empfiengen den klösterlichen Habit /oder Kleidung/ und wurden nach ver-flossnen Jahr auch der Profeßion zuge-lassen. Ihr geliebter Juncker samptseinen 4. Söhnen wurden durch ihr gu-tes Exempel entzündet / und begabensich auch in den H. Prediger - -Orden /und thäten bannn was zuthun bräuchigist. Als der Rätter zwölffthalb Jahrin grosser Büß / und Haltung der Re-gel zugebracht/ starbeerfeeliglich Siesolle auch ihrer Söhn einen von dem Au-

genwehe durch ihr Gebett gesund ge-macht haben.

, Ein grosse Andacht trüge Elisabeth« c»x. >zu GOtt / und dem bochwürdigen Sa-krament deß wahren Leibs/ und BlutsJESU Christi unsers Heylands/undErlösers/ und hatte ihn oft begierig /und andächtig empfangen. Auf einZeit als sie Schaffnerin wäre / wurdesie garKleinmüthig/und bekümmeret/weil sie vermeinte / daß sie ihrem Ampt/und Schwestern nicht genug könte thun;sie klagte solche Anfechtung Christo un-serem Herren an dem Heiligen Creutzhangend / und Maria ieiner hochgelob-ten Mutter/ allda hörte sie inwendigzu ihr ein Stimme sprechen: Ich willdein ewige Belohnung seyn. DifeElisabeth« hätte auch von GOtt einsonderbahre Gnad / daß wann sie indie Kirchen käme / von ihren grossenHaußgeschäfften / und Klosters-Aemp-tern die Zeit ihres Lebens / sie allezeitdie Gesihäfft / und anders vergehen / W ^und also GOtt mit purlauterem Her-tzen dienen könnte. Sie hatte auchgrosse Reu / und Leyd über ihre be- ^gangene Sünden / ftarbe endlich den *Christmonat/und wäre mit den ewi-gen Freuden gekrönet worden.

IV.

8. 3 8alnsc8vv3A.

Von der fteligen Anna von Ranifthwag.

i. ^sAVNna von wohladelichen Elternim Thurgöu gebohren / kämegar Jung in das GottshaußSt. Carharinä-Thall / abersie lehrnese gar ungern lesen / schreibensingen / und anders was zu der klö-sterlichen Disciplin gehöret. Eins-mahls da ihr Lehrmeisters sie woltelehren / solle sie durch ein GöttlichesGejicht ermähnet worden seyn / daßsie hinfüro mit allem ernst fleißig lehr-nete / und sich gehorsam erzeigte. Hie-ran sienge an GOtt mit Anna in ihrerJugend Freundschafft zumachen / ihrgrosse Gnad zuverleyhen / welche erwnnderbahrlicher Weiß durch ihr gantzLeben übte. Dann in ihrer blühen-den Jugend ersuchte GOtt S.Annammit mancherley Kümmernussen/ schwe-ren Kranckheiten/ ihr Hertz darmitzu-reinigen / und zuprobieren / auch alsosein geliebte Gesponß damit heimzusu-

chen. In Visen Trübsaalen gäbe ihrGOtt Gnad / daß ihr um seiner Liebewegen alles lieblich zusein fürkame/undes gedultig litte. Ein Schwester frag-te Annam von ihrem Gebett/ welchessie mit grosser Andacht / Ernst / undDemuth ohn underlaß bey Tag / undNacht verrichtete / daß es ein Wun-derding was/ und ein geistlicher Trostanzuschauen. Darauf gab sie Antwort:sie biege / und neige sich mit samt al-len Lreaturen / daß ist / sie demüthigesich mit den Gedancken / daß alle Cre-atoren zu ihrem Zihl/ zudem sie erschaf-fen / sich üben / allein der Mensch wä-re so undanckbahr / under welchen siedie undanckbareste wäre.

Sie wäre so eyffrig / und andächtig *m ihrem Gebett / daß sie auch solle ih-res Rätters Seel aus dem Fegscur er-lediget / und vil heimliche Offenbahrun-

gen /