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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Einsidler / und. Beichtiger.

khaN mein Alp / Kluster genannt'/da-selbst steckte/ und verbärge er sich hin-der ein fast dickes Dorngestäud / undwohnete under einem grossen Lerchen-bäum acht gantzer Tag / ohn qlle Speist/und Tranck/ daß es kein Mensch ge-wahr worden.

Als deine nach diser neu angehendeRitter Christi nunmehr nichts andersgedachte / dann fürohin under seinemhochgewünschten Lerchenbaum zuver-bleiben/ undzuwohnen / sihe dawarer von den Jägern / so Gewild an dem-selbigen Orth suchten / gefunden / undjeinem -leiblichen Bruder Petern vonFlüe gezeiget. Diser aber dieweil erihn hertzlich Lieb hatte / redet mit ihmvon vilen Sachen / und sonderlich er-mähnet er ihn/ daß er sich selbst mit demHunger nicht umbringen / und todtenwolte. Da antwortet Nicvlaus: Esbedvrffte der Sorg nicht / dieweil er bißDato dardurch kommen wäre. Jedochdamit er nicht angesehen wurde / alsrvolre er GOtt versuchen / liesse erheimlich einen frommen / und Gotts-svrchtiqcn Priester mit Nahmen OswaldJsner g)falcherr zu Kerns zu sich be-ruften. Disem vertrauet/ und er-öffnet er das Geheimnuß/ nehmlichdaß er nun biß an den eylssten Tag oh-ne alle Beschwörung des Hungers /Und Dursts/ ja gantz ohne alle leibli-che Nahrung durch die Gnad GOttesVerharret hätte. Derhalben be-gehrt er deß Priesters getreuen Rath/was er forthin thun. solls. DerPriester verwundert sich ab diser neu-en Sach / sienge an dem Nicolao seineHänd / und Fuß allenthalben zubegreif-fen/ und fein Angesicht eygentlich zu-beschauen / daran fand/ und sahe er«inenbleichen Mund/ dünne Backen/dürr zerschrundene Lefftzen/und den Leibso gar außgemärglet/ daß nichts bannHaut / und Bein da war. So er-kannte der Priester auch / daß solcherAbbruch auß Göttlicher Disposition /und Würckung/ und keiner eytelenEhr herkäme. Derhalben ermahne-' ie er den seeligen Mann/ daß er GOtt;u einem Gehilffen nehme / und sich insolchem Abbruch noch länger probierte/welches auch der S- Bruder Claus mitstarckem Gemüth gethan hat/ undfür-hin biß an sein End/ nehmlich zwan-tzigt halb Jahr also verharret/ daß erweder essen/noch trincken/noch leiblicheNahrung gebraucht hat. Und dar-neben nichts destoweniger allweg ge-sund/ ftjsch / wohlklingend/ und Leb-haft gewesen/ und verbliben. Wel-ches wahrlich ein besondere / selhame /unerhörte Gnad GOttes zu Visen lct-Innrer, Die Schweirz,

sten Zeiten gewesen. Nun hätte a-ber gedachtes Orth in dem Melchthall/da Bruder Claus die gemelten8. Tagverhüttete / von Holtzhäckern / undWerckleuthen einen stätren Zugang /hon welchen er vfftrrmahlen besucht /und beschwärt war. Deßwegen fien- D Cla^ge er in disem Thall ein wildere /weitere/ und abwegigere Statt/ und «>>»«.Einöde zusuchen. Als er aber nunlang vil rauchet Nedenthäller/ Gru-ben/ und Thäliern durchwandlet/ sa-he er entlich vier heitere Schein / gleichals brenende Kertzen/ von Himmel sichherablassen/ mein Tobel/ oder run-des Thal! / so man nennt in demRanfft/ rc. durch welches Gesicht tl>-mezu erkennen geben war/ daß dijeSOertlein seyn bequemliche Wohnungsein / und daß er forthin bannn sichGOtt zu Lob auffenthallen iolte. Esist aber die Einöde Ranstt der under-ste Theil des vil gedachten Melchchals/zwischen Kerns/ und Sachslen 2. Pfarr-kirchen am mittägigen Alpgebürg ge-legen / ein treffes Bachrvbel / denWelt-Kindern unfreundlich/ mit wil-den Bäumen / und Gestäud (so we-gen feuchte der Bergen nicht wohl auß-zureuten ) fast um / und um bewachsen/welches auch von dem fürfinssendenWasser ( die Melch genannt) mn rau-schen / und getöß erfiUlet wird. Daßalso der Ranfft ein Thall der Zäheren/und Orth der Büß gleichsam natürlichfür Augen stellet.

"Auf solche himmlische Ossenbah-rungkame B. Claus in den Ranfft/hübe allda an mit Hilft der Nachbau-ten ein höltzin Hänßlein zubauen / inwelchem als er schier ein Jahr lang ge-wöhnet/ war er bekannt seinen Freun-den/ und LandsleNthen/ welche wohlbefunden / baß sein Wessen / Und Wan-del nicht wäre ein Gleißncrey/ unddaß in ihme nicht ein unnützer/ undfantastischer Geist/ oder Schein wür-ckete / sonder ein wahrer göttlicherZwang/ und Eyffer. Derhalben ha-ben die guten Leuch ünbcschwärt sichvereiniget / disem Diener Gottes mitgemeinem Kosten ein Capes! (die inder länge 28. und in der breite 18.Schuh hätte) zubauen / nehmlich Gottzu Lob / und ru Ehren der reinen Jung-frauen Maria. Über das haben sidauch aN dem Rost/ und forderen Theilder Capellen ein neues Häuflein/oderWohnung darzu gebauet zu Lieb ihreslieben Landmanns/ daraus er in dieCapell möcht sehen / und wandlen / alsnian noch beyde heutiges tags sehenMag. Da nun solcher Bau vollbrachtwär/.haben sie ihnFenselben B. Clan-

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