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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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470 Von dem Gottseeligen Fidele/

nuna beygefallen / und den von derRömischen Kirch gesetzten Articul desFcgfturs gar gern zugestanden. Wo-hin er auch immer das Wort GOttesvorzutragen befelchet worden/ hat erjederzeit / und alier Orten solchen Nu-tzen geschafft / daß durch ihne gleichsamUnzahlbare Menschen zur Lebens Bes-serung/ vike grosse Sünder/ beedenGeschlechts / zur ernstlichen Buß-Wür-ckung/ und nicht weniger Uncatholischezur wahren Kirchen beredet worden.Es ist aber kein Wunder gewesen/daßfeine Predigen solche Folgungen/ undArte Würckungen gestifftet. Seite-wahlen drser seel. Diener GOttes nie-Mahlen die Cantzel bestigen/ er habedann zuvor eine gantze Stund vor ei-nem Crucifix eyfrigist bettend sein Hertzerwärmet/ und in Erinnerung des bit-teren Leydens Christi seinen Leibscharpff gegeißlet. Nach der PredigWare an statt pflegender Ruhe/ seinerstes Geschafft sich vor dem Altar rü-der zu werffen / das HochwürdigisteGuth anzubellen / und mit ianmüthi-gen Seufftzen von der Göttlichen Ma-jestät fernere Gnaden-Hülff auszu-bringen. Die überige Zeit so wohlbey Tag/ als bey Nacht/ widmete ermeistentheils denen innerliche Betrach-tungen / und Gemüths - Erhebungen/also/ daß seine Predigen nichts anderswaren/ als Austruckungender jenigenSinnen/ undGedancken/ die er durchlanges Gespräch in seinem Hertzen mitGOlt ausgetragen.

Wie das Wohlverhalten der Under-gebenen in einem Geistlichen Orden dieBeförderung zu höheren Aembterennach sich ziehet; also haben die vortreff-liche Tugenden / deren Glantz / undRuft ihren Besitzer P. Fidelem allerEhren würdig vorgestellet / seine Obrig-keit verursachet ihme / unangesehen erkaum 6. Jahr in dem Orden erfüllet /daß ihme ein Convent anvertrauet wor-den/ von welcher Promotion sich avs-zuschraufen er zwar alles vorgewendet.Allein die Demuth wüste der Gehorsameweichen. Indem angetrettenen Huar-dianat beflisse er sich äusserist alle vonseinem Seraphischen Vamr in der Re-gn! vorgeschribene Stuck mit möglichsterGenauigkeit zu beobachten; auch seinenBrüderen zu Gefolg der gleichfalls re-gularischen Obligenheit zu dienen: Da-hero hat er in Beyschaffung ihrer Noth-wendigkeiten einen solchen Fleiß / undSorgfältigkeit angewendet/ als immerein recht-verliebte Mutter gegen ihrenlieben Äinderen zu thun vermöchte /und pflegte. Denen Krancken aufdieDienst zu warten / hat er sich als sein

eigenthümliches Ambt allein vorbehält -ten/ und ausgedingt; über dise dast hater so getreulich/ und vätterlich gewacbet/daß er ihnen im geringsten nichts abge-hen liesse: Er besuchte sie ohnfehlbahrallzeit zu Morgen / und Abends : Ersäuberte ihre Zimmerlein / er tragte auSihre Geschirr; er richtete zuihreBeth-lein; und underliesse niemahlen nebenleiblichen Dienst-Erweisungen sie nnt ei-nem Geistlichen Zuspruch zur gedultigerErwägung ihrer schmertzlichen Kranck-heiten/ und Gleichförmigkeit mit dembitteren Leyden IEsu Christi / und des-sen Göttlichen Willen aufrecht zu erhal-ten. Seine Brüder ermahnete er/ undwann es die Noth erforderte/ straffereer sie auch / aber auf eine solche Arth /daß man mit Händen greiften hat kön-nen / seine Bestraffungen haben nigendSanders her / als aus einem wohlmey-nenden Lieb-vollen Hertzen ihren Ur-sprung. Er ist in diser Eigenschafft de-nen Conventeren zu Freyburg in Ucht-land/ Reinfelden/ und endlich zu Feld-kirch mit höchstem Vergnügen seinerOberen/ und nicht wenigeren Eyfer derRegularischen Beobachtungen vorge-standen. Und wie bey denen Capuci-neren die Armuth zu ihrer genauen Hal-tung eine sonderheitliche Aufmercksam-kett / und Eyfer erforderet; also hataufdise der fromme Mann alles ErnstSgetrungen / und an seiner eigenen Per-sohn selbe erscheinen gemacht. Derschlechte / geflickte Habit/ der Abbruchin Opeiß/ rmd Tranck/ die Entschla-gung aller auch geringsten denen Brü-deren / sonderbahr den Oberen unsersbottenen Sachen / seynd dessen klareZeugen. Ja so gar jener Dingen / diesonst der unentbährlichen Nothdurfftgemäß schinen/ liesse er einen gesparsa-men Brauch zu. Wie oben angerüh-ret / so hatte er die strenge Gewöhn--heir / schier daß gantze Jahr hindurchzu fasten. Absonderlich aber genösse er indem Advent / und Fasten nie einige ge-kochte Speiß / seinen Appetit nur mitBrod / und einer kleinen Portion jenerFrüchten/ die er nach der Zeit habenkönnte / abfertigend. Zu abend hat ergar keine Erquickung zu sich genommen /ausser da er etwann deß anderen Tag-zu predigen hatte; in welchem Fall er einwenig Wein trancke. Dann / undwann wollten seine mitleydige Brüderihne bereden / solche Strengheiten umetwas zu mäßigen; denen er aber mitfreundllchem Angesicht in Antwort be-gegnet : vergleichen Verfahren mitdem Leib ist dem Gemüth ein mach--trge Bedeckung ferner Tugenden.In denen K lästeren/ die er zuversehenhatte/ wolre ernte solchen Vorrathge-

stat-