Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
Seite
323
JPEG-Download
 

Zu Diessenhoffen.

Z2K

M/und Göttliche Heimsuchungen ge- ligen Jungfräulichen Geist auf ( wirseyen haben. Als nun der S. setzen den zo. Heumonat wer! der ge-Schwester Annä Sterbstündlein herzu wisse Lag nicht zufinden ) mit Visenkäme / name sie gar ein seeliges End / herrlichen Tugenden / und Wer-und gäbe GOtt dem HErren ihren see- cken sezieret.

L. 6 01' l' ^ IvleAiri d^onverfä.

Von der sceligm Leymschwester Gutta

Mestm»

UnWer.

Ls die Jungfrau Gutta Mestinnoch in der Welt wäre / hattesie oft GQtt den Herren ihrGnad zuthun / sie in Keusch-ünd Reinigkeit zuerhalten / und zu demgeistlichen Stand befördern/ dann ihrdie Welt/ und der weltliche Prachtgantz mißfallen. Weil aber sie vonNatur schöner Gestalt/ und lieblichesAngesichts war; wurffe ein Jünglingein unordenliche Liebe auf sie/ und daer von solcher überwunden / suchte eralle Gelegenheit sein Muthwillen an ihrzuersüllen : An einer Nacht nähme di-ser unzüchtige Jüngling das Gerüst /öder Leytern eines Karrens/ stellte esan ihr Hauß gegen dem Kammerfen-ster/ da Gurta schließe/ und als er ander Leyiernanfieng aufzusteigen/ saheer cinschöne zierliche Frau/ dergleichener sein lcbtag nie Hütte gesehen aufdemFenster sitzen/ diefelbige Frau hatte eininniglich schönes Kindlein auf ihrerSäwoß sitzen. Der Jüngling entsetz-te sich sehr ab disem Gesicht/ ftigewi-der die Leyter hinab / und stellete auchGuttä nicht mehr nach. Also bewahr-

te GOtt/ und die H. Maria dise Jung-frau vor aller Gefahr der Unkeuschheit/käme also die keusche Jungfrau insGottshauß Diessenhoffen. Als sienun das Orden-Kleid empfangen/undnach Ordens-Brauch zum Altar ge-führt war/ empfände sie ein überna-türliche Gnad/ und Freud in ihremHertzen/ und sprach: Herr ich woltefür dise Süßigkeit alle Freud der gan-tzen Welt nicht nehmen/ und mit diserRed urlaubte sie also der Welt / undbekäunete hernach/ daß sie darauf ihrLebtag kein Lust mehr in die Welt nochzu den weltlichen Sachen gehabt / oderempfunden habe. Nach dem sie Pro-feß gethan/ nähme sie ein hartes/undstrenges Leben für/ übete sich ohn un-verlaß in dem Leyden Christi mit vilenGebetten/ Venien/ und Zähern. Siefastete mehr als dreyßig Regul fasten/alle u. L. Frauen Abend/ alle Frey-tag durch das Jahr enthielte sie sichdes Weins / Eyer / und Fisch / mdreyßig Jahren äffe sie nie kein rohes

k. klarer, Die H. Schwel«.

Obs / öder andere grüne Frücht /-derweilen name sie einen schönen Api-se! in die Hand / wann sie dem Con-vent gegeben wurde / sahe difen an /daß ihr die Zäher vor Begierd zuesseirin die Augen schössen / zu GQtt spre,chend : HErr diß möchte ich um keinerCreator willen lassen: aber dir alleinzugefallen enthalte ich mich.

Kurtz vor ihrem Todt bekante sie c,t» -.einer Schwester/ wie daß sie dreyßigJahr alle Tag zweymahl sich hätte ge- Eoi-lu«»'geißlet / ausgenommen wann sie Wöch-nerin in dem Chor war / so name sienur einmahl deß Tags Disciplin / undneben anderm Gebet! spräche sie zweyVatter unser/ eins für die allerarmsteSeel in dem Fegfeur / das ander fürden allergrvsten Sünder in der Welt /damit GOtt beyden helffe. Von ihrerstarcken Geißlungen wurde ihr Ruckenso hart/ daß sie bekennete wannsiczu-schlage / wäre nicht änderst ob sie aufein Brett schlage. Der Teuffel wartihr gehäßig / und thäte ihr vil Plagenan/ sonderlich wann sie sich geißlere /da risse er die Geißel aus ihrer Hand/damit sie aufhörte / oder müßte aufste-hen dieselbe zusuchen. AIs sie aufein Zeit in dem Sommer/ grosserHitz/und Arbeit!) wegen abgemattet / zu ei-nem Bronnen um ein Erkühlung geses-sen ; käme der böse Feind / stürtzte dieS.Guttam in das Wasser/ und Bron-nen / hätte auch ertrincken müssen / weilniemands um sie wäre der ihr hattekönnen beybringen/ wann GOtt ihrnicht selbst geholfen hatte. In glei-chem wann sie für das Capitel-Haußgienge / hörte sie den bösen Feind garoft darinnen tappen / und ein Getüm-mel machen/ als ob er einen Harnischweg wurffe / wolte damit die S. Schwe-ster erschrecken/ und in dem Gebettverstöhren. Aber sie trutzte ihn nochvil mehr/ sprechende : du böser Hunddu kanst mir dannoch kein leyd thun.

Die geliebte Gespons Christi legte einBrett an ihr Beth auf den Strosack/darüber breittete sie ihr Decke / daßman deß Bretts nicht könnte warneh-

S s wen/