Buch 
Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Priester/ und Märtyrer.

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Neffe hinzu / und zöge den unschuldigenMann in das Stroh / fasse zu ihme ni-der / weinet« aus Mitleyden/ und wirMete ihme mit einem RaßtüchlemdasBlut von dem Mund / und Nasen.Hierzwischen kommt das Geschrey fürdie unbarMhertzige Richter über denTisch daß der Ertzpriester von der Fol-ter gefallen wäre/ da liessen sie alle inden Kercker / fanden den frommen Hex-ten voller BINt auf der Erden ligen /und den Nachrichter mit weinenden Au-en das Blut von dem Mund / undvonerNaftn wischen; Aber die Richter/dieschon voll/ und voll waren / und son-derlich Johann von Pvrca von Zizers/straffte den Hencker mit groben Wor-ten / und befähle eylends den fteligenMärtyrer widerum an das Folterseilaufzuziehen; Dieweil aber der Ertzprie-ster nicht mehr stehen noch gehen koftte/halsten sie dem Hencker das Seil wide-tum zukamen knüpften/ den alten Herrenanbinden / und nicht ohne grossen / undneuen Schmcrtzen feines blöden / undkr«ncken Leibs an der Folter aufziehen.Wie nun unser Märtyrer widerum infeiner Martbr hiengt / und die gefreßi-ge Rrchter zu ihrem Nachtmahl gelof-fen/vermerckte unser feeltge Ertzpriesterwohl daß sein Sterbstündlein herzu nä-hrte / hak sich derowegen mit allemFleiß darzubereitet/ und öffentlich sol-che Wort gesprochen: O HEn JEsuChriste / du weist / daß mir von gründmeines Hertzens lepd ist/ daß ich dichso vilmahl mit meinen Sünden durchmein gantzes Leben beleydiget habe /wolle auch gern zu diser letsteu Stundmeines Lebens mit grossem Leyd einemPriester beichten / wann ich nur einen' solchen haben möchte / und das hoch-heiligste Sacrament deines wahrenLeibs / und Bluts / mit höchster De-muth empfangen; weil es aber nichtfein kan / nimme L) barmhertzigster /und gnädigster Heyland meinen geneig-ten Willen für das Merck. Auch bit-te ich dich inniglich / O HErr JEsu /daß du allen denen / die mich mitNeyd / und Haß biß in den Todtverfolget haben / ihre Mißhandlung /und Sünden verzeyhen/ und verge-ben wollest. Darauf hielt er sich einwenig still / als läge er in einer Ohn-macht/ hernach befähle er G-Ott demAllmächtigen das gantzeBünvtnerlanv/damit er die Catholischen gnädiglich er-halten/ und mehren / die Widersächeraber zu Erkandtnuß ihrer Sünden brin-gen wölle. Er hat auch die glorwür»digste Mutter/ und allzeit JungfrauenMariam/ den heiligen Nicolaum / dieRhätische Heilige Patronen / und denErtz- Engel St. Michael mehrmahlen

grgrüsset/ und ängeruffen; JEsu/undMariä die höchste heiligste Nahmen an-dächtiglich gesprochen/ und oft wider-hollet. Darauffer seine Augen beschlös-se/ und seinen Geist in die Händ seinesHeylands Übergabe. Den andern Tagin dem Herbstmonat um Mitternacht/oder den 2z. Tag Augstmonat / altenKalenders / in dem 1618. Jahr Chri,sti. Dises sanfften / und heiligenTodts könnten sich die beywesenve /undderNachrichter nicht genugsam ver-wundern/ und der Zäheren/ wegen dertröstlichen Reden/ so er in seinemSterbstündlein gethan/ enthalten.

Als nun der Seelige Nicolaus ge-störben/ und die Mähre über der Rich-ter Tisch käme/laufften sie zudem erstendem Kercker zu/und sonderlich wolleJo-bann vonPorca nicht glauben/daß er ge-storben wäre / sonder stiesse/und trarttden todten Leib mit Füssen/ so von demFolterseil herunder gelassen/ auf demStroh läge., Der befähle bald den see-ligen Nicolaum noch einmahl an dasFolterseil zuhencken / damit er rechtmöchte erfahren ob er Todt wäre. AIser nun gesehen daß er gestorben / straf-te er den Hencker mit groben Motten/als hätte er ihme Nicolao mit Gisstvergeben. Andere Richter aber entschul-digten den Hencker / und sagten: daßes kein wunder wäre / daß er gestor-ben / weil er schwär von Leib / daSAlter hoch / und die zweytägige Folte-rung nicht Menschlich / sonder Tyran-nisch gewesen. ES bekenneten aber alle /0 wohl Catholische alsUncatholische die>ey feinem Tool gewesen/ daß er vttschöner/ und glantzender geschinen/al-lemahl zu seinen Lebzeiten, darum kön-ten vil nicht glauben / daß er gestorbenwäre/ und gierige auch ein übernatür-licher Geruch auß ihme/ der zihmlichlang wehrete. In derselbigen Nachtsahe man auch ob dem Kercker klare/und heitere Liechter/ die zogen sich indie hohe wie Marmorsäul / und ver-schwanden. An dem Morgen den drit-ten Herbstmonat kamen die Richterwiderum zusamen / den todten Leichnamwiderum zuverürtheils/und zubegraben.Der Prediranten einhellige Stimrvar,daß man den Ertzpriester / als einLandsvettäther/ und Unheil stisster /under den Galgen vergraben solle / dieweltliche Uncatholische Richter warengleich darwider / und sagten : daß essich nicht gebühre/ mit einem Geistli-chen/ und der in solcher grossen Mar-ter nichts bekennet : auch nicht über-wisen worden/ also zuverfahren/ aberdie Prediranten hatten den Vorzug.Und nach verlesenem Urtheil/darinn sie

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