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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Tap. 5.

z 44 Von dem Heiligen Blut

Pilgern zu grösserer Andacht gebauet.Als discs bey hundert Jahr gestanden/hat man gar offt nächtlicher weil heite-re / und glantzende brennede Liechtervon Himmel herab über das höltzeneCapellelein kommen / das Orth zu er-leuchten/ ges-chen; dannenheroimJahr1497. das höltzene Capellelein geschltftseu / ein schöne steinere grosse Capellmit drey Altären/ schönem Chor/ undKirchenmauren GOtt / und den Heil.Blut zuehren aus mancherley Allmu-sen / und Freygebigkeit erbauet worden.Die Kirchweyhe fällt Jährlich auf denSonntag vor Laurentij/ und den Zins-tag darauf der Jahrtag / und gedächt-nuß aller Gutthäter mit so vil Priesternals möglich zubekommen / welche Jahr-zeit im Jahr 1485. eingesetzt worden /so dann vil frommen Hertzen /«und Men-schen ein Anrrib Zubefürderung / undFortgang deß Kirchenbaus gewesen.

Ist auch zuwissen/ daß das hoch-heilig Blut unsers HErren im Jahr1470. durch ein Priester von Willifauverlohren / und entführet worden /welcher es mit sich in Vayerland ge-nommen / in Hoffnung dardurch einbessere Pfrund zubekommen : Anderevermeinen es seye bevor / ehe derPriester solches entfrembdet / eintropffnach Bern in die Statt kommen / ei-

ner in das Elsaß / und dann die Weisge in Bäyern / stellen es den bescheid-nen Leser zu. Dann ich viler guther-tzigen Persohnen Meynung mündlich /und schrifftlich verstanden / und habdoch keinen gründlichen Bescheid erfah-ren können. Und also ist Willisau deßgrossen Schatz liderlich beraubt worden/biß schier auf ioo. Jahr. Hernachum das 1520. oder Jahr/ dahat der Wohl - Edel - Gestreng / undWeisse Juncker Wernher von MeggenRitter/ und Schultheiß der Statt Lü-cern mit seiner Weißheit / und hohemVerstand auß Bäyerland wider einHeiligen Bluts - Tropffen davon be-kommen / darfür er hundert RheinischeGulden verehret/ ohn angewente übri-ge Mühe / und Kosten : hat bemeltenSchatz wider der Statt Willisau ver-ehret/ wider in die Capellen zuthun /samt einem Rheinischen Gulden zu an-gedencken. Und wird diser H. Bluts-Tropffen zu unsern Zeiten nicht in derCapellen/ weil sie ausser der Statt ge-legen/ sonder in der ordenlichen Pfarr-Kirchen in lauter Gold gefaßt / undschöner silberner Monstrantz gesehen /und hoch- ehrlich auf behalten. DaGOtt durch sein H. Blut vil herrlicheGaaben / und Gnaden erzeigt / mitsichtbarlichen Wunderlichen / derenwir etlich wollen erzehlen.

Wuii-Wcheil.

Pavia in Italien läge einMensch kranck/übel an einemSchenckelzugericht/undver-wundt/ der Schmertz / und dieGefahr vermehrten sich dermaßen/daßweder Artzt/ noch Doctor mehr getrautzuhelffen. Als der Krancke in die acht-zehrn Wochen da läge / in Schmertzen/und Wehtum / auch kein Besserung nochMittel spüren könnte; besuchte ihn einÄauffmann auß mitleyden: der Kauff-Mannhörete/ sahe/ undbehetzigtedeßÄrancken Elend/ berichtete denselben/wie GOtt der HErr mit dem kostbar-lichen Schatz seines Heiligen Bluts /so zu Wtllisau vom Himmel gefallen /vil Wunderwerck erzeigte/ beredte ihner solle mit festem Glauben/ und Ver-trauen ein Wallfahrt dorthin verspre-chen/ weiches der Kranck ihm gefallenlassen/ und seinem Rath einverwilliget.Da empfände er von Stund an ein Mil-terung deß fchmertzens/ verbesserte sichalso mit ihm daß er bald gesund / unddie Wallfahrt zum H. Blut in eygnerPcrsohn verrichten konnte / hat diseGutthat vor Schultheiß / und Rath /

zu ewiger Gedächtnuß auf zunrerckG^angezeigt.

2. Georg Mull fiele in so schwereKranckheit/ daß er kein Schlaff habenkönnte / Lag / und Nacht war wederrast noch ruhe bey ihm. In difemElend kehrete er sich zu GStt / undverlobte sich mit einem Opffer zum H.Blut/ da war die Stund so gut / undseyn Will so epfferig / auch GottesGenad so kräfftig / daß er seyn Schlaffwider die erste Nacht haben könnte ;deß andern Tags aber befunde er sichalso starck/ daß er zum H. Blut kom-men möcht / seyn Wallfahrt samt demOpffer andächtiglrch zuverrichten Inacht Tagen darauf befunde er sich allergesund / und lobte GOtt.

Z. Ein Weibs-Bild auß dem DorffBeuren Lucerner-Gebiet/ mit dem bö-sen Geist besessen / wühtete / und to-bete dermaßen / daß sie letstlich gantzvon Sinnen kommen / niemand nebenihr gehen/ oder zukommen dörffte. Da-rum wurde sie an eysene Ketten ge-

schlagen