456 Von dem Gottsceligen Nicolao Rusca /
der fromme Mann aber blibe standhafft/und in seinen grossen Schmertzen gedul-tig. Da nun die Zeit deß Nachtmahlswiderum herzu nähere / liessen die Rich-ter zum fressen / und sauffen nach ihrerGewohnheit / und hatten ihr Kurtz-weil mit Schanden / underweilen aberliesse je einer/ bald ein anderer/ in denKercker / zusehen was ihr Gefangnerbekennet hätte / den sie also hangendgelassen / mit einem Schreiber / undzweyen Richtern / damit so der from-me Herr etwas redte / verzeichnet wur-de. Endlich nach langem wurde unserErtzpriester / aus Bitt etlicher (gleich-wohl Uucatholischen /, dann sie besorg-ten er möchte an dem Folterseil sterben)herab gelassen / mit wenig/Wein/undWasser gelabet / und auf das Strohgelegt.
c-?. L Wie nun die Richter mit essen /trincken / und Buberey das Nachtes-sen verzehret / kamen sie spat in derNacht widerum in die Gesängnuß /zwungen den Nachricht« / und halstenthme den Ertzpriester widerum an dasFolterseil binden / und aufzuziehen /sprachen ihme mit Schmachworten zu /er solte sein Verrätherey offenbahren /und die Brieff für sein eygne Hand er-kennen. Andere aber sprachen: Schau-et zu / wie diser Meß-Pfafi seinenBrodt HErrgott aufhebet / wie ist er sostill / er wird gewißlich das Memento/den Canonem/und stille Meß sprechen;wie stehet ihme sein Meßgewand sowohl an. Item sie fragten ihn auchwie oft er Unzucht mit den Weiberngetriben/ und andere Buberey began-gen hätte. Andere schwächten / undlästerten den Pabst/ Vischöft/ Geist-liche / und fürnehmlich die Jesuit« /damit sie den frommen Ertzpriester nurgenug peynigen / und plagen möchten.Andere giengen hinzu / zogen / und er-schütteren/ Auerweckussg eines grösse-ren Schmertzens / das Folterseil; unddises wehre« biß weit in die Nacht.Den andern Morgen frühe fiengen siewiderum an / biß auf den Mittag denErtzpriester zu foltern / und nach demEssen / als sie voll/ und doll widerumin den K'ercker kommen / trutzte / unddräuete ihme der Peter Janetus /so der sürnehmst und« ihnen / undder Cantzler war / wann er sich nichtschuldig erkennen wolte / müßte er grös-sere Marter / und Pein mit ihme vor-nehmen / als nehmlich: « wölle ihmegrosse Stein an seine Füß hencken/ undseine Seiten mit brennenden Facklenmarteren. Darauf der seelige Märty-rer fröhlich den Janetum gebetten / daßer / was er jetzt reden werde / fleißig
wolle verzeichnen/ und spräche: schrei-be daß ich gäntzlich unschuldig seye/unvvon aller Verrätherey / und Argwohn/darum ich jetzt biß auf den Todt gepey-niget werd/ frey/und ledig/ und wirdGOtt mein Unschuld bezeugen / und oftfenbühren vor seinem Göttlichen Rich-terstuhl. Weil aber seiner GöttlichenAllmacht also gefallet/ daß ich um deßCathvlischen Glaubens willen / meinBlut / und Leben dargeben solle / sogeschicht solches von mir mit guten Wil-len ; und verzeyhe euch um ChristlicherLiebe willen/alle Peyn/ und Marter/die ihr an mir geübet habet / und bit-te auch GHtt aus, gründ meines Her-tzens/ daß ichauch das erlangen möge;
Weil aber der Janetus dise Wortnicht verzeichnen wolle / widerholieteder seelige Ertzpriester solche mit stanv-hafftem Gemüth. Ab diser Red er-grimmeten die Richter noch hefftiger /flößten/ zogen/ verlachten / verspeye-ten / verfchuttltten den seeligen Mär-tyrer noch mehr als zuvor / und balddarauf eyleten sie ihrer Schlemmereydem Nachtessen zu / und verliessen alsoden frommen Mann an der Folter han-gend.
Als nun unser seelige Nicolaus jetzt c-,?. ^zween Tag / und ein Nacht dise schwe-re Marter/ und Folterung mit höchst«
Gedult um Christi JEsu seines See-ligmachers Glory / der CathvlischenKirchen / und Glaubens willen / undseiner Seelen Heyl zutrost / erlitten /und ausgestanden; auch allezeit sichGOtt seiner geliebten Mutter Martä /mit andächtigem Gebert / und Seuftzenbefohlen/ ja daß noch mehr/ den schmertz-lichen Lodt um seines Heil. Nahmenswillen zuleyden / und auszustehen wil-lens wäre/ befähle er sich desto fleißi-ger Visen Abend seiner Göttlichen Ma-jestät / und allen Heiligen / und Aus-ftrrvohlten GOttes/ dieweil er an demFolterseil hangent mit schweren Stei-nen an den Füssen beschwert / vermerck-tt/ daß seine Äräfsten/ Aderen/ undGlider starck abnehmen / und sterben/fiele « von der Folterung auf die Er-den / dann das Folterseil von dem vi-len umtreiben von ein« feiten zu der an-dern war aussgeloffen / und ausetnanvetgangen/ und von deß grossen Lastswe-gen/ theils von deß wohlbeleibten Ertz-priesters / theils auch von schwere derSteinen / zersprungen / und der seeligeNicolaus von der Folter herunder ge-fallen / daß ihme etliche Adern zersprun-gen / Und das Blut zum Mund / undNasen heraus flusse. Ab disem Fallwaren die gegenwärtige / sonderlich a-b« der Nachricht« hart erschrocken /
lieft