z 62 Von dem seeligen Bruder Clausen /
chen Worten Molaus wohl verstün-de / so er dapfferllch überwinden wer-de mancherley Vetrübnussen? und An-fechtungen/ wurde er erlangen diehimmlische Glory/ und daselbst vilerRitterfchafft zugesellet werden. End-lich gienge unser fromme Nicolaus inseiner Güter eins (das Melchi genannt)zumähen/und arbeiten/underwegen rüffter GOtt mit grosser Innigkeit an / umdie Erkanntnuß wie er doch sein Lebenanstellen/ und GOtt Wohlgefallen möch-te/ sihe da liesse sich von dem Himmelherab ein Wolcke / auß der zu ihmesolche Wort geredt wurden: Nicolaedu einfältiger Mann / wie thust du soEinfältig? hab allein ein Auffmerckenauf den Willen - Gottes / und verlaßdich nicht auf dein eygne Ärafft / esist GOtt nichts angenehmers als eingutwilliger Dienst. Ergib dichGOtt allein/ und was er mit dir wür-cken will/ daß laß ihn würcken. DUrchdise Stimm ist nun Nicolaus in demVerstand erleuchtet/ und in dem Wil-len alles Guts / nach dem Willen/ undWohlgefallen GOttes zuvollbringenentzündet / gestärckt / und bekräjstiget/solcher Massen daß er zu derselbigenStund angefangen sein HaußhäblicheSachen/ denen er biß dahin obgelegenwar/ gantzzuverachten/ undvenHim-lischen allein nachzusetzen/ und anzu-hangen.
c-p. 6 . Dahin/ und so ferr wurde unserfromme Nicolaus durch göttliches Ein-sprechen getriben/ daß er vermeinte /die Welt wäre ihme nicht weit genugnoch länger darinn zuwohnnen. Der-halben thäte er seiner lieben Gemahel' sein Vornehmen kund / und zeigt ihran / er hätte ihme fürgesetzt die schnö-de Weltgäntzlich zuverlassen/ und fort-hin an einer füglichen statt in einer Ei-nöde GOtt allein zudienen/ und disesdem Argwohn/ und Gleißnerey abzu-tretten / und zuentfliehen ausserhalb derEyvgnoßschafft bey den frembden mitrühigemConfcientz/ und Gewissen kolk-te er bey den Leuthen länger nicht le-ben. Derhalben so wolle sie sein Ge-mahel ihren Gunst / und Urlaub dar-zu geben / und um der Liebe-GOttesWillen zu disem seinem Vornehmen helf-fen ; dann wo er schon solte bey ihrlänger bleiben / so wurde/ und könnteer doch der Hauß>Sorg nit außwar-ten/- dieweil er bey ihme gar wohl em-psunve/ er wäre zu den weltlichen Sa-chen nunmehr untauglich / und un-B Claus nütz/ rc. Welches als er oft/ undverlaßt Ikin ml von seiner Gemahel erforderte/war8rvcr. sie endlich überrevt/ und gab ihme/da-mit sie ihne an dem Göttlichen Beruff
nit verhinderte / Erlaubnuß seinemVornehmen nachzukommen. Dero-wegen als man zehlt nach Christi un-sers Herren Geburt 1467. im.Herbst-monat / da der Nicolaus fünfftzig /und ein halbs Jahr alt war / verliesseer sein Haußfrau / und Kinder samtaller feiner Hab/ und gieng dahin außseinem Vatterland ein Wohnung un-der dem Frembden/ und Unbekanntenzufuchen - nähme ihme für einen wei-ten Weeg / und als er auf Basel M ü-ber den Hauenstein (ist ein Berg zuLatein Iurassus genannt/ der dieEydgnoßschaffk von den Burgun-dischen damahlen absöndert) zu demStädtlein LlechtenstallBaßlet Gebietskäme/ da gedunckte ihn wie das Städt-lein / und alles was darinnen / gantzroht wäre: Ist darab erschrocken / Undbald wider von bannen aufeinen Mey-erhoff sich zu einem Bauren verfüget/deme er nach mancherley Reden seinenWillen / Und Begierd zuverstehen ge-ben. Der Baut hielt solches für gut/und gerecht/ sagt aber darbey/ erhär-te die fach nicht vernünfftiglich ange-fangen / fürnehmlich darum / daß er alsein gebohrner Eydgnoß auß der Land-schafft gienge / zu denen sonst nicht je-dermann gunst/ und Huld trüge: wärederhalbk ihm vil besser/ und rühtger insei-nem Vatterland GOtt zudienk/ daki beyden Frembden als ein flüchtiger gehal-ten zuwerden. Durch dises VaUrenRath / war nun Nicolaus bewegt / daßer seyn vorhaben veränderte/ danckerederhalben dem Bauren seiner freundli-chen Ermahnung: kehret also noch deß-selbigen Abends von bannen / und such-te ihme auf dem Feld under dem heite-ren Himmel ein Orth von den LenrheNabgesondert / für ein Herberg / darinner durch die Nacht ruhen möchte. Daverbrachte er seyn ernstliches Gebett /und Betrachtung/ erwegte auch in fei-nem Gemüth emsig / und sorgfältig /wo er doch hinaußwolte/Und entschlieffalso mit bekümmertem Hertzen. Undals er nun nicht lang gtzschlaffen hätte/umgab ihn schnell ein Heller Schein voMHimmel herab / der thät ihm fo wehe/als würd ihme seyn Leib mit einemMesser zerschnitten. Es dunckte ihnauch / er wurde an einem Seil starckheimwärts gezogen / darauß er ver-standen/ daß er wider in seyn Vattet- .land ziehen solte. Und eben an diseM N A,Orth/ und in derselben Stund hat er sei- UNen übernatürlichen Abbruch vonSpeißund Lranck angefangen. Demmach an.stund er früh auf / und kehrt seinenWeeg wider dahin / von bannen erkommen war / und gienge also einesUnabläßlichen gangs biß in das Melch-
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