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Helvetia Sancta, H. Schweitzer-Land : das ist ein Heiliger lustiger Blumen-Garten, und Paradeiss der Heiligen; oder Beschreibung aller Heiligen, so von Anfang der Christenheit in Heiligkeit des Lebens, und mancherley Wunderwercken, nicht allein in Schweitzerland, sondern auch an angräntzenden Orthen geleuchtet samt einem Zusatz von dem Heiligen Maryrer Fideli, und der Feyrlichen Enthebung des Seeligen Bruder Clausen, wie auch mit einem ausführlichen Register aller Heiligen, und Seeligen / <<seu>> Paradisus Sanctorum Helvetiae florum zusammen gezogen, und beschriben durch weyland den ehrwürdigen, und wohlgelehrten Herren, P.F. Henricum Murer, der Carthauss Ittingen Profess, und Procurator, etc.
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Capuciner/ und Märtyrer. 48-

ckung einer Zauberey seyn. P. Apol-kinaris Capuciner/ und Prediger alldasucht dise Jungfrau heim / und nacheinem kurtzen Gebett berühret er ihroden Schlund/ und Füß mit einem Bein-lein des Fingers von dem seel. Märty-rer Fidelis seines leiblichen Bruderssie ermahnende / den seeligen Fidelemdurch ein vertrauliches Gebett um sei-ne Hülff anzurüsten. Nicht so baldist sie disem nachgekommen / sitze / dahat sie sich noch selben Abend / ohneeines anderen Hülff auf ihre Füß auf-gerichtet/ ist aus einem in das ande-re Zimmer gelösten/ und den drittenLag vollständig hergestellt erschienen.

Anna Engederin von Breaentzführte unter beständigen Seufftzen/Ach-tzen/und völliger Beraubung ihrerSinnen ein solches Leben/ welches ei-nem würcklichen Sterben nit ungleiche-re. Das öfftere zugestoßene Zitterenan Ha'nd / und Füssen ; der aus demgantzen Leib Herfür brechende Schweiß /und Ohnmachten setzten sie gleichsam indie äusserste Todtes-Nöthen. Hie-raus ist erfolget ein gäntzlrche Verru-ckunqdesKopffs/ und solche Gemüths-Kranckheit/ daß ihr alle Gemein undGesellschastt§; auch so gar ihrer Nächst-Anverwandten zuwider waren. Siehatte nirgends einige Ruhe; und durch«inen gewaltthängen Todt sich des ih-ro verdrüßllchen Lebens zu entsetzen

war ihr einiges Verlangen.. Zu demEnde laufft sie jetzt in der großen Win-ters - Kälte in die Wälder hinaus; baldwollte sie ihrem Mann zummhen/ siemit' einem Degen durch zustechen jetzthat sie ein geraume Zeit sich aller leib-lichen Nahrung abgethan/ und durchven Hunger dem Todt in die Armb zulausten;ein anders mahl mit einemStrick am Hals das Leben zu enden :und alles dises aus der verkehrten Ein-bildung ein solcher gewalrchätiger Todtwurde ihr zur Marter - Cron in demHimmel vorträglich seyn. Dise ge-fährliche Unsinnigkeit tribe sie in die9. Monath / und seynd alle ersinnlicheArtzten/ und Artzneyen an ihr erlegen/indessen bekommt ihr Mann / GallusSpäth von dem Hochwürdigen HerrnPrälaten in der Mehrerau bey Bre-gentz ein kleines Fiecklein von dem Ha-bit unsers seeligen Märtyrers. Mitdisem Heylthum kommt er zu seinemWeib/ henckt chr dastelbigeunter einemlebendigen Glauben an den Hals/ unddas war genug dise arme Trvpffin ineinem Augenblick mit der vollkomme-nen Gesundheit zu beglücken. Ge-stalten dann dise ihre übernatürlicheHerstellung denen eintzigen vor Gort

habenden Verdiensten des seeligen Mär-tyrers zugeschriben. Weiß nicht /nach 6. Monath verliehrt Anna disHeylthum / und gedruckt nun: Diegählinge Widerkunfft des vorigen elen-den Werfens / und der Verlorst desHeylthums wäre alles ems. IhrMann laufft halt widerum dem HerrnPrälaten zu/ bittet um ein anders der-gleichen Flecklein / und erhaltet es.Dises aus obige Weiß dem Weib an-gewendet thut auch die obige Wür-ckung/ und sorgfältiger/ als das ver-lohrene bewahret/ bewahrete es auchforthin lebenlänglich das Weib vondergleichen Anstoß. Gertrud« Kehl-hoferin auch von Bregentz erlitte 9.gantzer Jahr solche Gewaltthätigkeitoer Schmertzen/ daß sie alle Augen-blick besorgen müste/ ihr Hertz wurdeihr verspringen. Die Schärpsse desÜbels nöthigte sie immerdar zu heulen/zu schwitzen/ zu zitteren/ und wie eineimmerdar in Zügen ligende zu leben.Nach vergeblich versuchten allerhandMedicinen hat ihr Mann ein wmtzkgesFlecklein auch von dem Habit des see-ligen Märtyrers von mehr - und hoch-gedachten Herrn Prälaten klsciäo er-worben ; welches dem krancken Weiban den Hals gchenckt/ auf rnständig-verträulicheS Anrüsten des seeligen Fi-delis/ solchen Einfluß gehabt/ daß siean der Stelle eine Besserung ; nach /und nach die Fähigkeit denen Hauß-Geschäfften vorzustehen / und endlichgar die völligeGefunbheit erhalten.Mit-lerweil wird sie durch ein andere Kranck-heit Beth - ltgerig / und so weit aufdieLebens-Neige hinaus gttriben/ daßsie mit Empfangung der H. H. Sa-kramenten/ als Beicht/ Communion/und leisten Oelung sich vor die Abreistin die Ewigkeit fertig gemacht. Beyallem deme wollte sie durchaus wedereinen anderen Artzten weder ein ande-re Artzney annehmen / als allein denseeligen Fidelem/ und obiges Heyl-thum / welches sie mit Erneuerung ih-rer Andacht / und Zuversicht widerumangewendet/ und sich in Krafft dessengleichsam aus dem Grab zu frischemLeben erschwungen hat.

Franciscus Herr von Rorschachistdurch übermäßige z. Wochen lang an-haltende Haupt - Schmertzen aller sinn-loß/ und dermaßen verwirret worden/daß er seine eigene Haußgenosscn nichtmehr gekenner / und aus Aberwitz die ,ungereimtiste Possen geredet hat. Insolchem Jammer-vollen Stand wüstesein Frau weder aus / noch an. Alssie aber von der Ehrwürdigen FrauMutter/ oder Vorsteherin des Klo-sters