Tap. 5.
z 44 Von dem Heiligen Blut
Pilgern zu grösserer Andacht gebauet.Als discs bey hundert Jahr gestanden/hat man gar offt nächtlicher weil heite-re / und glantzende brennede Liechtervon Himmel herab über das höltzeneCapellelein kommen / das Orth zu er-leuchten/ ges-chen; dannenheroimJahr1497. das höltzene Capellelein geschltftseu / ein schöne steinere grosse Capellmit drey Altären/ schönem Chor/ undKirchenmauren GOtt / und den Heil.Blut zuehren aus mancherley Allmu-sen / und Freygebigkeit erbauet worden.Die Kirchweyhe fällt Jährlich auf denSonntag vor Laurentij/ und den Zins-tag darauf der Jahrtag / und gedächt-nuß aller Gutthäter mit so vil Priesternals möglich zubekommen / welche Jahr-zeit im Jahr 1485. eingesetzt worden /so dann vil frommen Hertzen /«und Men-schen ein Anrrib Zubefürderung / undFortgang deß Kirchenbaus gewesen.
Ist auch zuwissen/ daß das hoch-heilig Blut unsers HErren im Jahr1470. durch ein Priester von Willifauverlohren / und entführet worden /welcher es mit sich in Vayerland ge-nommen / in Hoffnung dardurch einbessere Pfrund zubekommen : Anderevermeinen es seye bevor / ehe derPriester solches entfrembdet / eintropffnach Bern in die Statt kommen / ei-
ner in das Elsaß / und dann die Weisge in Bäyern / stellen es den bescheid-nen Leser zu. Dann ich viler guther-tzigen Persohnen Meynung mündlich /und schrifftlich verstanden / und habdoch keinen gründlichen Bescheid erfah-ren können. Und also ist Willisau deßgrossen Schatz liderlich beraubt worden/biß schier auf ioo. Jahr. Hernachum das 1520. oder Jahr/ dahat der Wohl - Edel - Gestreng / undWeisse Juncker Wernher von MeggenRitter/ und Schultheiß der Statt Lü-cern mit seiner Weißheit / und hohemVerstand auß Bäyerland wider einHeiligen Bluts - Tropffen davon be-kommen / darfür er hundert RheinischeGulden verehret/ ohn angewente übri-ge Mühe / und Kosten : hat bemeltenSchatz wider der Statt Willisau ver-ehret/ wider in die Capellen zuthun /samt einem Rheinischen Gulden zu an-gedencken. Und wird diser H. Bluts-Tropffen zu unsern Zeiten nicht in derCapellen/ weil sie ausser der Statt ge-legen/ sonder in der ordenlichen Pfarr-Kirchen in lauter Gold gefaßt / undschöner silberner Monstrantz gesehen /und hoch- ehrlich auf behalten. DaGOtt durch sein H. Blut vil herrlicheGaaben / und Gnaden erzeigt / mitsichtbarlichen Wunderlichen / derenwir etlich wollen erzehlen.
Wuii-Wcheil.
Pavia in Italien läge einMensch kranck/übel an einemSchenckelzugericht/undver-wundt/ der Schmertz / und dieGefahr vermehrten sich dermaßen/daßweder Artzt/ noch Doctor mehr getrautzuhelffen. Als der Krancke in die acht-zehrn Wochen da läge / in Schmertzen/und Wehtum / auch kein Besserung nochMittel spüren könnte; besuchte ihn einÄauffmann auß mitleyden: der Kauff-Mannhörete/ sahe/ undbehetzigtedeßÄrancken Elend/ berichtete denselben/wie GOtt der HErr mit dem kostbar-lichen Schatz seines Heiligen Bluts /so zu Wtllisau vom Himmel gefallen /vil Wunderwerck erzeigte/ beredte ihner solle mit festem Glauben/ und Ver-trauen ein Wallfahrt dorthin verspre-chen/ weiches der Kranck ihm gefallenlassen/ und seinem Rath einverwilliget.Da empfände er von Stund an ein Mil-terung deß fchmertzens/ verbesserte sichalso mit ihm daß er bald gesund / unddie Wallfahrt zum H. Blut in eygnerPcrsohn verrichten konnte / hat diseGutthat vor Schultheiß / und Rath /
zu ewiger Gedächtnuß auf zunrerckG^angezeigt.
2. Georg Mull fiele in so schwereKranckheit/ daß er kein Schlaff habenkönnte / Lag / und Nacht war wederrast noch ruhe bey ihm. In difemElend kehrete er sich zu GStt / undverlobte sich mit einem Opffer zum H.Blut/ da war die Stund so gut / undseyn Will so epfferig / auch GottesGenad so kräfftig / daß er seyn Schlaffwider die erste Nacht haben könnte ;deß andern Tags aber befunde er sichalso starck/ daß er zum H. Blut kom-men möcht / seyn Wallfahrt samt demOpffer andächtiglrch zuverrichten Inacht Tagen darauf befunde er sich allergesund / und lobte GOtt.
Z. Ein Weibs-Bild auß dem DorffBeuren Lucerner-Gebiet/ mit dem bö-sen Geist besessen / wühtete / und to-bete dermaßen / daß sie letstlich gantzvon Sinnen kommen / niemand nebenihr gehen/ oder zukommen dörffte. Da-rum wurde sie an eysene Ketten ge-
schlagen