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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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z 62 Von dem seeligen Bruder Clausen /

chen Worten Molaus wohl verstün-de / so er dapfferllch überwinden wer-de mancherley Vetrübnussen? und An-fechtungen/ wurde er erlangen diehimmlische Glory/ und daselbst vilerRitterfchafft zugesellet werden. End-lich gienge unser fromme Nicolaus inseiner Güter eins (das Melchi genannt)zumähen/und arbeiten/underwegen rüffter GOtt mit grosser Innigkeit an / umdie Erkanntnuß wie er doch sein Lebenanstellen/ und GOtt Wohlgefallen möch-te/ sihe da liesse sich von dem Himmelherab ein Wolcke / auß der zu ihmesolche Wort geredt wurden: Nicolaedu einfältiger Mann / wie thust du soEinfältig? hab allein ein Auffmerckenauf den Willen - Gottes / und verlaßdich nicht auf dein eygne Ärafft / esist GOtt nichts angenehmers als eingutwilliger Dienst. Ergib dichGOtt allein/ und was er mit dir wür-cken will/ daß laß ihn würcken. DUrchdise Stimm ist nun Nicolaus in demVerstand erleuchtet/ und in dem Wil-len alles Guts / nach dem Willen/ undWohlgefallen GOttes zuvollbringenentzündet / gestärckt / und bekräjstiget/solcher Massen daß er zu derselbigenStund angefangen sein HaußhäblicheSachen/ denen er biß dahin obgelegenwar/ gantzzuverachten/ undvenHim-lischen allein nachzusetzen/ und anzu-hangen.

c-p. 6 . Dahin/ und so ferr wurde unserfromme Nicolaus durch göttliches Ein-sprechen getriben/ daß er vermeinte /die Welt wäre ihme nicht weit genugnoch länger darinn zuwohnnen. Der-halben thäte er seiner lieben Gemahel' sein Vornehmen kund / und zeigt ihran / er hätte ihme fürgesetzt die schnö-de Weltgäntzlich zuverlassen/ und fort-hin an einer füglichen statt in einer Ei-nöde GOtt allein zudienen/ und disesdem Argwohn/ und Gleißnerey abzu-tretten / und zuentfliehen ausserhalb derEyvgnoßschafft bey den frembden mitrühigemConfcientz/ und Gewissen kolk-te er bey den Leuthen länger nicht le-ben. Derhalben so wolle sie sein Ge-mahel ihren Gunst / und Urlaub dar-zu geben / und um der Liebe-GOttesWillen zu disem seinem Vornehmen helf-fen ; dann wo er schon solte bey ihrlänger bleiben / so wurde/ und könnteer doch der Hauß>Sorg nit außwar-ten/- dieweil er bey ihme gar wohl em-psunve/ er wäre zu den weltlichen Sa-chen nunmehr untauglich / und un-B Claus nütz/ rc. Welches als er oft/ undverlaßt Ikin ml von seiner Gemahel erforderte/war8rvcr. sie endlich überrevt/ und gab ihme/da-mit sie ihne an dem Göttlichen Beruff

nit verhinderte / Erlaubnuß seinemVornehmen nachzukommen. Dero-wegen als man zehlt nach Christi un-sers Herren Geburt 1467. im.Herbst-monat / da der Nicolaus fünfftzig /und ein halbs Jahr alt war / verliesseer sein Haußfrau / und Kinder samtaller feiner Hab/ und gieng dahin außseinem Vatterland ein Wohnung un-der dem Frembden/ und Unbekanntenzufuchen - nähme ihme für einen wei-ten Weeg / und als er auf Basel M ü-ber den Hauenstein (ist ein Berg zuLatein Iurassus genannt/ der dieEydgnoßschaffk von den Burgun-dischen damahlen absöndert) zu demStädtlein LlechtenstallBaßlet Gebietskäme/ da gedunckte ihn wie das Städt-lein / und alles was darinnen / gantzroht wäre: Ist darab erschrocken / Undbald wider von bannen aufeinen Mey-erhoff sich zu einem Bauren verfüget/deme er nach mancherley Reden seinenWillen / Und Begierd zuverstehen ge-ben. Der Baut hielt solches für gut/und gerecht/ sagt aber darbey/ erhär-te die fach nicht vernünfftiglich ange-fangen / fürnehmlich darum / daß er alsein gebohrner Eydgnoß auß der Land-schafft gienge / zu denen sonst nicht je-dermann gunst/ und Huld trüge: wärederhalbk ihm vil besser/ und rühtger insei-nem Vatterland GOtt zudienk/ daki beyden Frembden als ein flüchtiger gehal-ten zuwerden. Durch dises VaUrenRath / war nun Nicolaus bewegt / daßer seyn vorhaben veränderte/ danckerederhalben dem Bauren seiner freundli-chen Ermahnung: kehret also noch deß-selbigen Abends von bannen / und such-te ihme auf dem Feld under dem heite-ren Himmel ein Orth von den LenrheNabgesondert / für ein Herberg / darinner durch die Nacht ruhen möchte. Daverbrachte er seyn ernstliches Gebett /und Betrachtung/ erwegte auch in fei-nem Gemüth emsig / und sorgfältig /wo er doch hinaußwolte/Und entschlieffalso mit bekümmertem Hertzen. Undals er nun nicht lang gtzschlaffen hätte/umgab ihn schnell ein Heller Schein voMHimmel herab / der thät ihm fo wehe/als würd ihme seyn Leib mit einemMesser zerschnitten. Es dunckte ihnauch / er wurde an einem Seil starckheimwärts gezogen / darauß er ver-standen/ daß er wider in seyn Vattet- .land ziehen solte. Und eben an diseM N A,Orth/ und in derselben Stund hat er sei- UNen übernatürlichen Abbruch vonSpeißund Lranck angefangen. Demmach an.stund er früh auf / und kehrt seinenWeeg wider dahin / von bannen erkommen war / und gienge also einesUnabläßlichen gangs biß in das Melch-

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