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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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446 Vorn dem Gottseeligen Petrs Canisio/

Studenten ermahnete er daß sie latei-nische Orationes von den Tugendenhielten / mitdemgemetnen Volck bette-te er nach der Predig öffentlich für denPabst/ Käyser/ Landsfürsten/ Auß-reutung der Ketzereyen/ und Zuneh-mung des Christlichen CachollschenGlauben. Disem Eyffer könnte derTrüffel nicht wohl erleyden/ darum ereinen weltlichen Prediger anstifftete /daß er den Canisium öffentlich auf derCantzel solte schelten/ und antasten /daß lribe diser Prediger so lang/ bißihme solches die universitet verbotte /und die Bürger ihme in sein Hauß fie-len/ und daselbig verstörten. DieGefangnen / und Krancken besuchte /und tröstete er fleißig/ und die Feind/und Zwyträchtige vereinigte er freund-lich.

L«?- s- Als P. Canisius von Meßina genRom berußen worden/ ehe er in dasLeutschland verreiset thäte er Anno1549. fein Profeßion der vier Gelüb-den/ zu Rom an unser lieben FrauenGeburtstag Abend. Darnach indem herauß ziehen/ war er zu Mono-men zu einem Doctorder Heil. Schrifftan St. Francisci»Tag erkläret/ zuJngolstatt war er zu dem Rector Uni-versilatiS / und hernach zu dem Vice-Cantzler erwöhlet/ welche Aembter ermit grossem Ruhm verwaltete/ unddewselbigen mit Nutz nachkäme. Da-rauffbcgehrten underschldliche Vischöff/Fürsten / und Städt den Camjium zuResormierung ihrer Kirchen/ aber ermüßte im Jahr 155z. gen Wien inOesterreich/ auf das begehren des Kö-nigs Ferdinandi ziehen/ dem neuenCollegio abzuwarten. Da er sichauch eyfferig mit lehren in den Schu-len / mit Predigen / Beichthören /Arancken/ und Betrübten heimzusu-chen/ und trösten/ erzeigte. Zu Wienschribe er das nützliche/ und Christli-che Büchlein/ daß man nennt den Ca-techismum. Under diser Zeit ist Hr.FridericusNausea/ VischoffzuWien/und Königlicher Hoffprediger todts ver-schieden / dannenhero dem Canisio über-mahl ein neue Arbeit auf den Hals ge-'wachsen/ m deme ihn der König Fer-dinand zu seinem Prediger angenom-men, und geschahe vilmahlen daß er zuHoff auf ein Weiß/ und in der Stadtaufein andere Weiß in einer stund pre-digen müßte. Bey dem verblibe esnoch nicht/ dann aus Bitt etlichervornehmer Herren wolle der König denCanisium aus den Bischöfflicheo Stuhlzu Wien setzen/ welches der P. Pe-trus 6. Jahr lang abschlüge/ und auf-zöge / ehe er sich gäntzlich davon schwin-

gen möchte. Dise angeträgne Ehrmachte dem frommen Mann vrl Kum-mer/und Gedanckcn / derhalben erauch oft hat gen Rom müssen schreiben/damit der H. Ignatius nicht dareinbewilligte. Je weniger aber diserscharpffsinnige / und doch sehr demüthig/und bescheidne Mann ihm selbst mißfal-len/ je mehr hat er andern gefallen.

Zu Wien war er in der Universitet zueinem Decano erwählet/ müßte auchauß dem Collegio in das Ertzhertzog-liche Collcgium ziehen/ da er doch nichtlang verblibe/ weil er mehr Nutz schaff-te bey den Seinigen. Es war aberzu diser Zeit also ein elender Stand inWien / und Oesterreichischen Erblän-dern wegen der eingeriffnen Ketzerey-en / und alten Lastern / so in demschwang gierigen/ baß mandarsürhiel-te/ die Catholische-Religion wurdemit dem König Ferdinands absterben.

Aber durch Canisium/ und andere Je-suiter / auch Bischoffen Urbanum zuLabach war sie erhalten / darzu halstevrl die aufgerichte Convict zu Wien /darinn die Jugend andächtig/ undGottsförchtig erzogen/ die hernachfromme/ und eyfferige Seelsorger wur-den. Die Ungläubigen waren demfrommen Canisio dermaßen Feind/ daßsie ihn den Oesterreichischen Hund narr-ten / und zwar nir gar unbillich / danner em rechter Hund war in der Herd-Gottes / und Christlichen Ktrchen/Hiel-te fleißige Wacht mit seiner Lehr/undbisse die Wölff dapffer hindann mit sei-nen scharpffsinnigen Predigen. ImJahr 1554. schickte Petrus CanisiuSseinen leiblichen Bruder Vatterhalbgen Rom in das Novitiat der Socie-tet JEsu / er aber war von dem Kö-nig Ferdinands gen Prag geschickt/daßer daselbst ein Collegeium aufrichtensolte; von bannen würd er von Her-tzog Albrecht in Bäyern beruffen/ demCollegio zu Jngolstatt den Anfang zumachen/ und die grunvveste zulegen.

Als nun in dem Teutschland die er,- ^Societet JEsu z. Collegia/ oder Häu-ser bekommen/ eins zu Prag/ das 2.zu Wien/ und das z. zu Jngolstattin Bäyern/ setzte der H. Ignatius dengesagten Canisium über dise Häuserzum Provincial. Darauf zöge ermit dem König Ferdinando auf denReichstag gen Regenspurg/ von ban-nen auf das Colloquium mit den Pro-testierenden. gen Worms. Hernachverrichtete er die dritte Reiß gen Romeinen neuen Generalen zuerwvhlen/die-weil der H. Vatter Ignatius Anno1556-.den letsten Heumonat in GOttseeliglich verschiden. Wetters war

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