472 Von dem GOKseel. Petro Canisio / der S. JEsu Priestern.
Massen daß er oft den gantzen Tag zuBeth ligen müssen/ andere mahl aber/wann er etwas verrichten wolt/ denAthem schwerlich erholen könnte/ warauch alle Mittel/ und Artzney umsonst.Derowegen sein Haußfrau/ außschul-digem Mitleyden/ sich zu des VattersCanisii ( den sie gleich nach seinem Ab-lecken zu ihrem Patronen in dem Him-mel erkiestet) Grab verfüget/ und all-da auf den Knyen/ um Fürbitt beyGOtt / um ihres Manns Gesundheitgebetten. Als sie aber gleich von demGebett/ und Grab widerum zu Haußgangen/ ist ihr der Herr ihr Ehemannmit grossen Freuden begegnet/ und ihrangezeigt der Schmertzen seye gestillet/der Athem ringer worden/ und seyenunmehr aller Dingen gesund.
7. Ein ehrliche Matron tage nun-mehr zween Tag in den Kindsnöthenmit äusserster Gefahr der Mutter/unddeß Kinds. Als ihr aber des seel.Canisij Rosenkrantz/ oder Paternostergebracht worden/ und sie denselbigengeküsset/ und an den Hals gehenckt /hat sie gesagtrGOtt seye gelobet/ ichbefinde des Kinds/ so ich zuvor fürabgestorben gehalten/ hat bald hernachein frisches gesundes Kindlein mitfreu-den auf die Welt gebracht. Von der-selbigen Zeit an / pflegten die gebaren»de Frauen/ dises Pater noster offter-mals mit grossem Vertrauen zubegeh-ren/ die dann augenscheinliche Hilffbefunden.
8. Ein junge Frau hat sich elnS-mahls/ nach Ablecken ihres Manns /gantz/ und gar der Andacht ergeben /und.mit Erlaubnuß des Canisij ihresBeichtvatters/ ein Gelübdder ewigenKeuschheit gethan. Nach Ableibungihres geistlichen Vatters / und Lehr-meisters aber/ ist ihr von underschidli-chen orthen nachgestellt / und zu derEhe begehrt worden. Welche Ver-suchung sie einmahl/ zwey / oder öfter/durch Erinnerung des Gelübds dapfferüberwunden. Endlich aber nach man-cherley Anhaltungen hat sie angefan-gen Wanckelmüthig zu werden/ undüber die mästen schwere Gedancken zu-bekommen/ biß ihr (als sie kein Ruhefinden können ) in den Sinn kommen/daß sie zu ihrem alten Beichtvatter ihrZuflucht nehmen solte. So bald sieaber zu seinem Grab kommen/ undzu-betten angefangen/ ist sie in ihrem al-
ten Vornehmen / und Gelübd wun-derbarlicher Weiß besichtiget / und alleUnruhe der verführischen Gedancken ge-stillet worden. Eben dise ist auchan einer Kranckheit darvon ihr kein Är,tzet helffen könnte/ und von Todts,Gefahr/ als ihr einsmals ein Bein,lein under dem Essen / da sie allein ge-wesen/ dermassen im Hals besteckenbliben/ daß sie vermeinte sie müßteversticken/ wunderbarlich durch Anruf-ung des seel. Canisij genäsen.
y. Im Jahr Christi »612. als ei-ner Edlen Frauen Beremannin Dienst-magd sich mit der Pestilentz behafft be-funden/ hat sie ihr Nebenmagd gebet-ten/ daß sie ihr ein Beichtvatter holenwolte/ weil aber dieselbige besorgte /wann es lautbar wurde / möchte mandas Haus als vergifft sperren / hat siees nicht thun wöllen. Der Krancken/als sie lang versehentlich gewartet/höch-ste Noth wäre/ sie mochte ohn Berchtsterben. Als sie nun in solchen Ge-dancken läge / käme ihr in den Sinn /wie daß bey St. Niclaus ein frommerVatter begraben läge (besten Nahmensie sich nicht könnte erinnern) welchendie Bürger/ so sie in Nöthen/ undGefahren seynd / anzurüsten pflegen.Thäte derowegen ein Gelübd / wann sieso lang Lebte / biß sie zubeichten kommkollte/wolle sie zu desselbigö Grab gehen/und allda ihr Gebett aufopstern/ da-rauf ist von Stund an das Kopff/undBrustwehegestilt worden/ unddiegiff-tige Beulen verschwunden/ bald da-rauf stunde sie von dem Beth auf/kä-me zu ihren Mitgespilen/ und warteteneben ihnen ihrer Arbeit ab. Sievergaste aber bald ihres Gelübds / jasie sienge auch an zuzweiflen/ ob ihrdurch die Verdienst des seel. Canisiiseye geholffen worden. Derhalbendie StraffGottes auch nicht lang auß-gebliben / sonder die Beulen in einemAugenblick widerum entstanden / darabsie erschrocken/ von der Arbeit zu desS. Canisij Grab gelösten/ und ihnemit grossem flehen / und bitten umHilff angeruffen. Und ist also Got-tes Barmhertzigkeit gegen seinem ge-treuen Diener/ und der jenigen die ihüum Hilff angerüfft/ so groß gewesen /daß ihr die Beulen zum andernmahlalsbald verschwunden. Also eh-ret Gott die jenigen so ihngeehrt haben.