Priester/ und Märtyrer.
455
Neffe hinzu / und zöge den unschuldigenMann in das Stroh / fasse zu ihme ni-der / weinet« aus Mitleyden/ und wirMete ihme mit einem RaßtüchlemdasBlut von dem Mund / und Nasen.Hierzwischen kommt das Geschrey fürdie unbarMhertzige Richter über denTisch daß der Ertzpriester von der Fol-ter gefallen wäre/ da liessen sie alle inden Kercker / fanden den frommen Hex-ten voller BINt auf der Erden ligen /und den Nachrichter mit weinenden Au-en das Blut von dem Mund / undvonerNaftn wischen; Aber die Richter/dieschon voll/ und voll waren / und son-derlich Johann von Pvrca von Zizers/straffte den Hencker mit groben Wor-ten / und befähle eylends den fteligenMärtyrer widerum an das Folterseilaufzuziehen; Dieweil aber der Ertzprie-ster nicht mehr stehen noch gehen koftte/halsten sie dem Hencker das Seil wide-tum zukamen knüpften/ den alten Herrenanbinden / und nicht ohne grossen / undneuen Schmcrtzen feines blöden / undkr«ncken Leibs an der Folter aufziehen.Wie nun unser Märtyrer widerum infeiner Martbr hiengt / und die gefreßi-ge Rrchter zu ihrem Nachtmahl gelof-fen/vermerckte unser feeltge Ertzpriesterwohl daß sein Sterbstündlein herzu nä-hrte / hak sich derowegen mit allemFleiß darzubereitet/ und öffentlich sol-che Wort gesprochen: O HEn JEsuChriste / du weist / daß mir von gründmeines Hertzens lepd ist/ daß ich dichso vilmahl mit meinen Sünden durchmein gantzes Leben beleydiget habe /wolle auch gern zu diser letsteu Stundmeines Lebens mit grossem Leyd einemPriester beichten / wann ich nur einen' solchen haben möchte / und das hoch-heiligste Sacrament deines wahrenLeibs / und Bluts / mit höchster De-muth empfangen; weil es aber nichtfein kan / nimme L) barmhertzigster /und gnädigster Heyland meinen geneig-ten Willen für das Merck. Auch bit-te ich dich inniglich / O HErr JEsu /daß du allen denen / die mich mitNeyd / und Haß biß in den Todtverfolget haben / ihre Mißhandlung /und Sünden verzeyhen/ und verge-ben wollest. Darauf hielt er sich einwenig still / als läge er in einer Ohn-macht/ hernach befähle er G-Ott demAllmächtigen das gantzeBünvtnerlanv/damit er die Catholischen gnädiglich er-halten/ und mehren / die Widersächeraber zu Erkandtnuß ihrer Sünden brin-gen wölle. Er hat auch die glorwür»digste Mutter/ und allzeit JungfrauenMariam/ den heiligen Nicolaum / dieRhätische Heilige Patronen / und denErtz- Engel St. Michael mehrmahlen
grgrüsset/ und ängeruffen; JEsu/undMariä die höchste heiligste Nahmen an-dächtiglich gesprochen/ und oft wider-hollet. Darauffer seine Augen beschlös-se/ und seinen Geist in die Händ seinesHeylands Übergabe. Den andern Tagin dem Herbstmonat um Mitternacht/oder den 2z. Tag Augstmonat / altenKalenders / in dem 1618. Jahr Chri,sti. Dises sanfften / und heiligenTodts könnten sich die beywesenve /undderNachrichter nicht genugsam ver-wundern/ und der Zäheren/ wegen dertröstlichen Reden/ so er in seinemSterbstündlein gethan/ enthalten.
Als nun der Seelige Nicolaus ge-störben/ und die Mähre über der Rich-ter Tisch käme/laufften sie zudem erstendem Kercker zu/und sonderlich wolleJo-bann vonPorca nicht glauben/daß er ge-storben wäre / sonder stiesse/und trarttden todten Leib mit Füssen/ so von demFolterseil herunder gelassen/ auf demStroh läge., Der befähle bald den see-ligen Nicolaum noch einmahl an dasFolterseil zuhencken / damit er rechtmöchte erfahren ob er Todt wäre. AIser nun gesehen daß er gestorben / straf-te er den Hencker mit groben Motten/als hätte er ihme Nicolao mit Gisstvergeben. Andere Richter aber entschul-digten den Hencker / und sagten: daßes kein wunder wäre / daß er gestor-ben / weil er schwär von Leib / daSAlter hoch / und die zweytägige Folte-rung nicht Menschlich / sonder Tyran-nisch gewesen. ES bekenneten aber alle /0 wohl Catholische alsUncatholische die>ey feinem Tool gewesen/ daß er vttschöner/ und glantzender geschinen/al-lemahl zu seinen Lebzeiten, darum kön-ten vil nicht glauben / daß er gestorbenwäre/ und gierige auch ein übernatür-licher Geruch auß ihme/ der zihmlichlang wehrete. In derselbigen Nachtsahe man auch ob dem Kercker klare/und heitere Liechter/ die zogen sich indie hohe wie Marmorsäul / und ver-schwanden. An dem Morgen den drit-ten Herbstmonat kamen die Richterwiderum zusamen / den todten Leichnamwiderum zuverürtheils/und zubegraben.Der Prediranten einhellige Stimrvar,daß man den Ertzpriester / als einLandsvettäther/ und Unheil stisster /under den Galgen vergraben solle / dieweltliche Uncatholische Richter warengleich darwider / und sagten : daß essich nicht gebühre/ mit einem Geistli-chen/ und der in solcher grossen Mar-ter nichts bekennet : auch nicht über-wisen worden/ also zuverfahren/ aberdie Prediranten hatten den Vorzug.Und nach verlesenem Urtheil/darinn sie
ihme
*
c-?.»