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458 Von dem Gottseeligen Nicolao Rusca/ Priester / und Mark.
jhim einen Mörder/ Verrather/ Un-glücksstiffrer / und den ärgsten Men-schen dcsi Erdbodens nenneten / ist erden 4 Herbstmonat / ohn alle Ehr sei,ner Priesterlichen Kleidern beraubt /auf ein svchleiffen gebunden/ mit gros-sem geschrey / und gelächter durch denFl ecken Lhusis zu dem Galgen geführt/allda zwischen dem Galgen/ und dengeradbrochnen armen Menschen/ in einwüste Gruben gemorsten/ und mit Stei-nen/ und Erden bedeckt worden. Dergünstige Leser wolle den in dem Anfangcitierten Auctorem Richardum vonRufconera sechsten lesen/ darinnereinmehreren Bericht wird finden.
c,p y. Was für ein Mitleyden / Weinen/und Erbärmnuß die von Sonders/unddie von Thusis gehabt mit dem seeligenErtzpriester/ daß er so unschuldigerWeiß gefangen/ und gepeyniget/ jetztaber nach seinem Todt / und Marterso schwächlich zu dem Galgen geschleifft/und vergraben worden/ müssen die Bergund Stein bekennen. Also daß ihr vil/so wohl Catholische/ als Uncatholische/seyn auffrechtes unschuldiges Leben /Sanfftmüthigkeit/ und Keuschheit höch-lich gelobt/ und geprisen/ die Richteraber wegen ihrer Lvranney / geschol-ten / und verfluchet. Es bekandtenauch ihrer vil / daß GOtt deß unschul-digen Ertzpriesters Todt nicht wurdeohngerochen lassen/ sonder einen Theil/wo nicht gantz Bündten/ darum straf-fen / und war die Straff vor der Thür;dann diser Nacht der schöne FleckenPlurs / ein Lustgarten der Graubünd-ten/ und Zierd deßFeldieins/ mithe-runder reissendemBeras gemalt/ Stein/und Erden also bedeckt worden/daßesnicht mehr zusehen / wo der Flecken ge-standen / darin» auch vil hundert Men-schen/Viehe/ Gelt/und Gutzugrund
gangen. Als nun die tyrannische Rich-ter sich an dem seeligen Ertzpriesterwohl gerochen / und seinem Nahmenauß der Menschen Geda'chtnus geneh-men / und außgetilget zu haben ver-meinten / da hat GOtt der Allmächtigihne angefangen mehr/ und mehrzuer-höhen / anzuzeigen wie köstlich seynTodt/ und Marter vor seinem Gött-lichen Angesicht wäre. Dann der über-natürliche liebliche Geruch blibe nachseinem Todt/ noch etwas Zeits in dergrausamen Gefängnus/ und sahe manüber seinem Grab zu Nacht überna-türliche/und scheinbahre Liechter/ wel-che die Predicanten gern vernichten wol-len / da sie sprachen : daß dife Liechternur feuchtigkeiten der Erd en waren/ sogemeiniglich bey den hohen Gerichternsich zuerzeigen pflegen. Der grosseNeyd / und Haß aber hatte dise Pre-dicanten so witzig gemacht/ daß sie an-der den Himmelischen Liechtern / undder Erden Feuchtigkeit keinen besserenUnderscheid sehen/ und erdrücken könn-ten.
Durch Anrührung der Kleider deßseeligen Nicolai ist einer von dem stechender Seiten / und grossen Schmertzenerlediget worden.
So ist underschidlichen Weibs-Per-sohnen in Kindsnöthen durch Überle-gung seiner heiligen Kleidern / geholf-en worden / daß sie ein glückfeelige Ge-burt / und lebendige Kinder erlangethaben.
Ja auch einer so schon in Todtsnö-rhen läge/ begehrte ein stuck von denKleidern deß St. Nicolai/ welcherdurch Anrührung derselben/ seyn ge-wünschte Gesundheit er-langet hat.